Ratgeber

Wohnung zum halben Preis Wann ist der Kauf Wucher?

Ein erfolgreiches Immobiliengeschäft ist nach dem Selbstverständnis von Maklern ohne sie kaum möglich. Dennoch genießt der Beruf nicht überall den besten Ruf. Bisweilen zurecht - wie ein Urteil eines Oberlandesgerichts nahe legt.

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Auch beim Kauf gibt es Wucher.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird eine Eigentumswohnung für nur 90.000 Euro verkauft, obwohl sie 187.000 Euro wert ist, ist der Kaufvert rag wegen Wuchers nichtig. Dies hat das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg entschieden (Az.: 1 U 61/14).

In dem verhandelten Fall waren die späteren Kläger Eigentümer zweier Eigentumswohnungen. Als sie in finanzielle Schwierigkeiten gerieten und die auf den Immobilien lastenden Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, drohte ihnen die Zwangsversteigerung. In dieser Situation bot ihnen eine Wohnungsmaklergesellschaft an, die Eigentümer bei dem Verkauf ihrer Wohnungen zu unterstützen. Als die Maklerin keine Käufer vermitteln konnte, bot sie selbst den Erwerb der Wohnungen an und erklärte gleichzeitig, diese an die Wohnungsinhaber vermieten zu wollen.

Diese willigten ein und verkauften die Wohnungen zu einem Preis von insgesamt 90.000 Euro. Der Erlös war gerade ausreichend, um die offenen Verbindlichkeiten tilgen zu können. Den freien Restbetrag von 27 Cent zahlte die Maklerin dem Ehepaar in bar aus. Tatsächlich hatten die Wohnungen zum Zeitpunkt des Verkaufs aber nach den Feststellungen eines Sachverständigen einen Verkehrswert von 187.000 Euro. Später wehrten sich die ehemaligen Eigentümer gegen den Kaufvertrag mit einer Klage.

Mit Erfolg. Das OLG stellte den seltenen Fall des Wuchers fest. Demnach stehen Leistung und Gegenleistung in einem besonders groben Missverhältnis, da der tatsächliche Wert der Eigentumswohnungen mehr als doppelt so hoch ist wie der vereinbarte Kaufpreis.

Damit hat die Maklerin eine auf einer Zwangslage beruhende besondere Schwächesituation der Verkäufer ausgenutzt, befand das Gericht. Sie hat gewusst, dass die Zwangsversteigerung der Immobilien unmittelbar bevorsteht und die Kläger damit rechneten, ihre Wohnungen zu verlieren und ausziehen zu müssen. Diese Zwangslage habe sich die Maklerin bewusst zunutze gemacht und den Erwerb der Eigentumswohnungen zu einem deutlich niedrigen Kaufpreis initiiert.

Hinzu kommt, dass die Maklerin die Wohnungen innerhalb von nur etwa fünf Monaten zu einem Gesamtkaufpreis von 160.000 Euro weiterverkauft hat. Zudem hat sie den ehemaligen Eigentümern den Rückkauf der Wohnungen zu einem Kaufpreis von insgesamt 150.000 Euro angeboten, als diese den Geschäftsführer der Maklerin auf die Umstände des beabsichtigten Weiterverkaufs ansprachen.

Die Richter verfügten, dass im Grundbuch ein Vermerk über den fehlerhaften Eigentumsübergang auf die Maklerin aufgenommen wird. Ob es zu einer Rückabwicklung des Kaufvertrages kommt, muss in einem gesonderten Verfahren geklärt werden. 

Quelle: ntv.de, awi

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