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Lärm, Rauch, Falschparken So geht man mit nervigen Nachbarn um

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Lärm ist der häufigste Grund für Konflikte unter Mietern.

(Foto: imago/Westend61)

Laute Musik nach Mitternacht, schreiende Kinder in der Umgebung, stinkender Zigarettenrauch auf dem Balkon: Manche Nachbarn können das Wohnen zur Hölle machen. Welche Belästigungen müssen Mieter hinnehmen und wogegen können sie vorgehen?

Ein netter Gruß bei einer Begegnung oder ein kleiner Smalltalk helfen dabei, ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn aufzubauen. Dieses kann Gold wert sein, denn freundliche Nachbarn nehmen gern Pakete an, leihen Gegenstände aus und nehmen auch Rücksicht auf andere. Zu einem schönen Zuhause gehört es für die meisten Menschen auch, ihre Ruhe zu haben. Lärm, stinkende Gerüche und sonstige Belästigungen sorgen daher regelmäßig für Groll und in schlimmen Fällen sogar für erbitterte Nachbarschaftsstreitigkeiten. Doch in welchen Fällen ist denn nun das Recht auf wessen Seite?

Problem 1: Lärmbelästigung

Laut einer Forsa-Umfrage steht Lärm mit 74 Prozent auf Platz 1 der Nachbarschaftskonflikte. Grundsätzlich herrscht in Deutschland eine Ruhezeit von 22 bis 6 Uhr. Laute Musik hören, Bohren, Staubsaugen und sonstige geräuschintensive Aktivitäten sind in dieser Zeit tabu. Elektronische Geräte, wie der Fernseher, müssen auf Zimmerlautstärke beschränkt werden. Wer eine Party feiern möchte und weiß, dass es etwas lauter werden wird, sollte die Mieter in einem Aushang darüber informieren. Das ist jedoch keine Garantie dafür, dass die Nachbarn das hinnehmen werden. Noch besser ist es daher, persönlich um Erlaubnis zu fragen. In vielen Mietverträgen ist zudem auch eine Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr vorgesehen. Auch in dieser Zeit sollten laute Geräusche vermieden werden. Lärmende Gartengeräte, wie Rasenmäher oder eine elektrische Heckenschere, dürfen zu den Ruhezeiten, sowie an Sonn- und Feiertagen nicht verwendet werden.

Wer die Ruhezeiten missachtet, riskiert ein Bußgeld oder gar die Kündigung. Eine Ausnahme bilden tobende, spielende und schreiende Kinder. Kinderlärm lässt sich nicht immer kontrollieren. Er muss daher von Mietern geduldet werden. Dennoch sollten Eltern sich in den Ruhezeiten bemühen, den Lärmpegel ihres Nachwuchses zu reduzieren. Wer sein Baby nachts stundenlang schreien lässt und nicht einmal versucht das aufgebrachte Kleine zu beruhigen, muss dennoch mit Konsequenzen rechnen.

Auch Tiere können für Lärmbelästigungen verantwortlich sein. Übersteigen diese ein erträgliches Maß, kann auch dagegen vorgegangen werden. Wenn beispielsweise der Hund vom Nachbarn extrem laut und andauernd bellt, müssen sich Mieter nicht damit abfinden. So hat das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 1987 entschieden, dass ein Hund nicht länger als täglich 30 Minuten lang bellen darf. Zudem müsse der Hundehalter in den Ruhezeiten dafür sorgen, dass der Hund nicht hörbar ist. Gegen quakende Frösche im Gartenteich des Nachbarn kann jedoch laut einem Urteil des BGH nicht vorgegangen werden.

Problem 2: Zigarettenrauch

Müssen Mieter auf dem Balkon qualmende Nachbarn akzeptieren? Diese Frage ist meist mit einem Ja zu beantworten. Der Vermieter kann das Rauchen in den eigenen vier Wänden nämlich nicht verbieten. Nichtraucher müssen sich deshalb wohl oder übel damit abfinden, dass ab und an stinkender Zigarettenqualm durch Fenster und Balkontüren in die Wohnung zieht. In Mietverträgen festgelegte Rauchverbote sind unwirksam, es sei denn es handelt sich um sogenannte Individualverträge. Jedoch dürfen Rauchverbote im Treppenhaus, im Keller, auf dem Dachboden, im Fahrstuhl und in der Tiefgarage festgelegt werden. Genervte Mieter können jedoch versuchen, mit dem rauchenden Nachbarn eine rauchfreie Zeitspanne festzulegen. Auch ist es hilfreich, Rauchzeiten zu vereinbaren, damit man Türen und Fenster zu diesen Zeiten schließen kann. Bei starker Belästigung können Mieter jedoch eine Mietminderung in Betracht ziehen. In manchen Fällen verordnen Gerichte auch eine Einschränkung der Rauchzeit.

Problem 3: Grillen

Auch das Grillen auf dem Balkon müssen Nachbarn in der Regel bis 22 Uhr hinnehmen, es sei denn es die Rauchentwicklung ist enorm stark. Dann müssen grillende Nachbarn mit einem Bußgeld rechnen, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied. Der Vermieter darf das Grillen auf Balkon und Terrasse außerdem verbieten, sodass vor dem Brutzeln ein Blick in den Mietvertrag erfolgen sollte. Um Streit zu vermeiden sollten Mieter ihre Nachbarn über ihr Grill-Vorhaben informieren und nicht mehr als einmal pro Monat grillen. Zudem verursachen Elektrogrills weniger Rauch, als Holzkohle.

Problem 4: Störende Haustiere

Beim Thema Haustierhaltung bekommen sich Nachbarn ebenfalls häufig in die Haare. Meist ist Lärm hierfür nicht der Grund, sondern Geruchsbelästigungen sowie Verunreinigungen. Grundsätzlich dürfen - laut einem BGH-Urteil - Haustiere in der Wohnung gehalten werden, sodass ein generelles Verbot der Tierhaltung im Mietvertrag unwirksam ist. In bestimmten Einzelfällen, vor allem dann wenn sich andere Mieter durch das Tier erheblich belästigt fühlen, kann ein Haustierverbot dennoch durchgesetzt werden. Es muss daher im Einzelfall eine Interessenabwägung der unterschiedlichen Parteien (Vermieter, Mieter, Nachbarn) und der Beschaffenheit der Wohnung bzw. des Hauses (Größe, Lage, Zustand) erfolgen. Weiterhin spielt dabei auch die Größe, die Art, das Verhalten und die Anzahl der Tiere eine Rolle. Beispielsweise ist eine Bienenzucht in einem Wohngebiet unüblich, weswegen ein Verbot durchgesetzt werden kann.

Der Vermieter kann im Einzelfall die Tierhaltung verbieten, wenn von dem Tier eine enorm starke Abnutzung des Mietobjekts oder eine übermäßige Verschmutzung zu befürchten ist. Laut einem Urteil des Landgericht Aurich darf ein Mieter zum Beispiel keine 15 Katzen in der Wohnung halten,  da dies ein unsachgemäßer Gebrauch der Wohnung darstelle. Weiterhin hat das Landgericht Neu-Ulm entschieden, dass mehrere freilaufende Katzen von den Nachbarn nicht hingenommen werden müssen. Dasselbe gilt wohl auch für Hunde. Hausbesitzer müssen laut dem Landgericht Bonn außerdem dafür sorgen, dass Katzen nicht in den Garten des Nachbarn eindringen und Kot hinterlassen.

Problem 5: Überschrittene Grundstücksgrenzen

Immer wieder kommt es zu heftigen Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Bäumen und Hecken, die in den eigenen Gartenbereich hinein ragen. Inwieweit das zulässig ist, wird in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Sich gestört fühlende Nachbarn sollten sich daher über die landesspezifischen Vorschriften informieren. Als Faustregel gilt: Hecken im Garten sollten zweimal im Jahr auf zwei Meter gekürzt werden.

Problem 6: Falsches Parken

Egal, ob der Nachbar auf dem eigenen Parkplatz geparkt hat oder die Einfahrt mit dem Auto blockiert: Es handelt sich hierbei um eine Ordnungswidrigkeit. Kommt dies immer wieder vor, muss der Falschparker mit einem Bußgeld rechnen.

Problem 7: Müll im Hausflur

Den Müllbeutel im Treppenhaus zu platzieren, ist bei nicht wenigen Mietern beliebt. Die Wohnung soll schließlich nicht stinken und das Herunterbringen wird nicht vergessen. Dennoch ist das, laut dem Deutschen Mieterbund, nicht gestattet. Der Vermieter kann eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung aussprechen. Nachbarn, die sich gestört fühlen, haben zudem das Recht auf eine Mietkürzung.  

Problem 8: Auffällige Dekoration

Der hässliche Gartenzwerg, eine auffällige Weihnachtsdekoration und unästhetische Balkonbepflanzungen sind Sache des Nachbarn. Hier muss der persönliche Geschmack zurückweichen, denn es gibt keine rechtliche Handhabe gegen unschöne Nachbarschaftsdekorationen.

Lieber reden, statt klagen

Damit diese nicht vor Gericht enden, lohnt sich in jedem Fall ein klärendes Gespräch mit dem Nachbarn. Häufig ist dieser sich gar nicht darüber bewusst, dass er andere Mieter mit seinem Verhalten stört. Genervte Nachbarn sollten höflich ihre Lage erklären und um einen Kompromiss bitten. Lässt der Störenfried sich nicht überzeugen, sein unerwünschtes Verhalten abzustellen, kann man den Hausmeister, den Vermieter oder den örtlichen Mieterverband um Hilfe bitten. Manche Rechtsschutzversicherungen bieten auch Mediatoren zum Streitschlichten an. So kann der Gang zum Anwalt in den meisten Fällen vermieden werden.

Nicht immer sind die Nachbarn schuld

Viele Nachbarschaftskonflikte entstehen nicht wegen dem störenden Verhalten des Nachbarn, sondern aufgrund der Beschaffenheit der Wohnung oder des Hauses. Ein stark rauchender Mieter wird beispielsweise eher als störend wahrgenommen, wenn die Türen und Fenster in seiner Wohnung undicht sind. Der Rauch kann zudem durch einen Lüftungsschacht in die eigene Wohnung gelangen. Weiterhin kommt es in Altbauten häufiger vor, dass Mieter aufgrund einer unzureichenden Trittschalldämmung die Schritte des Nachbarn mithören können. Wer sich davon gestört fühlt, kann nur mit einem Gutachten, das die Nichteinhaltung der DIN-Vorschriften ("Schallschutz im Hochbau") belegt, dagegen vorgehen. Dies gilt ebenso, wenn im Mietvertrag eine Kernsanierung bestätigt wird. Eine Verpflichtung zur Modernisierung oder einem verbesserten Schallschutz von Altbauten hat der Vermieter jedoch nicht. Auch in Plattenbauten ist die Hellhörigkeit ein häufiges Problem. Sind die Wohngeräusche anderer Mieter unzumutbar, kann die Miete gemindert werden. Wann dies der Fall ist, muss im Einzelfall entschieden werden.

Weiterhin gibt es in Großstädten häufiger Konflikte, als in kleineren Städten und ländlichen Gegenden, denn hier sind Wohnungen und Häuser enger aneinander gebaut und es treffen deutlich mehr Menschen aufeinander. So kann es leichter dazu kommen, dass Geräusche oder unangenehme Gerüchte von den Nachbarn als störend wahrgenommen werden. So ist es kein Wunder, dass laut einer GfK-Studie Nachbarschaftskonflikte in Großstädten wie Hamburg häufiger vorkommen. Während bei bis zu 5000 Einwohnern nur jeder Vierte sich mit dem Nachbarn zofft, ist es bei Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern bereits bei jedem Dritten der Fall.

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Quelle: n-tv.de, imi

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