Ratgeber

Fristlose Kündigung Streit rechtfertigt keine Arbeitsverweigerung

"Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben." Diese Weisheit sollte bisweilen auch von zornigen Angestellten beherzigt werden, die im Streit um mehr Lohn die Arbeitsleistung verweigern.

Als Bankangestellte einen fehlerhaften Überweisungsbetrag in Millionenhöhe zu übersehen, ist fatal. Eine fristlose Kündigung rechtfertigt das aber nicht. Foto: Kai Remmers

Wegen der Beharrlichkeit der Weigerung war hier die fristlose Kündigung gerechtfertigt.

(Foto: dpa)

Weigert sich ein Mitarbeiter, seine Arbeit auszuführen, weil er der Meinung ist, er sei nicht ausreichend bezahlt, r iskiert er eine fristlose Kündigung. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG)Schleswig-Holstein entschieden ( Az.: 5 Sa 111/13).

In dem verhandelten Fall war der spätere 49-jährige Kläger bei einer Handwerksfirma als Bodenleger beschäftigt. Für bestimmte Bodenverlegearbeiten war ein Akkordsatz vereinbart, ansonsten ein Stundenlohn von 12,00 Euro. Der Angestellte sollte in 40 nahezu identischen Häusern im Akkord Bodenbelag verlegen. Dabei musste er vorbereitend auch den Belag in die einzelnen Häuser transportieren, den Untergrund reinigen sowie den Belag zu- und Dämmstreifen abschneiden.

Nach zwei Tagen Arbeit rechnete er sich seinen Durchschnittsstundenlohn aus und kam auf einen Betrag von 7,86 Euro brutto. Daraufhin forderte er vom Geschäftsführer einen adäquaten Stundenlohn für diese Baustellen oder aber einen anderen Einsatzort. Dieser lehnte beides ab und forderte den Mann in mehreren Gesprächen eindringlich auf, die zugewiesene Arbeit auszuführen. Zuletzt drohte er ihm die fristlose Kündigung an.

Der Kläger hielt an seiner Verweigerungshaltung fest. Das Arbeitsverhältnis wurde daraufhin fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht Elmshorn gab der Kündigungsschutzklage statt. Dem Kläger habe noch die Möglichkeit gegeben werden müssen, seine Position zu überdenken und zu überprüfen. Dem folgte das Landesarbeitsgericht nicht und hob die Entscheidung auf.

Zur Begründung hat das Landesarbeitsgericht ausgeführt, dass der Kläger die Arbeit nicht verweigern durfte, weil zu Bodenverlegearbeiten unstrittig auch Zusammenhangsarbeiten gehörten. Daran änderte auch eine möglicherweise unzureichende Vergütung nichts. Es galt die getroffene Vereinbarung. Der Kläger musste daher erst einmal die zugewiesene Arbeit verrichten und hätte sie nicht verweigern dürfen. Den Vergütungsstreit hätte er gegebenenfalls später nach Erhalt der Abrechnung führen müssen. Wegen der Beharrlichkeit der Weigerung war hier die fristlose Kündigung gerechtfertigt, begründete das LAG sein Urteil.

Quelle: ntv.de, awi

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