Ratgeber

Energiesparhaus Umrüsten lohnt sich

Hinrich Reyelts hat es als Bauherr und Architekt offensichtlich richtig gemacht. Er lebt in einem Nullenergiehaus, das rundum mit thermischen Solarkollektoren bestückt ist und damit auch ansprechend gestaltet ist. Beim Kauf vor zehn Jahren zeigte das Haus dagegen bauliche Mängel, wie sich Reyelts erinnert: "Das Flachdach wurde langsam undicht, die Asbestzementfassade mit den Granittafeln war veralgt. Und der Heizölverbrauch lag mit 11.000 Litern einfach sehr hoch."

Das wollte er ändern und entwarf ein Konzept, mit dem er das Haus optisch und ökologisch auf Vordermann brachte. Innen blieb das Flair der 60er Jahre erhalten. Energetisch aber hat Reyelts das Haus auf Neubaustandard gebracht. Für ihn war klar, dass sein Privathaus komplett mit erneuerbaren Energien versorgt werden sollte. Er entwarf einen ganzheitlichen Sanierungsplan, der verschiedene Maßnahmen miteinander kombinierte.

Schöne Fassade aus Solarkollektoren

Der wichtigste Schritt war die Neuverkleidung der Fassade. Die alten Asbestfaserzementplatten wurden entfernt. Er habe ohnehin mit Solartechnik arbeiten wollen, sagt er: "Da bin ich auf die Idee gekommen, die Fassade mit den Kollektoren zu verkleiden." Sie haben eine Doppelfunktion: Sie sorgen zum einen für warmes Wasser, zum anderen schützen sie die Fassade vor Auskühlung und Überhitzung.

Sogar das Schwimmbad im Haus wird zu 70 % durch die Kollektoren beheizt. Der Wirkungsgrad der Anlage ist durch den vertikalen Einbau in kühleren Jahreszeiten am besten, weil dann der Einstrahlungswinkel der Sonne kleiner ist.

Ein weiterer wichtiger Schritt stellte die Sanierung des Flachdachs dar. Es wurde abgedichtet, wärmegedämmt und mit einer Fotovoltaikanlage versehen, bestehend aus 72 m² Dünnschicht-Modulen mit einer Jahresleistung von etwa 4000 Kilowatt, die ins Netz eingespeist wird. "Das entspricht einer Vergütung von 2100 Euro und ist damit praktisch kostenneutral", freut sich Reyelts über den Erfolg. "Es entspricht in etwa dem, was wir insgesamt für Strom und für die Wärmepumpe an die Stadtwerke zahlen müssen."

In der richtigen Reihenfolge

Im Keller befinden sich zwei Pufferspeicher mit je 1000 Liter Fassungsvermögen. Diese alte Luftheizungsanlage wurde auf die neue umweltfreundliche Energieversorgung umgerüstet.

Vorher befand sich hier alter Ölkessel, der ausgebaut und durch eine Wärmepumpe ersetzt wurde. Außerdem sind im Heizkeller die verschiedenen Steuerungselemente der verschiedenen Komponenten der Heizungsanlage angebracht: Die Zirkulationseinheiten sowie der Umschalter für den Solarbetrieb auf die Wärmepumpe. Zusätzlich befindet sich dort die elektronische Steuerung der gesamten Anlage.

Gekostet hat der Umbau etwa 500 Euro pro Quadratmeter, insgesamt 165.000 Euro. Die jährliche Heizkosteneinsparung beläuft sich auf rund 7000 Euro. In elf Jahren, so schätzt der Bauherr, habe sich der Kapitaleinsatz amortisiert.

Zu einem ökologischen Gesamtplan raten auch Energieexperten wie Claudia Rist von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Das Gesamtkonzept sollte aber unbedingt mit einem Energieberater besprochen werden. "Jedes Haus ist ein komplexes System", so Rist. "Es ist wichtig, nicht zuerst die Fenster auszutauschen und dann über eine Dämmung oder eine Heizungsanlage nachzudenken, sondern die Schritte in der richtigen Reihenfolge zu tun."

Quelle: ntv.de