Ratgeber

Grundsatzurteil zu Optionsscheinen Verluste jetzt von der Steuer absetzen

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass man bei Geschäften mit Optionsscheinen auf die Nase fliegt. Bislang haben die Finanzämter solche Verluste nicht anerkannt, auf Anweisung von oben. Der Bundesfinanzhof stellt sich jetzt gegen das Bundesfinanzministerium.

imago64225244h.jpg

Seit 2009 werden auf Kapitaleinnahmen 25 Prozent Abgeltungssteuer erhoben.

(Foto: imago/Eibner)

Risikoscheue Privatanleger lassen von Optionsscheinen besser die Finger. Wer sich an die Papiere wagt und damit Schiffbruch erleidet, kann damit aber wenigstens Steuern sparen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jetzt in drei Urteilen entschieden, dass Verluste aus dem Verfall von Optionen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen abgezogen werden können. Damit widerspricht das höchste deutsche Finanzgericht der Rechtsauffassung des Bundesfinanzministeriums. (Az.: IX R 48/14, IX R 49/14 und IX R 50/14)  

In den Streitfällen hatten Privatanleger verschiedene Aktien- und Indexoptionen erworben. Die Kurse entwickelten sich allerdings nicht wie erwartet. Die Optionen "liefen aus dem Geld" und mussten nach dem Ende der Laufzeit als wertlos aus den Depots der Anleger ausgebucht werden. Den Wertverlust machten die Anleger bei der nächsten Steuererklärung als Werbungskosten in der Anlage Kap geltend.

Dabei war schon abzusehen, dass die Finanzämter diese Kosten nicht anerkennen würden. Zwar hatte der Bundesfinanzhof schon 2012 und 2013 die Verluste aus Optionsgeschäften als Werbungskosten anerkannt. Die Entscheidungen bezogen sich allerdings auf die alte Rechtslage vor der Einführung der Abgeltungssteuer. Das Bundesfinanzministerium hatte damals angeordnet, dass die Urteile nur auf Fälle vor 2009 Anwendung finden sollten.

Die Kläger forderten nun, dass auch Verluste ab dem 1. Januar 2009 abzugsfähig sein sollten. Mit Erfolg. Der BFH entschied: Optionsbedingte Verluste sind bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen grundsätzlich zu berücksichtigen. Das folge aus der entsprechenden Regelung im Einkommensteuergesetz. Dabei sei es unerheblich, ob der Anleger aufgrund der Option auch den zugrundeliegenden Basiswert erwirbt oder ob er den Unterschiedsbetrag, der sich aus einem Optionsgeschäft ergibt, in bar ausgleicht. Die Anschaffung der Option und der Ausgang des Optionsgeschäfts seien als Einheit zu betrachten. Die Steuerpflichtigen dürfen daher den Wertverlust mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen, etwa Einnahmen aus Zinsen oder Dividenden, verrechnen und steuerlich nutzen.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema