Ratgeber

Nummernschild weg Was tun nach Kennzeichen-Klau?

Fremde Nummernschilder sind vor allem bei Tankstellen- und TÜV-Betrügern begehrt. Und sie sind leichte Beute: Ein beherzter Handgriff reicht, um sie aus der Plastik-Halterung zu reißen. Doch wie geht man eigentlich vor, wenn am eigenen Auto plötzlich das Nummernschild fehlt? Darf man noch fahren? Und wen muss man informieren?

Wer länger als ein halbes Jahr im Ausland bleibt, muss sein Auto ummelden und die deutschen Nummernschilder austauschen. Foto: Maurizio Gambarini

Früher waren Kennzeichen fest mit den Autos verschraubt. Das machte es Dieben schwerer.

Ein Auto ohne Nummernschild ist fast so unbrauchbar wie ein Auto ohne Räder. Ohne amtliches Kennzeichen darf ein Wagen im öffentlichen Raum keinen Zentimeter bewegt werden. Wer feststellt, dass jemand die Kennzeichen vom Wagen abmontiert hat, muss sich also auf eine Menge Lauferei einstellen. Und das kommt gar nicht mal so selten vor: Rund 160.000 Fälle von Kennzeichendiebstahl hat es laut Informationen der ARAG-Rechtsschutzversicherung allein im letzten Jahr gegeben, das sind fast 440 pro Tag.

Manchmal handelt es sich einfach nur um einen blöden Streich, wer Glück hat, findet die Kennzeichen im nächsten Gebüsch wieder. Oft gibt es aber auch einen kriminellen Hintergrund: Gerade in Zeiten hoher Spritpreise werden fremde Kennzeichen gern für Tankstellen-Betrug genutzt. Schrauben die Diebe beim Benzin-Klau ein fremdes Kennzeichen an ihr eigenes Auto, können sie kaum noch per Videoüberwachung ermittelt werden. Auch TÜV-Betrüger interessieren sich für fremde Kennzeichen. Sie lösen sorgsam die Prüfplaketten ab und kleben sie auf andere Nummernschilder. So können Fahrzeuge, die sonst nur mit größeren Investitionen durch den TÜV kommen würden, unbehelligt weiterfahren. 

Erst zur Polizei

Die heute üblichen Plastikhalterungen für Nummernschilder machen den Dieben ihre Arbeit einfacher, weil sie schnell aufgebrochen werden um können. Sicherer ist es, das Nummernschild fest mit der Karosserie zu verschrauben, wie man das früher gemacht hat. Diese Erkenntnis hilft allerdings wenig, wenn es schon zu spät ist. Ist nur ein Kennzeichen weg – wie meistens, wenn es die Diebe auf die Plakette abgesehen haben – dann darf man mit dem Auto noch fahren. Ansonsten muss man es auf jeden Fall stehen lassen, auch  nachgemalte Nummernschilder aus Pappe sind keine Lösung.

Egal ob mit oder ohne Auto: Der erste Weg sollte zur nächsten Polizeiwache führen, denn dort muss der Diebstahl persönlich angezeigt werden - Ausweis nicht vergessen! Soll jemand anders als der Fahrzeughalter den Diebstahl melden, dann braucht diese Person eine unterschriebene Vollmacht zusätzlich zum Ausweis des Halters. Außerdem ist der Fahrzeugschein mitzubringen.

Mit der Anzeige-Bestätigung der Polizei kann man zur Kfz-Zulassungsstelle gehen, um sich neue Kennzeichen ausstellen zu lassen. Wird der Diebstahl nicht angezeigt, geht das Amt von einem selbstverschuldeten Verlust aus und man bleibt auf jeden Fall auf allen Kosten sitzen, auch wenn der Dieb noch ertappt wird. Außer dem Polizeischreiben sollte man Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief dabeihaben, den Prüfbericht des TÜV, einen Ausweis sowie – falls vorhanden – das zweite Kennzeichen.

Umschreiben ist teuer

Billig ist der Besuch auf der Zulassungsstelle nicht: Neben reichlich Zeit sollte man 30 bis 35 Euro Verwaltungsgebühren mitbringen, außerdem rund 25 Euro für die Prägung neuer Kennzeichen. Müssen die alten Fahrzeugpapiere getauscht werden, kostet das rund 35 Euro extra. Und wer ein Wunschkennzeichen möchte, ist nochmal 10 Euro los. Die Belege sollte man gut aufheben, falls der Dieb geschnappt wird, kann man ihn zur Verantwortung ziehen.

Bei all dem Meldeaufwand sollte man nicht vergessen, die Versicherung zu informieren und das gestohlene Kennzeichen sperren zu lassen. Kommt es mit dem gestohlenen Kennzeichen zu einem Unfall, könnte der Täter den Schaden sonst vielleicht auch noch über die Autoversicherung abrechnen. Und das würde die ganze Sache noch deutlich ärgerlicher  machen.

Quelle: ntv.de, ino