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Tempo-Drosselung im Kleingedruckten Telekom abgemahnt

Mit so viel Gegenwind hat man bei der Deutschen Telekom wohl kaum gerechnet: Seit bekannt wurde, dass der Konzern ab 2016 die Surfgeschwindigkeit bremsen will, ist die öffentliche Empörung groß. Jetzt schickt die Verbraucherzentrale NRW eine Abmahnung. Bald könnten sich die Gerichte mit dem Thema Datendrosselung befassen.

Trotz eines Sturms der Entrüstung hält Telekom-Chef Obermann an seinen Plänen für eine Daten-Obergrenze fest. Foto: Oliver Berg

Trotz eines Sturms der Entrüstung hält Telekom-Chef Obermann an seinen Plänen für eine Daten-Obergrenze fest. Möglicherweise wird er nun auf dem Rechtsweg gestoppt.

(Foto: dpa)

Die Telekom will bei Vielsurfern auf die Bremse treten und unter bestimmten Bedingungen den Internetzugang ihrer Kunden einschränken. Jetzt reagiert die Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen und schickt dem Telekommunikationsanbieter eine Abmahnung. Es sei unangemessen, wenn trotz eines Flatrate-Vertrages das Surftempo um mehr als 99 Prozent gedrosselt werden soll, sobald ein bestimmtes Datenvolumen übertragen wurde, begründet die Verbraucherzentrale ihren Schritt.

Neuverträge sehen seit 2. Mai vor, dass Kunden mit einem normalen DSL-Anschluss nur noch 75 Gigabyte Daten pro Monat bei voller Geschwindigkeit "versurfen" dürfen. Bei Kunden mit schnellen VDSL-Anschlüssen sind es bis zu 400 Gigabyte. Ist diese Grenze überschritten, soll die Geschwindigkeit durch einen technischen Eingriff auf einen Bruchteil der möglichen Höchstgeschwindigkeit reduziert werden. Bei VDSL-Anschlüssen etwa entspräche das einer Drosselung um bis zu 99,2 Prozent.

Ab 2016 wird es ernst

Im Moment bleibt es auch bei Neukunden allerdings nur bei der theoretischen Möglichkeit. Frühestens im Jahr 2016 will die Telekom ihr Vorhaben umsetzen. Dann könnten die Folgen für Telekomkunden deutlich zu spüren sein, fürchten die Verbraucherschützer. Onlinevideos könnten möglicherweise nicht mehr unterbrechungsfrei angesehen werden, auch beim Streamen von Musik oder Internettelefonie dürfte es Probleme geben. Selbst beim Versenden von E-Mails mit Dateianhängen würden Kunden auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale in NRW, warf der Telekom nun eine "nicht hinnehmbare Benachteiligung der Verbraucher" vor. Der Telefonriese könne nicht mit Flatrate- und Geschwindigkeitsversprechen werben und den Kunden dann "den Saft fürs Surfen übers Kleingedruckte abdrehen". Wenn Verbraucher derartig auf der Standspur der Datenautobahn stranden, werde ihnen damit der "diskriminierungsfreie Zugang zu allen Diensten genommen", kritisierte Müller.

Die Telekom hat nun bis zum 16. Mai Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben und die neue Regel zurückzunehmen. Ansonsten müssten die Gerichte entscheiden, ob diese Drosselungsklausel zulässig ist oder nicht.

Falls die Telekom an der Regel festhält, sind nicht nur Neukunden betroffen: Auch Bestandskunden, die künftig einen DSL-Tarif hinzubuchen, würden "als Neukunden behandelt", wie die Telekom dem Magazin "Focus" bestätigte. Hinzu kommen die Kunden, deren analoge Telefonanschlüsse in den nächsten Jahren auf "Voice over IP" umgestellt werden. Auch ihnen werden neue Verträge vorgelegt – und wer sie akzeptiert, der akzeptiert auch das Tempolimit.

Quelle: ntv.de, ino/AFP