Ratgeber
Donnerstag, 04. Juli 2013

Gartenzwerge, Grillen, Rasenmähen: Was darf der Nachbar?

Endlich Sommer, endlich raus, endlich grillen - und endlich hat der Nachbar auch wieder etwas zu meckern. Streitereien am Gartenzaun nehmen mit steigenden Temperaturen zu. Was ist erlaubt, was nicht?

Mit einer Heckenschere an den Rhododendronstrauch des Nachbarn? Zwar dürfen Pflanzen nicht über den Gartenzaun wachsen. Gestutzt werden dürfen sie aber nicht ohne weiteres.
Mit einer Heckenschere an den Rhododendronstrauch des Nachbarn? Zwar dürfen Pflanzen nicht über den Gartenzaun wachsen. Gestutzt werden dürfen sie aber nicht ohne weiteres.(Foto: dpa-tmn)

Wechselseitige Rücksichtnahme ist die Basis einer guten Nachbarschaft - so sieht es auch der Gesetzgeber. Doch vor allem in den Sommermonaten erreicht die Toleranz ihre Grenzen. Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus & Grund kennt die saisonalen Streitthemen: Weil sich die Menschen öfters draußen aufhalten, entstehe mehr Lärm, zudem geben wachsende Pflanzen Anlass zum Ärger.

Gerade unter Eigentümern sei eine gerichtliche Auseinandersetzung jedoch unbedingt zu vermeiden, warnt Warnecke. "Egal, wie das Urteil ausfällt: Der Ärger bleibt, schließlich ist der Nachbar eine Dauererscheinung im Leben." Auch die Berliner Rechtsanwältin Beate Heilmann rät zu einvernehmlichen Lösungen. "Juristisch geben die Nachbarrechtsgesetze der Länder und das Bürgerliche Gesetzbuch Regelungen in hinreichendem Maße vor."

Freiheit auf dem Balkon

Beispiel Balkon: "Der Balkon gehört zur Wohnung, deshalb dürfen hier Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufgestellt werden", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Auch Blumentöpfe oder -kästen dürfen Mieter aufstellen. "Selbst an der Außenseite", betont Ropertz. "Voraussetzung ist, dass sie ordnungsgemäß befestigt sind, so dass sie auch bei starkem Wind nicht herabstürzen und Passanten oder Nachbarn gefährden können."

Allerdings müssen es Nachbarn nicht hinnehmen, dass ständig Blüten auf ihre Terrasse fallen (Landgericht Berlin, AZ.: 67 S 127/02). Auch Gießwasser von oben darf weder den unten wohnenden Nachbarn noch die Fassade des Hauses beeinträchtigen (Amtsgericht München, Az.: 271 C 73794/00).

Kein Platzverweis für Gartenzwerge

Nicht justitiabel ist hingegen die optische Gestaltung des Gartens. Hier hat jeder Besitzer freie Hand. Das schließt auch Gartenzwerge ein, weiß Beate Heilmann: "Selbst wenn dies nicht den Geschmack des Nachbarn trifft, ist das Aufstellen von Gartenzwergen nicht verboten". Allerdings müsse es sich um Zwerge "im baumarktüblichen Sinne" handeln. Figuren in Lebensgröße oder mit beleidigender Gestik seien nicht hinzunehmen.

Probleme könnten auch Sportfans bekommen, die im Sommer die Fahne ihres Lieblingsvereins an einen Mast im Garten hissen. Weil die Fahne im Wind "sehr erhebliche Geräusche verursache", müsse das ein Nachbar nicht unbedingt dulden, sagt Heilmann.

Obst pflücken verboten

Wuchernde Pflanzen, die zum Nachbarn wachsen, müssen aufs eigene Grundstück zurückgeschnitten werden. Hängt ein Ast über den Zaun, darf der Nachbar aber nicht gleich selbst zur Säge greifen. Zunächst muss er dem Eigentümer des Baumes  eine Frist von zwei bis drei Wochen zur Beseitigung setzen. Trägt die Pflanze gerade Früchte oder Blüten, fängt die Frist erst nach der Ernte beziehungsweise der Blüte an zu laufen.

Den Garten des Nachbarn als Frischobst-Quelle nutzen, ist ohne entsprechender Absprache oder Genehmigung nicht erlaubt. "Auch wenn sich die Früchte an überhängenden Zweigen befinden, man darf sie nicht einfach pflücken", betont Rechtsanwältin Heilmann. Fallen die Früchte des Nachbarn hingegen - ohne Schütteln - auf das andere Grundstück, sind sie Eigentum des anderen und dieser darf das Obst verwerten.

Grillen ist meistens erlaubt

Grillen oder nicht grillen - kaum ein Thema ist im Sommer so umstritten. Grundsätzlich gilt: "Egal ob im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon: Es darf gegrillt werden und Nachbarn müssen das akzeptieren", sagt Ropertz und schickt gleich zwei Einschränkungen hinterher: "Es sei denn, das Grillen ist im Mietvertrag ausdrücklich verboten oder der Rauch zieht in Nachbarwohnungen." Als problematisch können sich gemauerte Grillstationen im Garten erweisen, die man nicht je nach Windrichtung anders stellen kann, um die Nachbarn zu verschonen.

Nachtruhe ist einzuhalten

Ein weiterer Dauerbrenner unter Nachbarn ist die Geräuschkulisse. Hier gilt laut Rechtsanwalt Warnecke grundsätzlich: "Die Nachtruhe zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr ist einzuhalten". Sommerfeste und andere gesellige Runden im Freien müssen dann so gedämpft ablaufen, dass sich niemand gestört fühlt. Dasselbe gilt während der Mittagsruhe, die allerdings individuell und nicht bundeseinheitlich geregelt ist.

Auch das Rasenmähen kann den Nachbarn auf die Nerven gehen. Bestimmte Geräte seien aber besonders geräuscharm und dürften deshalb länger zum Einsatz kommen, so Warnecke. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte ein motorbetriebenes Gerät nur werktags, also auch samstags, zwischen 9.00 Uhr und 13.00 Uhr sowie zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr anwerfen. An Sonn- und Feiertagen müssen die Mäher generell ruhen. Diese Regelung gilt jedoch nicht für die klassischen Hand-Rasenmäher.

Quelle: n-tv.de