Ratgeber

Bau und Handel gut unterwegs Wer bekommt Firmenwagen, wer nicht?

In manchen Branchen sind Dienstwagen in bestimmten Positionen gang und gäbe, in andere die absolute Ausnahme. Wer hat die besten Chancen auf ein gesponsertes Fahrzeug? Und welche Marken sind in Betrieben besonders gefragt?

Kantinengutscheine, Kitaunterbringung oder kostenlose Massagen sind gern gesehene Extras bei Gehaltsverhandlungen. Ganz oben auf der Hitliste der begehrten Zusatzleistung liegt aber weiterhin der eigene Firmenwagen. Rund zwölf Prozent aller Beschäftigten verfügen über einen Dienstwagen, in manchen Branchen ist das gesponserte Auto schon fast eine Selbstverständlichkeit. Wer fährt die teuersten Fahrzeuge, wer die günstigsten? Welche Marken sind besonders beliebt? Und in welchen Berufsgruppen sind die Aussichten auf ein eigenes Fahrzeug am besten? Die Vergütungsplattform gehalt.de hat knapp 380.000 Datensätze ausgewertet und Antworten gefunden.

Wenig überraschend: Eine gewisse Führungsverantwortung ist auf dem Weg zum Firmenwagen recht hilfreich. Selbst in Kleinbetrieben mit 6 bis 20 Mitarbeitern bekommt fast jeder zweite Beschäftigte mit Personalverantwortung ein Auto gestellt. Für die Fachkräfte sieht es hier aber eher mau aus. Erst wenn die Firma mehr als 100 Mitarbeiter hat, wachsen die Chancen. Immerhin gut jede zehnte Fachkraft bekommt dann einen Wagen zur Verfügung gestellt. Von der Unternehmensgröße hängt es auch ab, wie teuer die Fahrzeuge der Firmenflotte sind. Gerade in Großkonzernen jenseits der 20.000 Mitarbeiter lasse sich ein deutlicher Zuwachs der Firmenwagenpreise beobachten, heißt es in der Studie. Betriebe mit weniger Beschäftigten setzten hingegen meist auf günstigere Autos als der Durchschnitt.

Die Autoindustrie hält sich zurück

Am weitesten sind Dienstwagen im Bausektor verbreitet. Von den Fach- und Führungskräften hat hier rund jeder Vierte ein Auto zur Verfügung. "Insbesondere Bauleiter und Architekten müssen mobil und flexibel sein, da sie unterschiedliche Baustellen an verschiedenen Orten beaufsichtigen müssen", sagt Artur Jagiello von gehalt.de. Auch im Großhandel ist in vielen Positionen Beweglichkeit gefragt, auch hier fährt fast jeder Vierte ein Auto auf Firmenkosten. In der Pharmaindustrie, der Medizintechnik und in der Gebrauchsgüterbranche sind Autos für die Angestellten ebenfalls üblich, gut jeder Fünfte hat eins.

In der Automobilindustrie sind Dienstwagen dagegen weniger gängig, als man annehmen könnte. Lediglich 14 Prozent der Fach- und Führungskräfte bekommen einen Pkw vom Arbeitgeber gestellt – dafür aber vergleichsweise teure Wagen. Schlusslichter im Firmenfahrzeugranking sind Krankenhäuser und die Kulturbranche. Hier liegt der Dienstwagenanteil bei unter zwei Prozent.

Auffällig: Dort, wo die meisten Dienstwagen gefahren werden, geben die Arbeitgeber weniger Geld für die einzelnen Fahrzeuge aus. Gut 33.000 Euro Bruttolistenpreis kostet ein Firmenwagen in der Baubranche im Schnitt, im Großhandel sind es über 36.000 Euro. Das ist die Preisklasse eines VW Passat, eines 3er BMW oder eines gut ausgestatteten Skoda Superb. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert über alle Sektoren liegt bei 38.000 Euro. Die günstigsten Fahrzeuge findet man bei sozialen Einrichtungen. Hier liegt der durchschnittliche Bruttolistenpreis bei 26.000 Euro, dafür bekommt man beispielsweise einen Golf TSI mit diversen Extras oder eine Mercedes A-Klasse.

Banken stellen zwar nur vergleichsweise wenige Dienstwagen, aber dafür die teuersten. Bankerautos kosten im Schnitt fast 46.000 Euro. 5er BMW, Audi A6 oder Mercedes E-Klasse spielen in dieser Liga. Ähnlich spendabel ist sonst nur die Computerindustrie.

Volkswagen ist am beliebtesten

Die Wahrscheinlichkeit, einen Dienstwagen angeboten zu bekommen, steigt mit dem Gehalt. Von denen, die weniger als 50.000 Euro verdienen, haben auch nur deutlich unter 20 Prozent einen Firmenwagen. Ab einem Jahreseinkommen von 90.000 Euro liegt der Anteil schon bei fast 60 Prozent. Und natürlich dürfen die Firmenautos in den oberen Gehaltsklassen auch deutlich mehr kosten. Bei Topverdienern liegt der Wert im Schnitt bei knapp 74.000 Euro. Ein Porsche Cayenne ist da schon drin, ein VW Phaeton auch.

Während das Privatkundengeschäft der deutschen Autobauer bröckelt, sind Fahrzeuge deutscher Hersteller in den Firmenflotten weiterhin erste Wahl. Mit 68,5 Prozent stellen VW, Audi, BMW und Mercedes den größten Anteil aller Geschäftswagen hierzulande. Am meisten profitiert der VW-Konzern mit seinen Marken VW, Audi und Skoda. Weit mehr als jeder zweite Dienstwagen kommt aus Wolfsburg. 28 Prozent der Firmenflotten stellt alleine Volkswagen, danach folgen Audi mit 19 Prozent und BMW mit 13 Prozent. Gut 8 Prozent aller Geschäftswagen tragen einen Mercedesstern. Opel kommt auf einen Anteil von knapp 6 Prozent.

Quelle: ntv.de, ino