Ratgeber

Die Trends 2015 So sieht Recruitment morgen aus

Der Wettbewerb um die besten Führungskräfte ist kein deutsches Problem, der "War for Talent" wird zunehmend international ausgetragen. Einige Länder werden Talente exportieren, andere importieren. Das bedeutet auch, dass das Arbeitsumfeld internationaler wird.

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FAZ, Süddeutsche, die Zeit – lange waren Printmedien Pflichtlektüre für Stellensuchende. Wer im großen Stellenmarkt einmal pro Woche eine interessante Position entdeckte, schickte seine Bewerbung auf dem Postweg und wartete dann eine Reaktion ab. Für die Generation der Millennials – also die der zwischen 1981 und 1994 Geborenen – ist das undenkbar. Aufgewachsen in einer Zeit der schnellen Veränderung sind sie es gewöhnt, dass Bedürfnisse umgehend befriedigt werden. In zehn Jahren werden diese Millennials schon 75 Prozent der Arbeiterschaft stellen. Und das schlägt sich schon heute in den Recruitment-Strategien nieder, wie eine Studie der Karriereplattform Experteer zeigt.

Der "War for Talent" hat begonnen

Das Experteer-Team hat Headhunter, Recruiter und führende Vertreter der Industrie dazu befragt, wo sie die künftigen Herausforderungen der Personalgewinnung sehen und welchen Methoden dabei die Zukunft gehört. Eine Erkenntnis: Der Wettbewerb um die besten Führungskräfte ist kein deutsches Problem, der "War for Talent" wird zunehmend international ausgetragen. 46 Prozent der Unternehmen weltweit sehen den Wettbewerb um den Nachwuchs von Führungskräften als die größte Herausforderung. Gerade Firmen in Europa und Nordamerika werden bedingt durch die demografische und wirtschaftliche Entwicklung immer größere Probleme haben, fähige Mitarbeiter zu finden.

"Was Fußballvereine schon seit Jahrzehnten erfolgreich vormachen, wird zusehends 'normal', auch im Recruiting von Unternehmen aller Größenordnungen", erklärt der Dozent und Autor Peter Postinett. "In einigen Ländern werden die Fachkräfte händeringend gesucht, während in anderen Regionen ein Überschuss an qualifizierten und motivierten Arbeitskräften herrscht." Die Folge: Einige Länder werden Talente exportieren, andere importieren. Das bedeutet auch, dass das Arbeitsumfeld immer internationaler wird. Unternehmen, die kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz fördern, können hier gewinnen. Die Internationalisierung erfordert aber nicht zwangsläufig eine größere räumliche Mobilität der Arbeitnehmer, denn auch die Arbeitsweise wird flexibler. Schon in fünf Jahren wird laut einer Studie von Dell die Hälfte aller Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten können.

Individualisierung des Recruitments

Flexible Arbeitsmöglichkeiten sind aber nur ein Faktor beim Werben um gefragte Führungskräfte. Sicher bleibt das Gehalt wichtig, doch allein mit satten Boni lassen sich die Millennials nicht mehr ködern. Zunehmend rückt das Unternehmen selbst in den Fokus und die Frage, wie man dort mit dem "Faktor Mensch" umgeht. "Vor 20 Jahren mussten sich Arbeitnehmer an die Unternehmen anpassen. Inzwischen ist es genau umgekehrt", sagt Jorg Stegemann von Kennedy Executive Search. "Ein Unternehmen, dem das nicht bewusst ist, verliert seine Mitarbeiter." Empathie kommt vor diesem Hintergrund eine hohe Bedeutung zu. Eine wichtige Kompetenz von Senior Managern wird es sein, dezentrale Teams mit multikulturellem Hintergrund zu führen.

Die fortschreitende Digitalisierung unterstützt Unternehmen dabei, sich selbst zu präsentieren und potentielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen – über Social Media-Kanäle, auf Bewertungsplattformen oder über mobile Apps. Doch wer diese Möglichkeiten ungenutzt lässt, wird das womöglich zu spüren bekommen, warnt Postinett: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es bald Firmen geben, die in Schwierigkeiten geraten, nicht weil sie keinen Umsatz machen, sondern weil sie – auch aufgrund schlechter oder fehlender Bewertungen - keine Talente mehr rekrutieren können." Ein gutes Markenimage allein werde in Zukunft jedenfalls nicht mehr ausreichen.

Mobile Technik und Social Media

Social Media und mobile Technik werden vor diesem Hintergrund weiter an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt nutzen mehr als 90 Prozent der Personalberater soziale Medien, um Lebensläufe von Bewerbern zu überprüfen. Die Präsenz auf Online-Kanälen wie Linkedin oder Experteer wird künftig nicht mehr Kür sein, sondern Pflichtprogramm – sowohl für die Firmen, als auch für die Bewerber, die den technischen Fortschritt zur Vermarktung ihrer eigenen Qualifikation nutzen. Statische Stellenbörsen als bloße Ansammlung von Ausschreibungen werden diese Entwicklung nicht überstehen.

Entscheidend wird der schnelle Austausch sein und vor diesem Hintergrund gewinnt auch die mobile Kommunikation stärker an Bedeutung. Schon heute bevorzugt einer Studie zufolge jeder dritte Stellensuchende die mobilen Versionen von Stellenportalen und in der Branche wird erwartet, dass das auch so weitergeht. "Der gesamte Bewerbungsprozess wird so schneller und internationaler", sagt Postinett und malt sein Bild von der Stellensuche der Zukunft: "Suchagenten informieren Kandidaten über passende Jobausschreibungen und per App kann man sich mit allen notwendigen Unterlagen bewerben."

Quelle: ntv.de, ino

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