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Baden-Württemberg Abriss des bekannten Gerichtssaals in Stammheim startet

Ein Mikrofon steht in einem Saal eines Gerichts.

(Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild)

Stuttgart (dpa/lsw) - Der vor fast 50 Jahren durch Verfahren gegen Terroristen der Gruppe Rote Armee Fraktion (RAF) bundesweit bekannt gewordene Gerichtssaal am Gefängnis in Stuttgart-Stammheim wird in den nächsten Monaten abgerissen. Im Mai soll mit dem Rückbau des Gebäudes gestartet werden, wie Corinna Bosch, die Leiterin des Amts Ludwigsburg des Landesbetriebs Vermögen und Bau, am Montag mitteilte. Zunächst würden schadstoffhaltige Baumaterialien entfernt. Im Herbst soll der Bagger anrücken und das entkernte Gebäude abtragen.

Am Ort des ehemaligen Gerichtssaals soll dann ein modernes Gefängniskrankenhaus mit 205 Haftplätzen mit dem Schwerpunkt Psychiatrie entstehen. Für die Planungskosten seien 25 Millionen Euro bereitgestellt worden. Der geplante Baustart stehe noch nicht fest.

Das alte Mehrzweckgebäude wurde in den 1970er-Jahren wegen der Verfahren gegen die RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe weltweit bekannt. Der Bau kostete einst 12 Millionen Mark. Er ging 1975 in Betrieb. Der alte Gerichtssaal ist eine Halle aus Stahlbetonfertigteilen. Er wirkt äußert karg und nüchtern. Versorgungsleitungen sind sichtbar und der Zuschauerraum ist mit orangenen Hartschalensitzen aus Plastik ausgestattet. Der eigentliche Verhandlungssaal war zum Zuschauerbereich lediglich durch ein Geländer abgetrennt. In ihm wurden 56 Verfahren des Oberlandesgerichts und des Landgerichts Stuttgart mit RAF-Bezug an rund 1300 Sitzungstagen verhandelt.

Während das Gerichtsgebäude nun bald Geschichte ist, wird der Bau 1 der Justizvollzugsanstalt Stammheim, in dem in den 1970er Jahren die RAF-Führungsriege einsaß und dort sich zum Teil auch dort das Leben nahm, gerade für 23 Millionen Euro saniert. Im Sommer sollen dann 326 Haftplätzen zur Verfügung stehen, wie ein Sprecher des Justizministeriums mitteilte. Für sie bestehe jedoch keine vollständige Infrastruktur. Das bedeute, dass insbesondere das Arbeits- und Freizeitangebot nicht entsprechend aufgestockt werden könnten. Das Gefängnis Stammheim war im vergangenem Dezember mit durchschnittlich 726 Gefangenen belegt.

Quelle: dpa

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