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(Foto: imago stock&people)
Dienstag, 08. Mai 2018

Beim Radeln Autos zerkratzt: Wenn fahrradfahrende Kinder straucheln

Kinder bis zur Vollendung des achten Lebensjahres mit Fahrrädern sollten den Gehweg benutzen? Ja, zu ihrer eigenen Sicherheit. Wenn sie dennoch auf der Straße fahren und dabei Schaden anrichten, müssen nicht immer die Eltern zahlen.

Wenn Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren beim Fahrradfahren auf der Straße zu dicht an geparkte Autos geraten und Schäden verursachen, haften nicht zwangsläufig die Aufsichtspflichtigen für die Minderjährigen. Dies hat das Landgericht (LG) Koblenz entschieden (Az.: 13 S 2/18).

In dem verhandelten Fall waren die beiden Kinder mit ihren Fahrrädern zu einem nahegelegenen Spielplatz unterwegs. Dabei fuhren sie auf Anweisung ihrer Eltern auf der wenig befahrenen Straße und nicht auf dem Gehweg. Bei einem Wettrennen zum Spielplatz touchierten sie mehrere parkende Autos. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von knapp 8000 Euro, weil die Gummiüberzüge an den Griffenden der Fahrräder fehlten, beziehungsweise kaputt waren. 

Das Versicherungsunternehmen, welches zunächst für die Schäden an den Wagen aufgekommen war, wollte nun die Hälfte seiner Auslagen von den Eltern zurückfordern. Denn der Versicherer war der Meinung, diese hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt, da sie die Kinder unbeaufsichtigt Fahrrad hätten fahren lassen. Zudem müssten gemäß der Straßenverkehrsordnung (StVO ) Kinder bis zur Vollendung des achten Lebensjahres mit Fahrrädern zwingend den Gehweg benutzen. Noch dazu seien die Räder auch nicht ordnungsgemäß mit Gummistopfen ausgestattet gewesen.

Die Eltern argumentierten, ihrem Nachwuchs sei der Weg zum Spielplatz bekannt gewesen, sie seien über die Gefahren des Straßenverkehrs aufgeklärt und darüber informiert worden, wie sie sich zu verhalten hätten.

Das LG konnte keine Aufsichtspflichtverletzung der Eltern erkennen. Demnach sei zu berücksichtigen, dass Kinder erfahrungsgemäß dazu neigten, Vorschriften und Anordnungen zu missachten und sich unbesonnen zu verhalten. Andererseits bestehe das Ziel, sie zu selbständigem und selbstverantwortlichem Handeln zu erziehen. Und somit richtet sich das Maß der gebotenen Aufsicht bei Minderjährigen unter anderem nach Alter, Eigenart und Charakter des Kindes, seinem örtlichen Umfeld, dem Ausmaß der drohenden Gefahren, der Vorhersehbarkeit des schädigenden Verhaltens sowie der Zumutbarkeit für den Aufsichtspflichtigen.

Auch die StVO konnte in diesem Fall nicht bemüht werden, da die entsprechende Vorschrift, Kinder unter acht Jahren nicht auf der Straße fahren zu lassen, nicht bezweckt, Dritte vor Schäden durch Kinder zu bewahren. Sie dient lediglich dem Schutz radelnder Kinder vor schnelleren Verkehrsteilnehmern. Desweiteren verwies das Gericht darauf, dass keine Verpflichtung, nur mit intakten Gummistopfen an den Lenkern des Fahrrads zu fahren, existiert.

Quelle: n-tv.de