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Doppelte Haushaltsführung Wohnung bei Mutti spart Steuern

Kann man doppelte Haushaltsführung geltend machen, wenn der erste Wohnsitz im Haus der Eltern ist? Unter Umständen schon. Selbst dann, wenn man dort keine Miete zahlt. Allerdings muss man schon besonders heimatverbunden sein.

Immerhin absetzbar: Steuern für eine beruflich genutzte Zweitwohnung können als Werbungskosten geltend gemacht werden. Foto: Jens Büttner

Über 12.000 Euro machte der Mathematiker für die doppelte Haushaltsführung geltend.

(Foto: dpa)

Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung unterhalten, können ihre Kosten von der Steuer absetzen. Liegt der Erstwohnsitz allerdings im Haus der Eltern, schaut das Finanzamt sehr genau hin. Das Finanzgericht Münster hat jetzt entschieden: Auch wenn keine Miete fließt, kann die Wohnung bei den Eltern als eigener Hausstand gelten. Dafür gelten aber ziemlich strenge Bedingungen (Az. 6 K 3093/11 E).

Der Kläger hatte während seines Mathematikstudiums im ausgebauten Dachgeschoss des Elternhauses gewohnt. Als er nach dem Studium einen Job in einer anderen Stadt annahm, mietete er sich dort eine Zweizimmerwohnung. Die Dachgeschosswohnung im Haus seiner Mutter behielt er aber und verbrachte dort auch seine Wochenenden.

In der Steuererklärung machte er rund 12.000 Euro Kosten für die doppelte Haushaltsführung geltend. Doch das Finanzamt erkannte den Betrag nicht an und berücksichtigte lediglich die Werbungskostenpauschale von damals 920 Euro. Begründung: Die Wohnung bei den Eltern sei kein eigener Hausstand.

Eher eine Wohngemeinschaft

Das sah der Kläger allerdings anders. Er zahle zwar keine Miete an seine Mutter, es gebe aber eine Art mündlichen Mietvertrag. In der Tat beteiligte er sich nachweislich an den Hauskosten und übernahm Reparatur- und Gartenarbeiten. Zudem seien die von ihm genutzten Räume abschließbar und würden ausschließlich von ihm bewohnt. Während seiner beruflichen Abwesenheit habe seine Mutter keinen Zutritt zu den Räumen. Besucher könne er über einen separaten Türöffner und eine Sprechanlage hereinlassen.

Zwar benutze er das Bad und die Gästetoilette der Mutter mit und spüle in der Küche im Erdgeschoss ab. Doch Essen könne er auch in seiner eigenen Wohnung. Dort gebe es eine Mikrowelle und einen Kühlschrank, außerdem habe er eigenes Geschirr. Zwar esse er manchmal zusammen mit der Mutter zu Mittag, ansonsten sei er bei den Mahlzeiten aber eigenständig. 

Alle Freunde sind in der Heimat

Zudem befinde sich sein Lebensmittelpunkt weiter im Heimatort, argumentierte der junge Mann. Dort lebten seine Verwandten, seine Freunde und seine langjährige Partnerin. Dort sei er auch ehrenamtlich im Eishockeyverein tätig. Jeden Freitag fahre er nach Hause und erst am Sonntagabend zurück. Private Beziehungen am Arbeitsort pflege er nicht, stattdessen verabrede er sich abends oft zu Online-Computerspielen mit seinen Freunden aus der Heimat. Zudem sei seine Zweitwohnung nur spärlich eingerichtet und kaum größer als die Wohnung bei seiner Mutter.

Das Finanzamt konnte der Mann im Einspruchsverfahren damit nicht überzeugen – das Finanzgericht schon. Er habe in seiner Wohnung eine gewisse Grundversorgung sichergestellt und die gemeinsamen Teile des Hauses würden eher wie in einer "Wohngemeinschaft" genutzt. Durch seinen Beruf sei er wirtschaftlich unabhängig. Außerdem vermittle er den Eindruck, sich bereits von einem Leben "als Kind im eigenen Elternhaus abgenabelt" zu haben.

Das alles spreche für einen eigenen Hausstand, fand das Gericht. Eine bauliche Abgeschlossenheit der Räume sei dafür ebenso wenig erforderlich wie der Abschluss eines Mietvertrages.

Quelle: n-tv.de, ino

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