Ratgeber

Tod durch Schokolade Unfallversicherung in der Pflicht

Ein Unfall ist ein Ereignis, das unvorhergesehen von außen auf den Körper einwirkt. Wer Schokolade isst, tut das normalerweise freiwillig. Kommt es daraufhin zu einer allergischen Reaktion, ist das demzufolge kein Unfall - sagt die Versicherung. Das Oberlandesgericht München sieht das anders.

Wer Leckeres zu sehen bekommt, verspürt oft spontan Appetit: Und Schuld daran hat ein Hormon. Foto: Alexander Rüsche / Archiv

Der Hinweis "kann Spuren von Nüssen enthalten" fehlt auf keiner Schokoladentafel.

Eine allergische Reaktion kann ein Fall für die Unfallversicherung sein. Das hat das Oberlandesgericht München entscheiden und damit Klarheit für Lebensmittelallergiker geschaffen (14 U 2523/11). Nimmt ein Allergiker versehentlich oder unbewusst Lebensmittel mit Allergenen auf, muss die Unfallversicherung für die Folgen zahlen.

Der verhandelte Fall war tragisch: Ein 15-jähriges, auf Nahrungsmittel allergisches, geistig behindertes Kind war am Heiligabend 2009 gestorben. Es hatte zuvor mutmaßlich nusshaltige Schokoladentäfelchen vom gedeckten Weihnachtstisch gegessen, ohne dass die Eltern das bemerkten.

Die Mutter des Kindes machte später gegenüber der Versicherung einen Betrag von 27.000 Euro geltend. Diese Summe war in den Versicherungsbedingungen für den Fall eines Unfalltodes vorgesehen. Die Versicherung weigerte sich allerdings zu zahlen. Sie war der Ansicht, dass die Todesursache nicht geklärt sei und im Übrigen auch kein Unfall vorliege. Ein willensgesteuerter normaler Verzehr von Vollmilchschokolade sei kein von außen auf den Körper wirkendes Ereignis – und nur dann spricht man versicherungsrechtlich von einem Unfall.

Während die Vorinstanz die Klage der Mutter abwies, hatte sie beim Oberlandesgericht Erfolg: Der unwissentliche Verzehr von Allergenen sei als Unfall zu werten. Das maßgebliche Ereignis, das im vorliegenden Fall die erste Gesundheitsschädigung unmittelbar ausgelöst hatte, sei das Aufeinandertreffen nusshaltiger Schokolade auf die Mundschleimhaut des Kindes gewesen. Diese wirkte von außen ein. Die Leistungspflicht werde auch nicht dadurch gemindert, dass der Körper grundsätzlich allergisch reagieren könnte. Allein die allergische Reaktionsbereitschaft sei keine Krankheit.

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Quelle: ntv.de, ino

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