Ratgeber

Rendite auf Kosten aller Solarenergie treibt Strompreis

Für die einen bedeutet die Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach eine gute Renditequelle. Die anderen zahlen die Zeche. Im kommenden Jahr ist wegen der Solarstromförderung mit steigenden Strompreisen zu rechnen.

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Immer mehr Besitzer einer Photovoltaik-Anlage freuen sich über hohe Renditen - doch den Preis dafür zahlt die Gemeinschaft.

(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)

Der jüngste massive Ausbau der Solarenergie wird nach Einschätzung des Bundeskartellamts die Strompreise im kommenden Jahr deutlich steigen lassen. Es sei damit zu rechnen, dass die "Kosten für erneuerbare Energien im kommenden Jahr erneut stark ansteigen werden", heißt es in einer Mitteilung der Behörde. 2011 sei deshalb "voraussichtlich" mit höheren Strompreisen zu rechnen.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rechnet mit einem Anstieg der Stromkosten um durchschnittlich 2,1 Prozent. Nach Angaben des BFEW zahlt ein Drei-Personen-Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden derzeit für seine Stromrechnung 69 Euro im Monat.

Umlage steigt deutlich

Allein die Belastungen aus der Erneuerbare-Energien-Umlage für die Stromkunden werden laut BDEW von 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf voraussichtlich 8,2 Milliarden Euro in diesem Jahr steigen. Nach Branchenschätzungen könnte die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage für die Öko-Energien von 2,047 Cent pro Kilowattstunde auf 3,2 bis 3,5 Cent im kommenden Jahr steigen. Genaue Zahlen sollen Mitte Oktober vorliegen. Über die Umlage zahlen alle Stromverbraucher den Ökoenergie-Ausbau mit. Gibt es mehr Ökostrom, steigen auch die zu zahlenden Förderkosten.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller betonte mit Blick auf die Preissteigerungen: "Staatliche Steuern und Abgaben sind auf ein neues Rekordhoch geklettert und haben inzwischen einen Anteil von 41 Prozent am Strompreis eines Haushaltes."

Einerseits setze die gesetzlich garantierte Förderung der erneuerbaren Energien den Strompreisen zu. "Andererseits steigen die Kosten, die für den Ausbau der Stromnetze erforderlich sind und durch die Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt werden", sagte Müller.

Hohe Steuern und Abgaben

Die staatlichen Steuern und Abgaben für Stromkunden werden sich nach BDEW-Schätzungen auf 14,3 Milliarden Mrd. Euro im Jahr 2009 und auf voraussichtlich 16,9 Mrd. Euro in diesem Jahr summieren. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 werde damit die Steuerbelastung für die Kunden mehr als das Siebenfache betragen. Die Mehrwertsteuer ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, Jörg Mayer, warnte vor einem Zerreden der Öko-Energie-Vorteile. "Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Der Umbau unserer Energieversorgung kostet Geld", sagte Mayer. Aber jeder in erneuerbare Energien investierte Euro bringe einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen. Derzeit betrage der Anteil am statistischen Warenkorb, den jeder Haushalt für den Ausbau erneuerbarer Energien bezahlt, lediglich 0,2 Prozent.

Laut Bundesnetzagentur ging von Januar bis Ende August allein bei der Photovoltaik eine Leistung von 4,88 Gigawatt (GW) ans Netz - das ist ein Rekord. Wegen des Booms wird die Einspeisevergütung für Dachanlagen zum Jahreswechsel um die laut Gesetz maximal möglichen 13 Prozent sinken. Wegen bereits im Laufe des Jahres erfolgter Kürzungen liegt die Einspeisevergütung für Dachanlagen 2011 damit rund 30 Prozent unter dem Wert von 2009. Der Energiekonzern RWE prangert die Solarförderung wegen der hohen Förderung bei vergleichsweise geringer Stromproduktion als Geldverschwendung an.

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Quelle: ntv.de, akl/dpa/afp

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