Ratgeber

Checkliste für den Ernstfall Was tun nach einem Einbruch?

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Wertgegenstände werden oft nicht von der Hausratversicherung abgedeckt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Tür ist aufgebrochen, Laptop und Co. sind weg, sicher fühlt man sich in den eigenen vier Wänden auch nicht mehr. Ein Einbruch hat viele Folgen. Was danach in welcher Reihenfolge zu tun ist, lesen Sie hier.

Wer "Einbruch" im Internet eingibt, erhält fast ausschließlich Tipps, wie dieser hätte verhindert werden können. Geschlossene Fenster, Sicherheitschlösser, Bargeld auf dem Küchentisch, falls der Täter nur auf der Suche nach Geld ist, sind die Ratschläge. Doch was ist eigentlich zu tun, wenn es doch passiert ist? Der erste Impuls der meisten Menschen ist, die Polizei an zurufen. Das ist richtig, denn nur mit einer Strafanzeige wird aus einem Einbruch ein Fall für die Versicherung. "Wenn man sieht, dass die Wohnung aufgebrochen wurde, sollte man draußen warten und wenn möglich mit dem Handy die Polizei anrufen. Der Täter könnte sich ja noch drinnen befinden", rät Hajo Köster vom Bund der Versicherten. Die Polizei rät davon ab, sich dem Täter, falls man ihn bei der Flucht begegnet, in den Weg zu stellen. Wartet man doch drinnen auf die Polizei, sollte man nichts verändern, kann aber Fotos machen und bereits Nachbarn befragen.

Stehlgutliste anfertigen

Ein Einbruch in Verbindung mit Diebstahl ist ein Fall für die Hausratversicherung. Etwa 77 Prozent aller Haushalte haben eine solche Versicherung. Sie kostet im Durchschnitt zwischen 70 und 90 Euro im Jahr, so der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Unmittelbar nach einem Einbruch sollte man sich einen Überblick darüber verschaffen, was gestohlen wurde. Die sogenannte "Stehlgutliste" muss man der Polizei vorlegen. Zusammen mit dem Aktenzeichen als Nachweis dafür, dass Strafanzeige gestellt wurde, geht diese an die Versicherung. Die sollte man im gleichen Atemzug wie die Polizei verständigen. Die Versicherung schickt einen Schadensgutachter vorbei. Das kann auch erst nach zwei Wochen sein.

Sein Leben muss man in dieser Zeit aber weiterleben, sagt Anna Lozancic von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Natürlich muss man die Gefahren minimieren, also ein kaputtes Schloss auswechseln und notwendige Dinge nachkaufen. Von diesen sollte man die Belege aufheben."

Um nachzuprüfen, ob es die angegeben Sachen tatsächlich gegeben hat, kann die Versicherung Beweise verlangen. Das können Kaufbelege oder auch Fotos sein, die man idealerweise im Vorfeld von seiner Wohnungseinrichtung gemacht hat. Hierzu können aber auch Schnappschüsse, auf denen die Wohnung zu erkennen ist, dienen. Eidesstattliche Versicherungen von Personen, die die Wohnung kennen, zählen ebenfalls. Hat man eine Hausratversicherung abgeschlossen, ersetzt diese im Idealfall alle entstandenen Schäden nach gleicher Art und gleicher Güte. Darunter fallen gestohlene Gegenstände und reparable Schäden. Hier sollte man beim Vertragsabschluss darauf achten, ob auch Vandalismus unter den Schutz fällt, denn das ist nicht bei allen Versicherungen der Fall.

Wertgegenstände gesondert versichern

"Die Versicherungssumme sollte dem Wert des Hausrates entsprechen", sagt Karl-Michael Peters von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Beim Einzug kann man den Wert des Hausrats selber schätzen. "Das ist sehr mühselig, denn man muss nicht nur die Schränke auflisten, sondern auch zählen, wie viele Socken und Geschirr drin sind", meint Peters. "Das macht in der Realität so gut wie niemand. Daher bieten die Versicherungen Pauschalleistungen an." Im Schnitt werden 650 Euro pro Quadratmeter veranschlagt, das würde bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung eine Versicherungssumme von 65.000 Euro ergeben.

"Damit wird das Risiko der Unterversicherung ausgeschlossen", erklärt Hajo Köster. Die Versicherung verzichtet in einem solchen Fall darauf, zu prüfen, ob die Summe tatsächlich dem Wert entspricht. Wer eine besonders wertvolle Einrichtung hat, muss darauf achten, dass die Wertgegenstände ausreichend abgedeckt sind. Bei einer Beispielsumme von 65.000 Euro werden nur 20 Prozent für Wertgegenstände veranschlagt, die aber tatsächlich mehr kosten können.

Wertgegenstände sind zum Beispiel Bargeld, Sparbücher, Urkunden, Wertpapiere, worunter auch Briefmarken fallen, Schmuck aus Gold und Silber sowie Gegenstände, die mindestens 100 Jahre alt sind, allerdings ohne Möbel. Mit einer erhöhten Prämie kann man diesen Satz ausweiten. "Wenn Wertgegenstände in einem Safe eingeschlossen sind, gelten diese Grenzen nicht, dann sind sie vollkommen versichert", erklärt Köster. Teure Gemälde sollte man ohnehin gesondert versichern.

Ohne Einbruchspuren wird es schwierig

Ein Problem kann es geben, wenn keine Einbruchspuren zu finden sind, denn die Hausratversicherung gilt nur für den Einbruchdiebstahl, nicht für den gewöhnlichen Diebstahl. Ist der Einbrecher also mit einem Schlüssel in die Wohnung gekommen oder hat sich besonders geschickt angestellt, wird es schwer, einen Einbruch zu beweisen. Gute Karten hat man, wenn man beispielsweise einen Schlüsseldiebstahl oder -verlust sofort gemeldet oder es ähnliche Einbrüche in der Nachbarschaft gegeben hat. Das kann sich auch erst nach Wochen raustellen.

Bei grober Fahrlässigkeit zahlt die Versicherung in der Regel nicht. Das kann vieles bedeuten. Wer beispielsweise sein Fenster angekippt lässt und im Erdgeschoss wohnt, handelt grob fahrlässig, wer das gleiche im dritten Stock macht, tut es nicht, es sei denn, er hat ein Gerüst vor dem Fenster. Manche Versicherungen zahlen aber auch selbst dann, wenn jemand die Tür aufstehen lassen hat. Der sogenannte Ausschluss des Einwands der groben Fahrlässigkeit im Vertrag muss nicht unbedingt mehr kosten, meint Anna Lozancic. Allerdings fällt die tatsächlich gezahlte Summe dann auch geringer aus.

Auch Psyche wird belastet

Oft tragen Einbruchsopfer neben der materiellen auch eine psychische Belastung davon. Dass man sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlt oder nicht mehr in Ruhe schlafen kann, kann auch erst Wochen nach dem Einbruch einsetzen, weiß Helmut Rüster von der Opferhilfeorganisation Weisser Ring. "Es ist wichtig, darüber zu sprechen, auch wenn man denkt, es sei ja nur ein Einbruch gewesen." Das kann ein Gespräch mit Freunden oder Nachbarn oder auch mit professionellen Helfern sein. Oft hilft es den Opfern auch, wenn sie von der Polizei erfahren können, wenn ein Täter gefasst wurde. "Wenn ich weiß, dass ich nur ein Zufallsopfer gewesen bin, kann das mein Sicherheitsgefühl wieder herstellen", so Rüster.

Quelle: ntv.de

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