Ratgeber

Nutzen statt Besitzen Wer braucht noch ein eigenes Auto?

Mittlerweile ist es eine Massenbewegung: Immer mehr Deutsche verzichten auf einen eigenen Wagen und setzen auf eine gemeinschaftliche Nutzung von Autos. Carsharing gilt als umweltfreundlich, flexibel - und hat noch andere Vorteile.

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(Foto: picture alliance / dpa)

West-Berlin vor 25 Jahren. Die Stadt ist noch geteilt, da wird hier das erste Carsharing-Angebot Deutschlands auf die Straße gebracht. Seitdem ist viel passiert. Mittlerweile gibt es etwa 150 Carsharing-Anbieter im gesamten Bundesgebiet, genutzt von mehr als einer Dreiviertelmillion Menschen in rund 380 Städten und Gemeinden.

Und die Branche wächst weiter. Noch ist das Cars­haring-Angebot vor allem in den Ballungszentren vertreten. Was nicht nur an den modernen Lebensmodellen seiner Bewohner, sondern auch einer guten Infrastruktur mit einem guten Nahverkehrs­netz, einer Fahr­radinfrastruktur und dadurch einfach zu erreichenden Miet­stationen und Abstellplätzen liegt. Vom Bundesumweltamt wird das Gemeinschaftsauto als "umwelt­freundliche Verkehrs­form" geadelt. Demnach ersetzt jedes Fahr­zeug im Schnitt vier bis acht Privat­autos. Darüber hinaus sind die Fahrzeugflotten der Carsharing-Anbieter meist neu und vor allem spar­samer als private Modelle. Grundsätzlich hat sich das Autoteilen in zwei Formen etabliert:

Feste Stationen

Dieses Modell funk­tioniert mit festen Stationen. Die Nutzer leihen sich meist stunden­weise ein Auto. Dabei werden die Wagen an einer Station abge­holt, zu der sie am Ende der Fahrt auch zurück­gebracht werden müssen. Bei stationsbasierten Angeboten sind bisher 320.000 Teilnehmer registriert. Die Kosten belaufen sich auf 3,25 bis 4,40 Euro je Stunde. Ein Wagen für das komplette Wochen­ende ist ab 120 Euro zu haben - Benzin inklusive. Teilweise fällt eine Aufnahmegebühr und ein Monatsbeitrag für die Nutzung an. Die Aufnahmegebühr von bis zu 50 Euro fällt dabei weniger ins Gewicht als der immer wiederkehrende monatliche Obolus, der bis zu ­33 Euro betragen kann. Geeignet ist diese Form des Autoteilens wegen der anfallenden Fix-Gebühren für alle, die sicher sind, regelmäßig ein Auto zu brauchen und eine Leih­station in der Nähe haben.

Free-Floating

Hier stehen die Autos an unbestimmten Orten frei in der Stadt. Die Kunden finden sie mit Hilfe des Internets oder einer Smartphone-App. Abgestellt werden können die Wagen auf einem beliebigen freien Park­platz. Bei stationsunabhängigen Angeboten sind bisher 437.000 Nutzer registriert. Die Kosten belaufen sich auf rund 14 Euro je Stunde, Benzin- und Park­kosten inklusive. Allerdings wird hier minutenweise abgerechnet. Die Aufnahmegebühr beträgt bis zu 70 Euro. Eine Monatsgebühr entfällt. Free-Floating ist vor allem für Großstädter geeignet, die Wert auf Flexibilität und Spontanität legen.

Wichtig: Für etwaige Schäden am Wagen - unabhängig davon, ob Stations- oder Free-Floating-Variante - kommt eine im Preis enthaltene Voll­kasko­versicherung auf. Sie gehört zum Stan­dard, je nach Anbieter allerdings mit unterschiedlichen Selbst­beteiligungen. Bei einem selbst verschuldeten Unfall wird der Kunde mit 500 bis 1500 Euro an den Reparaturkosten beteiligt. Allerdings kann er die Vorab-Selbstbeteiligung durch eine Zuzahlung von 39 bis 99 Euro im Jahr auf 200 bis 350 Euro senken. Die Stiftung Warentest hat jüngst die Angebote verglichen:

Die größten Anbieter mit festen Stationen

Flinkster      

  • Nutzer: ca. 250.000
  • Fahrzeuge: ca. 755, davon ca. 82 E-Autos
  • Anzahl der Städte: 76
  • Stationen: 351
  • Durchschnittsalter der Fahrzeuge: 18-36 Monate
  • Buchung: Telefon, Internet, App, Station
  • Vorausbuchung: Nach Verfügbarkeit
  • Abrechnung: E-Mail, Brief, Internet
  • Fahrzeugtypen: Kleinstwagen, Kleinwagen, Kompakt­klasseautos, Mittelklasseautos, Vans und Transporter
  • Preis: Ab 3,20 Euro
  • Aufnahmegebühr: 0-50 Euro
  • Monatsgebühr: Entfällt

Stadtmobil

  • Nutzer: ca. 42.000
  • Fahrzeuge: ca. 1900, davon ca. 38 E-Autos
  • Anzahl der Städte: 95
  • Stationen: 776
  • Durchschnittsalter der Fahrzeuge: 18 Monate
  • Buchung: Telefon, Internet, App, Station
  • Vorausbuchung: Spontan, bis 6 Monate im Voraus
  • Abrechnung: E-Mail, Brief, Internet
  • Fahrzeugtypen: Kleinstwagen, Kleinwagen, Kompakt­klasseautos, Mittelklasseautos, Vans und Transporter
  • Preis: Ab 3,05 Euro
  • Aufnahmegebühr: 0-25 Euro
  • Monatsgebühr: 0-30 Euro

Cambio

  • Nutzer: ca. 42.000
  • Fahrzeuge: ca. 1050, davon ca. 14 E-Autos
  • Anzahl der Städte: 15
  • Stationen: 290
  • Durchschnittsalter der Fahrzeuge: 24 Monate
  • Buchung: Telefon, Internet, App, Station
  • Vorausbuchung: Spontan, bis 6 Monate im Voraus
  • Abrechnung: E-Mail, Brief, Internet
  • Fahrzeugtypen: Kleinstwagen, Kleinwagen, Kompakt­klasseautos, Mittelklasseautos, Vans und Transporter
  • Preis: Ab 2,25 Euro
  • Aufnahmegebühr: 0-30 Euro
  • Monatsgebühr: 0-25 Euro

Die größten Anbieter für Free-Floating

Car2go

  • Nutzer: ca. 240.000
  • Fahrzeuge: ca. 3550, davon ca. 500 E-Autos
  • Anzahl der Städte: 8
  • Stationen: Entfällt
  • Durchschnittsalter der Fahrzeuge: 24 Monate
  • Buchung: Internet, App
  • Vorausbuchung: Spontan, bis 30 Minuten vorher
  • Abrechnung: Internet
  • Fahrzeugtypen: Nur Kleinstwagen
  • Preis: Ab 7,20 Euro
  • Aufnahmegebühr: 29 Euro
  • Monatsgebühr: Entfällt
     

DriveNow

  • Nutzer: ca. 255.000
  • Fahrzeuge: ca. 2400, davon ca. 60 E-Autos
  • Anzahl der Städte: 5
  • Stationen: Entfällt
  • Durchschnittsalter der Fahrzeuge: 6 Monate
  • Buchung: Telefon, Internet, App
  • Vorausbuchung: Spontan, bis 30 Minuten vorher
  • Abrechnung: E-Mail, Internet
  • Fahrzeugtypen: Kleinwagen, Kompakt­klasse
  • Preis: Ab 8,70 Euro
  • Aufnahmegebühr: 19 Euro
  • Monatsgebühr: Entfällt

Carsharing ist vor allem für all jene geeignet, die die hohen Fix-Kosten und die Verpflichtungen eines eigenen Autos scheuen. Wer wenig fährt, spart Geld. Ein gewachsenes Umweltbewusstsein, eine zunehmende Urbanisierung Deutschlands und nicht zuletzt ein verändertes Wertesystem werden in Zukunft für eine weitere und flächendeckendere Ausbreitung des Gemeinschaftsautos sorgen.

Quelle: ntv.de

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