Ratgeber
Mittwoch, 01. April 2015

Tenhagens Tipps: Was können Lohnsteuerhilfevereine?

Keine Lust, Belege zu sortieren und sich durchs Elster-Formular zu klicken? Dann ab zum Lohnsteuerhilfeverein. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen erklärt, wie die Alternative zum Steuerberater funktioniert.

Ums Belege sammeln kommt man nicht herum. Das Sortieren übernimmt aber der Verein.
Ums Belege sammeln kommt man nicht herum. Das Sortieren übernimmt aber der Verein.(Foto: imago/Christian Ohde)

Es soll ja Menschen geben, die sich gern selbst durch die Steuererklärung fuchsen. Viele geben die unliebsame Arbeit aber lieber an andere ab. Lohnsteuerhilfevereine sind die meist günstigere Alternative zum Steuerberater. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen erklärt, was es damit auf sich hat.

Ist ein Lohnsteuerhilfeverein günstiger als ein Steuerberater?

Sowohl beim Steuerberater als auch beim Lohnsteuerhilfeverein kommt es darauf an, um wie viel Geld es geht. Beim Lohnsteuerhilfeverein gibt es normalerweise einen sozial gestaffelten Jahresbeitrag. Der fängt bei unter 50 Euro an und hört bei etwa 400 Euro auf, abhängig vom Einkommen und vom jeweiligen Verein. Im Schnitt zahlen Mitglieder um die 150 Euro. Dazu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr von 10 bis 15 Euro.

Dafür hilft einem der Verein bei der Steuer, die Mitarbeiter füllen die Formulare aus und wenn Post vom Finanzamt zurückkommt, kümmern sie sich auch darum, dass alles seinen korrekten Gang geht. Außerdem kann man sich im Laufe des Jahres mit anderen Steuerfragen an den Verein wenden.

Der Steuerberater ist oft teurer, weil die Leistungen einzeln abgerechnet werden. Bei Einkünften über 30.000 Euro zahlt man für eine durchschnittliche Steuererklärung rund 280 Euro, kompliziertere Steuerfälle kosten mehr. Die preiswerteste Variante zur Steuererklärung ist eine der inzwischen ziemlich bequemen Steuersoftware-Angebote, jedenfalls für Leute, die sich so was zutrauen. 

Wer kann sich vom Lohnsteuerhilfeverein helfen lassen?

Im Grunde jeder, der eine einfache Steuererklärung hat. Also Angestellte, Beamte, Rentner ohne relevante Nebentätigkeiten. Mieteinkünfte und Einnahmen aus Kapitalvermögen dürfen nicht über 13.000 Euro im Jahr liegen. Bei Verheirateten sind es 26.000 Euro. Selbständige und Gewerbetreibende dürfen die Lohnsteuerhilfevereine nicht beraten.

Lohnsteuerhilfeverein klingt ein bisschen nach Hobby. Aber die Vereine arbeiten durchaus professionell, oder?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Ja. Dort arbeiten zum einen Leute, die eine Ausbildung als Steuerberater haben, zum anderen Bürokräfte oder Steuerfachgehilfen – ähnlich wie in einer normalen Steuerberaterkanzlei. Sie kümmern sich auch nicht nur um die Steuererklärung, sondern beantragen zum Beispiel auch Kindergeld, Riester-Zulagen oder die Wohnungsbauprämie.

Die Vereine sind relativ gut durchstrukturiert. Es gibt zwei Dachverbände: den Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. (BDL) und den Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine, die jeweils ein paar Hundert Vereine mit tausenden Beratungsstellen in der ganzen Republik vertreten.

Muss man denn überhaupt persönlich vorbeischauen oder kann man das Ganze auch online erledigen?

Um Mitglied zu werden, muss man nicht unbedingt in die Beratungsstelle kommen, das geht oft auch online. Im Grunde muss man nur den Antrag ausfüllen, die Aufnahmegebühr bezahlen und einen Mitgliedsbeitrag überweisen, dann kann man das Angebot des jeweiligen Vereins nutzen.

Wenn man dann aber einfach einen Schuhkarton mit Unterlagen für die Steuererklärung vorbeibringt, wissen die Mitarbeiter natürlich auch noch nicht viel. Die Erfahrung lehrt, dass es ganz vernünftig ist, doch mal einen Termin zu machen. Dann setzt man sich eine Stunde hin und lässt sich alles vernünftig erklären.

Der 31. Mai naht. Muss man sich jetzt schon beeilen?

In den nächsten Tagen dürfte der Andrang bei den Beratungsstellen ziemlich groß sein. Die Osterferien bieten sich an, um sich um sich um die Steuererklärung zu kümmern. Aber man kann sich auch etwas länger Zeit lassen. Viele müssen ja ohnehin keine Steuererklärung machen, ansonsten ist der 31. Mai Abgabeschluss. Wenn Sie in einem Lohnsteuerhilfeverein sind, bekommen sie aber auch ohne Antrag eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember.    

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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