Ratgeber

Umkehrhypotheken Verbraten statt vererben

Ein Haus als Altersvorsorge ist schön und gut, allein: Beton kann man nicht essen. Umkehrhypotheken sind die Lösung, wenn das Geld im Alter nicht zum Leben reicht. Noch ist der Markt allerdings überschaubar.

Höherer Gewinn durch Home Staging: Verkaufsprofis machen das Haus attraktiver für Kaufinteressenten.

Das Haus zu Geld machen ohne ausziehen zu müssen - das Konzept klingt verlockend, hat aber Tücken.

(Foto: dpa)

Das eigene Haus gilt den meisten Deutschen als verlässlichste Form der Altersvorsorge. Mietersparnis und gesetzliche Rente allein reichen aber nicht immer aus, um im Alter den gewohnten Lebensstandard zu halten. Manchmal stehen auch Sanierungen oder andere Kosten ins Haus, die sich mangels Vermögen nicht stemmen lassen. Auch wenn es naheliegend wäre, das – oft ohnehin zu große – Haus einfach zu verkaufen, ist diese Lösung für die meisten Betroffenen indiskutabel. Einen alten Baum verpflanzt man schließlich nicht.

In den USA und in Großbritannien hat man eine Antwort auf dieses Problem gefunden, die nun auch in Deutschland etabliert werden soll: "Reverse Mortgage" heißt sie, zu Deutsch Umkehrhypothek. Dabei wird die abbezahlte Immobilie mit einer erneuten Hypothek belastet. Die Besitzer bekommen dafür eine Einmalsumme oder eine Rente ausgezahlt und bleiben in ihrem Heim wohnen. Wenn sie sterben oder ausziehen, müssen die Schulden und die angesammelten Zinsen abgelöst werden. In der Regel wird dafür das Haus verkauft. 

Nach mir die Sintflut

Im Grunde ist das ein schlüssiges Konzept, zumal es durchaus Bedarf gibt. Kinder wohnen heute oft hunderte Kilometer von ihren Eltern entfernt, müssten das Haus also ohnehin verkaufen. Zumal die aktuelle Generation der Erben oft selbst schon gut versorgt ist. Wer keine Nachkommen zu bedenken hat, braucht sich erst Recht nicht mit Gewissensbissen zu plagen. Dennoch dürfte die Umkehrhypothek ein Nischenprodukt bleiben. Nicht unbedingt wegen mangelnder Kundschaft, sondern weil die Banken ziemlich hohe Ansprüche haben.

In strukturschwachen Gebieten oder ländlichen Regionen ohne Großstadtanbindung gibt es auch für Traum-Immobilien keine Chance. Entscheidend ist die erwartete zukünftige Wertentwicklung. Doch selbst wenn diese hervorragend ist, bekommt man nur einen Bruchteil des geschätzten Wertes ausgezahlt. Weil die Anbieter bislang kaum Erfahrungen auf dem Feld der Rückwärtshypotheken haben, agieren sie überaus vorsichtig und bauen dicke Sicherheitspuffer ein. Die DKB-Tochter Immokasse beispielsweise beleiht Häuser mit höchstens 35 Prozent des Verkehrswertes. Aus einer 300.000 Euro-Immobilie lassen sich also im besten Fall 105.000 Euro herausholen. Je älter die Kreditnehmer sind, desto großzügiger werden die Banken. Zu Beginn der Rente lohnt sich die Sache also kaum, zumal der Zins-Berg im Laufe der Jahre so hoch wachsen könnte, dass  eventuellen Erben später wirklich kaum etwas übrig bleibt.

Zwei Anbieter

Im Moment ist der Markt für Rückwärtshypotheken noch sehr überschaubar. Als erste wagte sich 2009 die Immokasse an den Start. "ImmoRentenPlus" nennt sich ihr Produkt und anders als der Name vermuten lässt, gibt es keine Rente, sondern eine Einmalzahlung. Die ist übrigens steuerfrei. Die Investitionsbank Schleswig-Holstein zahlt das Darlehen bei der "IB.Immorente" dagegen normalerweise in monatlichen Raten aus – allerdings nur solange, bis die statistische Lebenserwartung erreicht ist. Danach gibt es kein Geld mehr. Nach fünf Jahren muss man zudem mit der Tilgung des Darlehens beginnen oder das Haus doch noch verkaufen. Für besonders rüstige Rentner ist die IB-Lösung also nicht risikolos. Der Kredit der Immokasse muss dagegen erst dann zurückgezahlt werden, wenn die Bewohner gestorben sind oder schon zu Lebzeiten aus der Immobilie ausziehen.

In einem Vergleich der beiden Anbieter kam die Zeitschrift "Capital" zu keiner klaren Empfehlung. Zwar zahlte die Immokasse im Beispielfall eine deutlich höhere Summe aus, verlangte dafür aber auch höhere Zinsen als die Kieler Bank. Wer nicht in Schleswig-Holstein wohnt, hat aber ohnehin keine Wahl. Die IB beleiht derzeit nur Häuser in Norddeutschland. Verbraucherschützer raten aber ohnehin dazu, noch etwas abzuwarten. Wenn die Pioniere ausreichend Erfahrungen gesammelt haben und sich weitere Banken auf den Markt wagen, dann dürften die Angebote noch attraktiver werden. Bis dahin kann man auf den Seiten des Bundesverbands Öffentlicher Banken schon einmal ausrechnen, was das eigene Häuschen einbringen würde.

Quelle: ntv.de

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