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Baden-Württemberg Schopper für Gelassenheit beim Gendern: Andere Sorgen

Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerin von Baden-Württemberg, gestikuliert. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

(Foto: Bernd Weißbrod/dpa)

Das Gendern erhitzt schon länger die Gemüter. Für viele junge Leute ist das Sternchen nicht mehr wegzudenken, andere wenden sich mit Grausen ab. Doch wie wird das in der Schule gehandhabt? Für die Kultusministerin ist die Debatte nicht mehr aufzuhalten.

Stuttgart (dpa/lsw) - Sollte das Gendersternchen in Klausuren und Klassenarbeiten als Fehler angestrichen werden? Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper wirbt für mehr Gelassenheit bei dem Thema und hält Kulanz für angebracht. Klar sei, dass das amtliche Regelwerk für die deutsche Orthografie in den Schulen verbindlich sei, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. "Aber niemand ist beim Gendern so hartnäckig wie junge Mädels und auch junge aufgeweckte Jungs. Diese Diskussion hält man aus Schulen nicht mehr raus. Das muss ich natürlich in Schulen diskutieren, vor allem in den Mittel- und Oberstufen."

Die Grünen-Politikerin hatte im Sommer den Eindruck erweckt, als wolle sie es den Schulen überlassen, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. Es sei gut, "wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren", hatte Schopper den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt. Daran hatte es heftige Kritik gegeben, etwa aus der CDU und dem Philologenverband. CDU-Fraktionschef Manuel Hagel hatte das Kultusministerium aufgefordert, den Schulen verbindliche Vorgaben zu machen.

Das Kultusministerium stellte nun nochmal klar, die Korrektur von Aufsätzen erfolge auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks, für das der Rat für deutsche Rechtschreibung zuständig sei. "Er sieht bisher keine verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen vor", erklärte das Ressort, ergänzte aber: "Die Beurteilungs- und Korrekturrichtlinien für die Abschlussprüfungen enthalten keine Aussagen zum Gendern." Der Rat werde sich im Frühjahr 2022 mit dem Thema befassen.

Schopper sagte, sie selbst halte es eher in der altmodischen Form mit Schülerinnen und Schüler. Aber: "Gendern ist in den Schulen angekommen. Dieser Diskussion wird sich die Schule stellen müssen, weil Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Für viele Schülerinnen und Schüler ist das täglich Brot, für die ist es schon eingepreist."

Die Kritik daran hält sie für übertrieben, die Lehrkräfte trieben eh andere Dinge um. "Ich glaube zudem, dass das Thema die Leute in den Schulen ruhig schlafen lässt. Zumindest war die Aufregung dort bedeutend geringer als in manchen Zeitungskolumnen." Den Pädagogen gingen andere Punkte durch den Kopf, wie die Fragen: Wie komme ich hin mit meinem Stoff? Wie kann ich die Kinder erreichen? Die haben vor allem momentan andere Sorgen."

Schopper sagte, sie könne grundsätzlich nachvollziehen, wenn jemand skeptisch sei gegenüber dem Gendersternchen. "Was die Schönheit der Sprache angeht, mag es vielleicht für die einen oder anderen komisch klingen. Aber für junge Mädchen, die sagen "Wir werden nie gedacht", ist es sozusagen ihr Weg."

© dpa-infocom, dpa:211229-99-530001/2

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