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Darf man das fragen? Was die Kollegen verdienen

Verdient der Kollege mehr als ich? Wie kann sich der Chef vier Urlaube im Jahr leisten? So interessant die Gehaltsabrechnung der Kollegen auch ist: Geldfragen verkneift man sich besser - zumindest hierzulande. In anderen Ländern ist man direkter.

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Gehaltsgespräche könnten Neid schüren.

(Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de)

Über Geld spricht man nicht - erst recht nicht, wenn es ums Gehalt geht. Das gilt zumindest unter Etiketteaspekten. Beim Smalltalk mit Geschäftspartnern ist das Thema tabu, sagt der Vorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft, Hans-Michael Klein. Es wäre ein Regelverstoß, den Vorgesetzten zu fragen, was er verdient. Auch Kollegen könnten das leicht als indiskret empfinden. In Westeuropa und gerade in Deutschland sei das Gehalt schlicht kein geeignetes Gesprächsthema, so Klein.

Der Etikette-Experte führt das auf die hier herrschende Neidgesellschaft zurück: "Wir empfinden es als ungerecht, wenn unser Nachbar mehr verdient als wir". Das sei in anderen Ländern nicht so: "In China zum Beispiel wird man sehr schnell danach gefragt, wie viel man verdient. Und man reagiert auch nicht mit Neid darauf, sondern mit Anerkennung."

Wenn in Deutschland ein Arbeitnehmer erfährt, dass ein anderer mehr verdient, verlange er oft, genauso viel zu bekommen. "Deshalb sind die Arbeitgeber in der Regel interessiert daran, dass das Gehalt kein Thema ist." Bei außertariflichen Gehältern wird deshalb oft ausdrücklich Vertraulichkeit im Arbeitsvertrag vereinbart.

Erfährt ein Mitarbeiter zufällig, wie viel ein anderer verdient, etwa weil er aus Versehen die Gehaltsabrechnung durchliest, sollte Vertraulichkeit selbstverständlich sein. "Es ist tabu, das weiterzuerzählen", sagt Klein. "Aber natürlich juckt es manchen dann in den Fingern." Es lohne sich deshalb, ihn in einem Vier-Augen-Gespräch darum zu bitten, sein Wissen für sich zu behalten, erklärt Klein. "Es sei denn, man weiß, dass es schon die Runde gemacht hat."

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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