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Bayern Bayerische Kliniken noch nicht an Belastungsgrenze

Ein Beatmungsgerät steht neben einem Bett in einem Zimmer der Intensivstation. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

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Noch haben die Krankenhäuser im Freistaat Kapazitäten - sowohl für Covid-19-Patienten als auch für andere Behandlungen. Doch wenn die Zahlen auf jetzigem Niveau bleiben, müssen viele OPs wohl wieder verschoben werden. Auch, weil es nicht genug Fachkräfte gibt.

München (dpa/lby) - Bei der Behandlung von Corona-Infizierten sehen sich die bayerischen Kliniken derzeit noch nicht an ihren Grenzen - hoffen aber auf ein rasches Sinken der Infektionszahlen. "Ein möglichst harter, möglichst strikter Lockdown würde uns größtmögliche Entlastung schaffen", sagte der scheidende Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, am Mittwoch in München.

"Wir brauchen keine Seitwärtsbewegung der Infektionszahlen, sondern wir brauchen eine deutliche Rückwärtsbewegung." Schon jetzt seien einige Häuser in besonders betroffenen Regionen an ihrer Belastungsgrenze, sagte Hasenbein. Die Kliniken reagierten, indem sie untereinander eng kooperierten, Patienten verlegten oder sich mit Personal aushülfen. Vor allem der Fachkräftemangel sei die Achillesferse des Systems, erläuterte Hasenbein.

Da Pfleger und Ärztinnen aber nicht aus dem Hut gezaubert werden könnten, werde die entscheidende Maßnahme sein, in den kommenden Wochen nicht notwendige Operationen auszusetzen. "Es wäre aber nicht angemessen und richtig, planbare Behandlungen kollektiv und vollständig zu verschieben", zog Hasenbein die Lehren aus dem ersten Lockdown im Frühjahr. "Wir müssen auf ein intelligentes Steuerungssystem setzen, damit wir Covid-Patienten und die dringend notwendigen, sogenannten planbaren Eingriffe vereinbaren können."

Auch dürfe es nicht erneut dazu kommen, dass sich Patienten mit ernsthaften Erkrankungen aus Angst vor einer Ansteckung nicht in die Kliniken trauten.

Seit Monaten steht die Corona-Pandemie in Bayerns Krankenhäusern im Mittelpunkt - doch auch darüber hinaus gibt es drängende Themen: Die Finanzierung der teils kleinen und defizitären Häuser etwa, eine zu langsame Digitalisierung oder eine überbordende Bürokratie aufgrund immer komplexerer Vorschriften. "Das Gesundheitswesen zukunftsfähig zu machen, bedeutet auch, die Regelungen wieder einfacher zu machen", sagte der neue Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen.

Auch die Finanzierung müsse neu geregelt werden. Statt sie wie bislang von möglichst hohen Patientenzahlen abhängig zu machen, müsse zusätzlich bereits das Vorhalten der grundlegenden Infrastruktur an sich vergütet werden. Engehausen plädierte zudem für ein deutlich höheres Tempo bei der Digitalisierung, bei gleichzeitig extrem hohen Schutz der sensiblen Patientendaten.

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