Ratgeber
Donnerstag, 27. September 2012

Leistung kann gekürzt werden: Versicherte haben auch Pflichten

Hier kommt der Autor hin

Wer eine Versicherung abschließt, hat nicht nur Rechte. Kunden haben auch Pflichten - so genannte Obliegenheiten. Erfüllen sie diese nicht, setzen sie ihren Versicherungsschutz aufs Spiel.

Nach einem Einbruch müssen Betroffene den Schaden möglichst bald ihrer Versicherung melden. Sonst riskieren Kunden, dass die Leistung gekürzt wird.
Nach einem Einbruch müssen Betroffene den Schaden möglichst bald ihrer Versicherung melden. Sonst riskieren Kunden, dass die Leistung gekürzt wird.

Ob Wasserschaden im Keller, Auffahrunfall oder Einbruch in die Wohnung - wenn der erste Schock verflogen ist, beruhigt der Gedanke, versichert zu sein. Haftpflicht-, Hausrats-, Kfz- und Wohngebäudeversicherungen sorgen dafür, dass solche Katastrophen nicht allzu teuer werden. Allerdings muss jeder Kunde Pflichten erfüllen - die sogenannten Obliegenheiten. Andernfalls riskiert er den vollen Versicherungsschutz.

"Man sollte genau im Vertrag nachlesen, welche Obliegenheiten man vor und nach dem Versicherungsfall hat", rät Beate-Kathrin Bextermöller von der Stiftung Warentest in Berlin. Weist ein Versicherer nach, dass Pflichten missachtet wurden, kann die Versicherungssumme gekürzt werden. Im schlimmsten Fall droht sogar der komplette Verlust des Versicherungsschutzes.

Bestimmte Obliegenheiten sind bei jeder Versicherung gleich. "Es gibt Pflichten, die eindeutig im Versicherungsvertragsgesetz geregelt sind: die Anzeige des Versicherungsfalles und die Auskunftspflicht", sagt Rechtsanwalt Arno Schubach aus Koblenz. Damit der Versicherer überhaupt reagieren kann, muss der Fall unverzüglich gemeldet werden. Üblich ist, dass die Meldung innerhalb von einer Woche erfolgen muss, am besten schriftlich. Außerdem muss der Kunde der Versicherung wahrheitsgemäß Auskunft darüber geben, was passiert ist. Nach einem Einbruch etwa muss der Kunde dem Hausratversicherer eine Liste mit den gestohlenen Sachen zur Verfügung stellen.

Versicherer haben Potenzial für Einsparungen entdeckt

Bei der weiteren Ausgestaltung der Obliegenheiten haben die Versicherer weitgehend freie Hand. "Seit Mitte der 1990er Jahre müssen Obliegenheiten nicht mehr einheitlich sein", erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Seitdem gilt die Freigabe von Bedingungen und Tarifen. Trotz der freien Ausgestaltung der Versicherungsbedingungen seien Obliegenheiten aber meist sehr ähnlich und auch nicht verhandelbar. "Letztlich sind das ja die Allgemeinen Geschäftsbedingungen."

Bei Hausrats- und Wohngebäudeversicherungen ist es besonders wichtig, die Obliegenheiten zu kennen. Der Bund der Versicherten beobachtet seit einigen Jahren, dass Versicherer hier Potenzial für Einsparungen entdeckt haben. Dabei sei etwa die Regelung, dass Zahlungen stufenweise gekürzt werden können, für die Versicherer durchaus von Vorteil. "Es ist oft so, dass Verbraucher kleine Kürzungen der Zahlung eher akzeptieren als die vollständige Verweigerung", erklärt Rudnik.

Um den vollen Schutz zu erhalten, müssen Versicherte nachweisen können, alles getan zu haben, um den Schaden zu verhindern. "Dazu gehört etwa, die technischen Einrichtungen eines Wohngebäudes ordnungsgemäß zu unterhalten", erklärt Schubach. So sollte etwa eine Heizungsanlage regelmäßig gewartet werden. Auch sollten Türen und Fenster möglichst geschlossen sein. Umstritten sei aber, ob Türen zweifach abgeschlossen sein müssen, damit nach einem Einbruch die volle Versicherungssumme gezahlt wird, sagt Schubach.

Kommt es zu einem Schaden, prüfen Versicherer, wie sich ihr Kunde verhalten hat. "Wichtig ist zum Beispiel, dass man bei einem Rohrbruch versucht, Elektrogeräte oder Holzmöbel in Sicherheit zu bringen", rät Rudnik. Nach einem Sturm müsste ein Loch im Dach provisorisch abgedeckt werden. Natürlich immer, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Verhalten der Kunden wird geprüft

Zahlreiche Pflichten gibt es bei Kfz-Versicherungen. "Eine Verletzung der Obliegenheiten liegt zum Beispiel bei Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss vor", sagt Bextermöller. Wenn unter Einfluss von Alkohol ein Schaden verursacht wird, ist der Schaden des Unfallopfers zwar über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers gedeckt, dieser kann aber von seiner Versicherung in der Regel mit bis zu maximal 5000 Euro zur Kasse gebeten werden. Auch den Unfallort zu früh zu verlassen, kann dazu führen, dass die Versicherung eine Regresszahlung fordert.

Von besonderer Bedeutung in Fällen der Haftpflichtversicherung ist es, die eigene Schuld nicht zu gestehen. Selbst wenn klar ist, wer den Schaden verursacht hat. "Der Versicherer will selbst überprüfen, ob ihr Kunde für den Schaden haften muss", erklärt Rudnik. Auch dürfen keine Schäden bezahlt werden, ohne dies vorher mit der Versicherung abzuklären.

Versicherte, die glauben, dass sie zu Unrecht der groben Fahrlässigkeit oder vorsätzlichen Täuschung beschuldigt werden, können den sogenannten Kausalitätsgegenbeweis führen, erklärt Schubach. Sie müssen nachweisen, dass die Pflichtverletzung nicht direkt dafür verantwortlich war, dass es zum Versicherungsfall kam. Gelingt ihnen dies, muss der Versicherer zahlen.

Quelle: n-tv.de