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Baden-Württemberg Maschinenbau fährt in Corona-Zeiten Kapazitäten runter

Ein Arbeiter eines Maschinen- und Anlagenbauers arbeitet an einer Wasserturbine. Foto: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild

(Foto: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild)

Maschinen- und Anlagenbauer sind derzeit doppelt in der Bredouille: Längst krankte die Branche mitsamt der Auto-Industrie, nun macht obendrein Corona internationale Aufträge zunichte. In der Branche gibt es nur wenige Lichtblicke.

Stuttgart (dpa/lsw) - Fast 90 Prozent der Südwest-Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau haben wegen Corona ihre Kapazitäten heruntergefahren. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage des Branchenverbands VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer). Prognosen wagt der Verband nicht mehr, zu unsicher sei die Lage. Das Corona-Virus sei ein heftiger Schock mit bisher unabsehbaren Folgen. "Abschätzungen sind sehr schwer, insbesondere die Nachfrageseite bereitet uns große Sorgen", sagte VDMA-Geschäftsführer Dietrich Birk am Dienstag in Stuttgart beim Ausblick auf die Branche in den Jahren 2020 und 2021.

Die wenigen Ausblicke des Verbands sind fast ausschließlich negativ: "Es wird sicherlich zu Personalabbau kommen, im Laufe des Jahres kann uns das treffen", sagte Birk. Schon jetzt geben die Unternehmen für das laufende Jahr Umsatzeinbrüche von bis zu 30 Prozent an. Völlige Uneinigkeit herrsche über die Perspektiven; manche Unternehmer gehen demnach davon aus, dass es bereits dieses Jahr wieder bergauf gehen könnte, andere wagen kaum aufs nächste Jahr zu hoffen.

Eines der besonderen Probleme des Maschinenbaus im Südwesten sei die Schieflage der Automobilindustrie, die sich schon vor Corona bemerkbar gemacht hatte. "Die Abhängigkeit des baden-württembergischen Maschinenbaus von der Automobil- und der Automobilzulieferindustrie verstärkt die Corona-Auswirkungen", sagte VDMA-Vorstandschef Mathias Kammüller, der beim Laser-Spezialisten Trumpf für digitale Transformation zuständig ist. Viele Investitionsvorhaben dieser, aber auch anderer Kundenbranchen würden derzeit aus Unsicherheit aufgeschoben. Die Autobranche befand sich schon vor Corona in der sogenannten Transformation - dem Wechsel von herkömmlichen zu elektrischen Antrieben.

Angesichts der schwierigen Situation fordert der VDMA, Investitionen in der Breite zu verstärken. Bewusst grenzten sich die Verantwortlichen dabei am Dienstag von der Automobilbranche ab. Das Investitionsklima müsse insgesamt verbessert werden, damit Menschen und Unternehmen wieder Mut kriegten, sagte Kammüller.

Auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) plädierte am Dienstag für ein Konjunkturprogramm, das schnell und nachhaltig wirke, damit die Wirtschaft wieder aufgebaut werden könne. "Wir stellen uns auf eine tiefgreifende Rezession ein", sagte sie in Stuttgart. Der Einbruch etwa beim Maschinen- und Anlagenbau betrage bis zu 90 Prozent.

Ein paar wenige coronabedingte Lichtblicke gibt es dennoch, etwa im Bereich Beatmungsmaschinen und Textil - und sogar bei Autokonzernen. Dort hätten die Unternehmen immerhin im Bereich E-Mobilität bei den Investitionen bisher keine Abstriche gemacht, hieß es beim VDMA.

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