Ratgeber
Dienstag, 16. Januar 2007

Ralf Vielhaber im Interview: Unabhängige Berater gefragt

Die "Fuchsbriefe" testen einmal im Jahr die Qualität der Vermögensmanager. n-tv.de sprach mit Chefredakteur Ralf Vielhaber über Herangehensweise und Ergebnisse des Tests und welche Schlüsse man für die eigene Geldanlage daraus ziehen kann.

n-tv.de:
Sie testen einmal im Jahr Vermögensmanager. Mit welchen Kriterien gehen Sie an den Test?

Ralf Vielhaber: Wir schauen uns zunächst die so genannte Vertrauensbasis an. Wir achten darauf, welche Produktpolitik ein Haus hat, wie viele Kunden auf einen Berater kommen, wie man beim Reporting gegenüber dem Kunden mit Informationen umgeht, schauen uns das Dienstleistungsportfolio und die Kosten der Vermögensverwaltung an und natürlich wie klar die Verträge ausgestaltet sind. Bei der Analyse der Verträge geht es vor allem auch um die Rückvergütung von Seiten Dritter. Als weiteres Kriterium führen wir ein Beratungsgespräch mit Hilfe von besonders geschulten Testern durch, die den Fall eines Vermögenden durchspielen. Dadurch sehen wir, wie der Berater die nötigen Daten erhebt und ob er sich wirklich für den Kunden und seine gesamten Vermögensverhältnisse oder beispielsweise nur für sein Aktienportfolio interessiert. Zusätzlich schauen wir noch an, was uns schriftlich als Anlagevorschlag von den Beratern erreicht.

Gibt es eine Tendenz, wie sich die Beratungsqualität in den vergangenen Jahren entwickelt hat?

Die Qualität der Beratung wird immer besser. Die Banken schulen ihre Berater seit einigen Jahren sehr intensiv. Allerdings muss man dazu sagen, dass Beratung bei Banken oder auch bei unabhängigen Beratern immer auch Verkauf bedeutet. Die Berater wollen natürlich mit den Leistungen glänzen, die sie in den Gesprächen erbringen. Grundsätzlich können wir einen Trend zu einer ganzheitlichen Beratung feststellen, wo man sich nicht nur das Aktienportfolio eines Kunden, sondern die gesamten Vermögenswerte inklusive der Versicherungen und Immobilien anschaut. Die Berater haben auch ein Auge darauf, ob das Gesamtportfolio steuerlich optimiert ist und wo Risiken liegen. Risiken gibt es nicht nur im Aktiendepot, sondern über die gesamten Vermögenswerte hinweg. Dieser Fokus wird von den Banken und unabhängigen Beratern immer stärker umgesetzt.

Wie unterschiedlich ist die Performance-Entwicklung von guten und mäßigen Beratern?

Wir achten nicht nur auf die Rendite, sondern auch mit welchen Risiken sie erzielt wird. Es gibt ja so genannte dynamische Portfolios, die fast ausschließlich Aktien beinhalten. Es gibt aber auch Portfolios, die sehr rentenlastig sind. Die Renditeunterschiede liegen bei risikoarmen Depots bei bis zu 13% über 3 Jahre, bei risikoreichen bei bis zu 35% innerhalb von 3 Jahren.

Ab welchen Summen lohnt ein individuelles Vermögensmanagement?

Angeboten wird es ab 250.000 Euro. Die meisten bieten es ab 500.000 Euro an. Meiner Meinung nach muss man sich unter 2,5 Millionen Euro keinen Vermögensbetreuer leisten, wenn man sich selbst ein wenig für Geldanlagen interessiert. Da kann man auf andere Weise mit ähnlichen Ergebnissen günstiger davonkommen.

Was kostet ein Vermögensmanager?

Die meisten Vermögensmanager erhalten Rückvergütungen, wenn sie Produkte bei Drittanbietern einkaufen. Das wird oftmals für den Kunden nicht sichtbar. Darauf sollte man achten und mit der Bank auch darüber sprechen. Die Rückvergütung macht allein rund 0,5 Prozent der Anlagesumme aus. In der Regel hat man bei einem Vermögen von einer Million Euro eine so genannte jährliche "All-Inklusive-Pauschale" von etwa einem Prozent des Vermögens zu zahlen.

Wer berät Anleger, die beispielsweise über 50.000 bis 100.000 Euro verfügen?

Eine einmalige Beratung, die sich mit der Struktur des Vermögens auseinandersetzt, würde ich auch bei einem Vermögen in dieser Größenordnung empfehlen, weil man beispielsweise für Berufsunfähigkeit und das Alter vorsorgen muss. Ein Finanzplaner sollte das Vermögen einmal sauber durchstrukturieren und kann auch auf steuerliche Aspekte hinweisen. Wenn dies einmal gemacht ist, reicht es, jährlich oder in noch größeren Abständen nachzujustieren. Man muss darüber hinaus bei gut laufenden Anlagen berücksichtigen, dass sich deren Gewichtung innerhalb des Gesamtportfolios und damit auch das Risiko ändert. Deshalb ist dann eine Anpassung des Portfolios nötig. Dies kann man aber auch mit externem Rat selbst erledigen, indem man bei Direktbanken Produkte einkauft und damit oft sehr viel günstiger fährt. Mehr als zehn Produkte kann man ohnehin nicht selbst im Auge behalten.
Meine Erfahrung ist: Je kleiner ein Portfolio ist, desto mehr neigen Bankberater zum Produktverkauf über die Beratung. Meist verkaufen die Berater auch die Produkte, in denen quasi immer schon eine Beratungsvergütung enthalten ist. Als Daumenregel gilt: Je komplexer die Produkte sind, desto höher ist die Marge, die abgezweigt wird.


Wie finde ich einen neutralen Finanzberater?

Die zertifizierten Finanzplaner sind in einem Verband organisiert. Auf dessen Homepage kann man nach einem Finanzplaner in seiner Nähe suchen. Diese Finanzplaner führen eine reine Beratung gegen Honorar durch und verkaufen keine Produkte. Sie müssen sich einer Prüfung unterziehen und haben auch strenge Standesregeln.

Gibt es eine goldene Regel, wie man sein Geld anlegen sollte?

Was man von den großen Vermögen lernen kann, gilt im Kleinen genauso. Wichtig ist eine saubere Diversifizierung - also eine breite Streuung über die verschiedenen Anlageklassen. Man sollte sich sehr genau darüber klar werden, welche Risiken man eigentlich eingehen will und kann und das Gesamtportfolio danach ausrichten. Wichtig ist, dass man langfristig denken lernt und sich nicht von den täglichen kurzfristigen Marktzuckungen anstecken lässt. Die Marketingwellen, die ständig durch die Zeitungen gespült werden, sollte man links liegen lassen. Wichtig ist auch, dass man sich feste Renditeziele nach Steuern und Inflation setzt. Wenn man diese einmal hat und sich beispielsweise ein Renditeziel von drei Prozent nach Steuern und Inflation setzt - was schon eine Menge ist - dann kann man zu einem Finanzplaner gehen und sich über die Risiken aufklären lassen, die mit der Erreichung dieser Ziele verbunden sind. Anschließend kann man entscheiden, ob man bereit ist, diese Risiken einzugehen oder seine Renditeziele verringern.

Das Interview führte Alexander Klement

Quelle: n-tv.de

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