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Reisemängel geltend machen Veranstalter muss Anwaltskosten nicht zahlen

Wer wegen Reisemängeln Geld zurück verlangt, braucht dafür keine juristische Ausbildung. Beauftragt man trotzdem einen Rechtsanwalt, kann man auf den Kosten sitzen bleiben.

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Man braucht nicht unbedingt einen Rechtsexperten, um Geld vom Reiseveranstalter zurückzufordern.

(Foto: imago stock&people)

Verspätete Flüge, unbenutzbare Hotelpools oder verloren gegangenes Gepäck – wer sich beim Reiseveranstalter beschweren möchte, sollte sich überlegen, ob das nicht auch ohne Anwalt geht. Denn wenn das Unternehmen nach der Mängelanzeige Geld zurückerstattet, muss es nicht auch die Anwaltskosten übernehmen. Das hat das Amtsgericht München klargestellt (Az.: 261 C 2135/14).

Geklagt hatte eine fünfköpfige Familie aus Mainz. Sie hatte über ein Reisebüro eine Pauschalreise nach Tunesien gebucht, die Anreise sollte per Rail- & Fly-Ticket erfolgen. Der ICE zum Flughafen in Hannover hatte allerdings über vier Stunden Verspätung, so dass die Familie ihren Flug verpasste. Weil kein späterer Flug möglich war, musste die Familie ihren Urlaub abblasen und nach einer Nacht im Hotel nach Hause zurückfahren. Dafür forderte sie vom Reiseveranstalter die Rückerstattung des Reisepreises und eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Das Schreiben verfassten die Kläger allerdings nicht selbst, sondern sie engagierten einen Anwalt. Und dessen Honorar von gut 400 Euro sollte das Reiseunternehmen ebenfalls bezahlen. Doch hier stellte sich die Firma quer. Zu Recht, wie das Amtsgericht fand. Für eine formlose Mängelanzeige brauche man keine juristische Ausbildung, man müsse den Sachverhalt schließlich nicht rechtlich einordnen. Eine Mängelanzeige sei eher wie eine Mahnung zu betrachten. Die müsse auch kostenlos sein, solange der Schuldner nicht in Verzug sei. Außerdem hätten die Kläger die Pflicht, den Schaden möglichst gering zu halten. Das bedeutet dann eben auch, die Mängelanzeige selbst zu erstellen.

Dass man in dem Fall durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann, zeigt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt. Dieses hatte in einem ähnlichen Fall auch die Kosten für eine Mängelanzeige anerkannt. Das Urteil des Münchner Amtsgerichts ist rechtskräftig.

Quelle: n-tv.de, ino

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