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Couchsurfing: Einfach mitmachen Umsonst bei Fremden schlafen

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Privatcouch statt Hotelzimmer - immer mehr Menschen schätzen beim Reisen den Kontakt zu Einheimischen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Meine Tür steht allen offen" könnte der Slogan der weltweiten Couchsurfing- Community heißen. Couchsurfer zu sein, das bedeutet, Fremde zu Freunden zu machen, die eigene Matratze anzubieten und selbst als Gast die Welt zu bereisen. Doch Couchsurfing ist kein Hippie-Netzwerk: Berufstätige und Familien sind begeisterte Mitglieder. n-tv.de zeigt, wie es geht.

Vom Couchsurfing haben die meisten schon einmal gehört. Das Prinzip ist simpel und beeindruckend zugleich: Studenten, Berufstätige, Rentner, Singles, Pärchen und Familien aus über 230 Ländern treffen auf der Online-Plattformcouchsurfing.org zusammen. Sie bieten unentgeltlich Schlafplätze an, suchen einen netten Host auf der anderen Seite des Erdballs, vereinbaren eine Tandem-Partnerschaft, um verstaubte Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern, oder treffen Touristen fremder Kulturen und Religionen zum Kaffee. Seit der Gründung des Gastfreundschaftnetzwerkes im Jahr 2004 haben sich über vier Millionen "Surfer" aus 86.000 Städten zusammengeschlossen.

Dass Couchsurfing seinen Mitgliedern Schlafplätze auf der ganzen Welt "für lau" ermöglicht, ist nur ein netter Nebenaspekt. Nach eigenen Angaben steht Couchsurfing für viel mehr als für ein kostenloses Bett. Die Organisation betrachtet sich als eine Bewegung mit dem Ziel, eine Welt zu schaffen, "in der jeder bedeutungsvolle Beziehungen zu Menschen und Orten aufbauen kann, die er kennengelernt hat". Couchsurfer würden kulturübergreifende Kontakte schließen und dieser Vielfalt mit Neugierde, Wertschätzung und Respekt begegnen. Die inspirierenden Begegnungen führten zur persönlichen Weiterentwicklung ihrer Mitglieder und zu mehr Toleranz Unbekanntem gegenüber.

Teil der Bewegung werden

Wer neugierig auf das Netzwerk ist, der kann sich auf der Homepage kostenlos registrieren. Jedes neue Mitglied kreiert sein eigenes Profil – seine Visitenkarte sozusagen. Neben grundlegenden Informationen und Angabe des eigenen Wohnortes ermöglicht das Profil dem Couchsurfer, sich der Community vorzustellen und zu präsentieren. Dabei sollten nicht nur Hobbys und Sprachkenntnisse beschrieben und einige sympathische Fotos hochgeladen werden, sondern auch Informationen zu religiösen Ansichten, Kindern, Tieren oder Allergien nicht fehlen. Damit es bei einer späteren Begegnung nicht zu vermeidbaren Problemen kommt, rät das Netzwerk, in seinem Profil so ehrlich wie möglich vorzugehen.

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Beim Couchsurfen treffen verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander - Toleranz müssen die Reisenden unbedingt mitbringen.

(Foto: REUTERS)

Auf dem Profil geben Mitglieder auch Auskunft darüber, ob sie derzeit selbst auf der Suche nach Gastgebern, "Hosts" genannt, sind oder sich in ihrer eigenen Stadt auf Besuch freuen, also selbst "Surfer" beherbergen möchten. Wer sich entscheidet, selbst Gäste aufzunehmen, sollte auf seinem Profil klarstellen, was er von seinen Besuchern erwartet, und seine eigene Wohnsituation beschreiben. Dabei muss der zukünftige Gastgeber sich selbst fragen: Wie viel Zeit habe ich für meine Couchsurfer? Wie viele Gäste bin ich bereit aufzunehmen und für wie viele Nächte? Dürfen sie meine Küche/meinen Kühlschrank mitbenutzen? Welche "Hausregeln" müssen sie respektieren? Auch werden Couchsurfer sich dafür interessieren, ob sie auf einem Sofa im Wohnzimmer schlafen, zusammen mit dem Host ein Zimmer teilen oder vielleicht sogar in einem eigenen Gästezimmer nächtigen.

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Referenzen können Reinfälle verhindern

Plant man selbst zu verreisen, sollte man ein bis vier Wochen im Voraus die Kontaktaufnahme starten. Vor allem in beliebten Städten wie Paris oder Rom haben Hosts mehr Anfragen, als sie annehmen können. Hilfreich ist es da, gleich mehrere Gastgeber anzuschreiben. Dabei sollten Hosts nie das Gefühl vermittelt bekommen, man suche lediglich ein kostenloses Bett. Wer die Profile potenzieller Hosts gut durchliest, kann begründen, warum man sich genau ihn oder sie ausgeguckt hat. Das eigene Profil interessant zu gestalten, ist in diesen Fällen besonders wichtig - mit einem wortkargen Profil kann sich niemand von einer großen Anzahl von Bewerbern absetzen.

Als Entscheidungshilfe für beide Seiten und als Sicherheitsmaßnahme helfen die Bewertungen und Kommentare früherer Hosts und Surfer. Nach jeder Begegnung hinterlassen Hosts und Surfer Referenzen. Wer diese vor jeder Kontaktaufnahme gründlich durchliest, kann Reinfälle verhindern, Sorgen ausräumen und ein realistischeres Bild vom anderen bekommen.

Treffen vereinbart und jetzt?

Haben sich Host und Surfer füreinander entschieden, sollten sie genau klären, wo und wann sie sich treffen. Ein Alternativplan hilft, nicht vom zukünftigen Host abhängig zu sein, falls bei diesem kurzfristig etwas dazwischenkommt. Wichtig ist dies besonders bei alleinreisenden Frauen. Diesbezüglich gibt die Studentin und Dauersurferin Elda zu, vor ihrer ersten Surf-Erfahrung etwas skeptisch gewesen zu sein. Aber seit sie bei Gastgebern in Namibia, Mosambik, Vietnam, Island und Australien zu Besuch war, ist sie überzeugte CouchSurferin. "Trotz der guten Erfahrungen würde ich aber jeder alleinreisenden Frau empfehlen, sich die Adresse vom nächsten Hostel mitzunehmen und zuvor eventuell einen weiteren Host zu kontaktieren, um Notfalls wechseln zu können".

Verlangen Hosts Geld vom Surfer, sollten Surfer dies sofort der Plattform melden. Couchsurfen ist grundsätzlich kostenlos – ein wichtiges Prinzip der Organisation. Für das Essen müssen die Gastgeber allerdings nicht aufkommen, viele bieten ihren Gästen dennoch etwas an. "Doch auch die Surfer zeigen sich erkenntlich, kaufen einmal Lebensmittel ein und überraschen ihren Gastgeber mit einer traditionellen Mahlzeit aus ihrem Heimatland. Oder sie spülen nach dem Essen das Geschirr ab", sagt Elda.

Ramon - selbst Host und Surfer - betont, dass sich die Beziehungen zwischen Host und Surfer individuell ergeben. "Mal verbringt man als Host sehr viel Zeit mit dem Besuch, zeigt den Couchsurfern die Stadt und kocht für sie – und ein anderes kann man sich vielleicht nicht ganz so viel Zeit nehmen". Auch käme es immer darauf an, wie man sich letztlich verstünde. Helfen kann der Host seinen Gästen in jedem Fall, indem er einen kleinen Stadtführer zusammenstellt. Dieser kann Informationen zu Verkehrsverbindungen, Sightseeing-Attraktionen, Lokalen und Bars und Wandertouren enthalten und hilft den Couchsurfern, das meiste aus ihrer Zeit in der fremden Stadt herauszuholen.

Mit Kindern Couchsurfen

Auch Familien können Couchsurfen oder die eigene Familie als Hosts anbieten. Gerade für Kinder ist es eine wertvolle und aufregende Erfahrung, Menschen aus fremden Ländern kennenzulernen. Wichtig ist es aber, die Kinder nicht zu überfordern, indem man beim ersten Mal beispielsweise zu lange bleibt. Zu schnell von Gastgeber zu Gastgeber zu wechseln ist ebenfalls nicht ratsam, da Kinder etwas länger brauchen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Beim Gastgeber angekommen, sollten Regeln für die Kinder abgeklärt werden. Dürfen beispielsweise die Kinder des Gastgebers eine Stunde fernsehen, die eigenen aber nur eine halbe, muss man sich hier verständigen. Das Gleiche betrifft beispielsweise Süßigkeiten.

Um den Kindern dabei zu helfen, sich in der Fremde wohlzufühlen, kann eine Auflockerungsphase zu Beginn helfen. Zum Beispiel können sich die Kinder in der Sprache des Gastgebers vorstellen oder etwas über die eigene Familie erzählen.

Egal, ob mit Kindern oder ohne: Eine ehrliche Referenz auf der Online-Plattform darf nach keiner Begegnung fehlen. War man mit seinem gastfreundlichen Gastgeber sehr zufrieden, kann man ihm mit einer positiven Bewertung danken. Vor einer schlechten Erfahrung bewahrt man mit einem negativen Kommentar hingegen andere potenzielle Couchsurfer.

Kulturaustausch beim Kaffeeklatsch

Wer selbst derzeit nicht reist und wem es an Platz und Zeit fehlt, Couchsurfer bei sich aufzunehmen, der kann dennoch von den Vorteilen der Organisation profitiert. In jeder größeren Stadt finden regelmäßige Treffen der Couchsurf-Szene statt. Ebenfalls ist es möglich, statt einer Couch seine Bereitschaft zu einem Kaffeeklatsch oder einer Stadtbesichtigung anzubieten. Umgekehrt ist dies auch eine tolle Möglichkeit für Reisende, die bevorzugt in einem Hotel schlafen, mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Darüber hinaus können über die Homepage gezielt nach Kontakten, zum Beispiel für eine Sprachpartnerschaft, gesucht werden.

Um Teil der weltweiten Couchsurf-Bewegung zu werden, muss man also weder surfen noch beherbergen. Viel wichtiger ist es, sich für Menschen anderer Länder und Kulturen zu interessieren und diesen mit Offenheit und Interesse zu begegnen - ob mit einem Franzosen beim Bier in der Lieblingskneipe oder mit einer Peruanerin im eigenen Garten.

Quelle: ntv.de

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