Wie werde ich...

Wie werde ich ...? Arzt

Fachwissen allein reicht nicht: Wer als Arzt Patienten behandeln will, braucht auch eine Portion Menschenkenntnis. (Bild: DAK/dpa/tmn)

(Foto: dpa)

Morgens als Halbgott in Weiß durch die Visite schweben, nachmittags schon auf dem Golfplatz: So sieht das Klischee vom Ärztealltag aus. Die Realität bietet ein anderes Bild: Arbeit bis zum Anschlag, und Freizeit ist Luxus.

Dafür ist der Job prestigeträchtig: Er liegt laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes auf Platz vier der angesehensten Berufe in Deutschland. Entsprechend hoch sind aber auch die Ansprüche.

Thomas Lipp klingt gestresst. In seiner Sprechstunde warten noch drei Patienten, sagt der Hausarzt aus Leipzig, der zum Gesamtvorstand des Hartmannbundes gehört. Eigentlich schließt die Praxis in 15 Minuten. 15 Minuten Zeit für drei Patienten? "Ja, und das ist jetzt noch Urlaubszeit." Stress ist eine Berufskrankheit der Mediziner. Auf 50 bis 70 Wochenstunden komme er im Schnitt, erzählt Lipp. Wer Arzt werden will, müsse belastbar sein.

Ansehnliches Gehalt

Der Lohn dafür ist ein ansehnliches Gehalt: Ein Radiologe oder ein Internist verdient in einem kommunalen Krankenhaus nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 4800 bis 6000 Euro brutto im Monat. "Das Schöne an der Arbeit ist aber auch die Dankbarkeit, die man empfängt", sagt Günther Jonitz vom Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK). Anderen helfen zu wollen, sei daher das Hauptmotiv für den Beruf.

Aus Sicht der Mediziner wird der Beruf aber immer unattraktiver: Mehr als jeder zweite praktizierende Arzt in Deutschland (56 Prozent) ist laut einer Allensbach-Studie dieser Meinung. Schuld daran ist unter anderem der harte Alltag im Krankenhaus. Denn dort erwartet Absolventen ein Knochenjob, der sich wegen Nachtschichten und Überstunden auch schwer mit der Familie vereinbaren lässt. "Wenn um 17.30 Uhr noch ein Unfall reinkommt, können Sie schlecht sagen: 'Ich muss jetzt aber mein Kind von der Kita abholen'", sagt Lipp. Flexibel zu sein, ist ein Muss.

Öde Aktenarbeit

Frustrierend ist dabei für manche, dass nach jeder Behandlung öde Aktenarbeit und Abrechnungen warten. "Ein Drittel der Zeit geht für Papierkram drauf", erzählt Lipp. Und damit nicht genug: Wenn die Kasse eine Behandlung nicht mehr zahlen will, bekomme der Arzt auch noch den Ärger der Patienten ab, fügt Jonitz hinzu.

Hohe Hürden gibt es aber schon vor dem Berufseinstieg: Das Studium ist lang und schwer. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Jahre und drei Monate. Schon in den ersten zwei Jahren im vorklinischen Teil werde stark gesiebt, sagt Jonitz. Vor der Approbation wartet aber noch das "Hammerexamen". Damit ist die Ausbildung nicht vorbei: Bis zum Facharzt sind es noch einmal drei bis sechs Jahre.

Bacholor- und Reformstudiengänge

Ob sich daran bald etwas ändern wird, ist derzeit kaum absehbar: Die Uni Oldenburg will jetzt zwar als erste in Deutschland einen Bachelor-Studiengang anbieten. Kritiker sehen das aber als Schmalspurstudium an. Daneben gibt es an einigen Hochschulen inzwischen Reformstudiengänge mit eigenen Konzepten.

Die Berufschancen sind so gut wie lange nicht mehr: In manchen Regionen herrscht der BÄK zufolge schon jetzt akuter Ärztemangel. Außerdem benötigten viele Ärzte hierzulande bald einen Nachfolger: Vier von zehn (38,5 Prozent) seien bereits mehr als 50 Jahre alt. Und durch die gestiegene Lebenserwartung der Deutschen werde der Ärztebedarf in Zukunft noch zusätzlich wachsen.

Quelle: n-tv.de, dpa