Ratgeber
Dienstag, 12. April 2016

Idee eines Staatsfonds: So reicht die Rente doch noch

Von Axel Witte

Das Rentenniveau sinkt. Eine zusätzliche private Altersvorsorge tut not. Dumm nur, dass von den bisherigen Angeboten vor allem die Anbieter profitieren. Ein Staatsfonds könnte das ändern. Doch diese Idee stößt auf Widerstand.

Die aktuelle Rentnergeneration ist vergleichsweise gut versorgt.
Die aktuelle Rentnergeneration ist vergleichsweise gut versorgt.(Foto: imago/Westend61)

Obwohl die Mehrheit der Arbeitnehmer hierzulande mit Sorge auf die künftige Rente blickt, kümmert sich ein Großteil von ihnen nicht um eine zusätzliche private Altersvorsorge. Doch die wäre dringend notwendig. Denn klar ist, dass das Rentenniveau in den nächsten Jahren weiter sinkt und gewaltige Einkommenslücken bei der Rente drohen. Bei jedem zweiten Deutschen werden sogar Einkünfte aus der gesetzlichen Rente befürchtet, die unterhalb der Armutsgrenze liegen.

Eine massive Erhöhung der Rentenbeiträge, um des Problems Herr zu werden, kommt für die Politik nicht infrage. Zu groß ist die Sorge vor dem Zorn der Wähler. So verhielt es sich auch schon bei der Reform der Rentenversicherung im Jahr 2001. Stattdessen wurden de facto Rentenkürzungen beschlossen und eine staatlich geförderte private Vorsorge installiert.

Doch dass bei den seither verfügbaren Angeboten wie Riester- und Rüruprente nicht beherzter zugegriffen wird, liegt nicht zuletzt an der mangelnden Rentabilität der Produkte. Dies ist vor allem den hohen Kosten der Anbieter als auch den staatlich verordneten Garantien und der Kompliziertheit der Konstrukte geschuldet. Verbraucherschützer und mit der Materie vertraute Experten bemängeln dies schon lange und fordern einen Systemwechsel oder zumindest ein ergänzendes staatliches Angebot. Dabei ist die Idee nicht neu - gab es doch bereits vor Jahren Bestrebungen, ein unter der Ägide der Deutschen Rentenversicherung stehendes "Vorsorgekonto" einzuführen, welches eben deutlich günstiger, transparenter und auch renditestärker sein sollte. Doch die Idee wurde abgelehnt - um nun in leicht veränderter Form wiederbelebt zu werden. 

"Deutschland-Fonds" oder "Deutschland-Rente" nennt sich die Überlegung dreier hessischer Minister von CDU und Grünen, die für mehr Geld im Alter sorgen soll, ebenfalls in Form einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Im Gegensatz zur Riester-Rente soll es keine renditehemmende Garantie geben und deutlich geringere Kosten anfallen. Ermöglicht soll das dadurch werden, dass der Fonds auf Selbstkostenbasis und ohne Gewinnerzielungsabsicht von einer öffentlichen Stelle verwaltet werden soll. Zudem sollen dem Sparer flexible Lebenszyklenmodelle, die sowohl frei wählbare Investitionen in Aktien und/oder Anleihen erlauben, möglich sein - mutmaßlich in Form von Indexfonds (ETFs).

Zur Freiwilligkeit gezwungen?

Genau wie die Riester-Rente soll der Vorsorgefonds freiwillig sein. Allerdings müssten sich Arbeitnehmer explizit gegen den "Deutschland-Fonds" aussprechen, ansonsten würden die Beiträge automatisch vom Arbeitgeber abgeführt. In Schweden wird ein solches Modell bereits erfolgreich praktiziert. Mit dem Unterschied, dass die zusätzliche private Altersvorsorge hier Pflicht ist.

Überdacht werden soll zudem das bisher bei "Riester" praktizierte Fördersystem aus Zulagen und Steuervorteilen. Von Letzteren profitieren vor allem Gutverdiener. Angedacht ist eine reine Zulagenförderung mit dann allerdings höheren Mindestsätzen.  

Auch wenn das Modell des "Deutschland-Fonds" noch nicht en détail definiert ist, wird es schon jetzt vor allem von der Versicherungsbranche bekämpft. Läuft es doch deren Interessen der Gewinnerzielung komplett entgegen. Und so versäumen die Anbieter von Riester und Co. auch nicht, vor staatlicher Einmischung und eben auch Missbrauch von öffentlicher Stelle zu warnen. Frei nach dem Ökonomen Alois Schumpeter wird darauf verwiesen, dass sich eher ein Hund einen Wurstvorrat anlegt, als eine Regierung eine Geldreserve. Denn die Rentenkasse sei immer die Spielzeugkiste der Politik gewesen. Auch fürchten Kritiker ausufernde staatliche Beteiligungen an Unternehmen.  

Doch das ist natürlich Quatsch, wäre der Eigentümer des angesparten Vorsorgevermögens doch der Arbeitnehmer. Lediglich die Verwaltung würde - ähnlich wie bei einer Depotbank - dem Staat obliegen. Etwaige Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien blieben Eigentum des Sparers und wären zudem vor staatlichen Zugriffen geschützt.

Zumindest so lange, bis eventuelle Notstandsgesetze die Eigentumsverhältnisse ändern würden. Doch dies würde dann vermutlich alle Formen von Vermögen betreffen, seien es Sparbücher, Immobilien, Versicherungen oder Aktiendepots. Was an dieser Stelle weder befürchtet noch prognostiziert wird. Und so ist nach derzeitigem Stand der "Deutschland-Fonds" eine ziemlich gute Idee.  

Quelle: n-tv.de