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Bayern Benedikts Brief bewegt bei Requiem für Bruder

Der Sarg von Domkapellmeister Georg Ratzinger steht im Dom. Foto: Uwe Moosburger/Bistum Regensburg/dpa

(Foto: Uwe Moosburger/Bistum Regensburg/dpa)

Zum Requiem für seinen Bruder Georg Ratzinger konnte der frühere Papst Benedikt XVI. nicht nach Regensburg anreisen. Und doch war er präsent: In einem Brief erinnerte er mit warmherzigen Worten an seinen Bruder.

Regensburg (dpa/lby) - Bei einem feierlichen Requiem im Regensburger Dom haben Kirchenvertreter und Weggefährten Abschied vom einstigen Domkapellmeister Georg Ratzinger genommen. Sein jüngerer Bruder, der emeritierte Papst Benedikt XVI., war nicht zur Trauerfeier aus dem Vatikan angereist. Er sah sich das Requiem am Mittwoch via Livestream im Internet an, wie Bischof Rudolf Voderholzer sagte. Ratzinger, der von 1964 bis 1994 die Regensburger Domspatzen geleitet hatte, war am vergangenen Mittwoch im Alter von 96 Jahren gestorben.

Sichtlich bewegt und mit brüchiger Stimme verlas der Privatsekretär des früheren Papstes, Georg Gänswein, einen Dankesbrief Benedikts. Menschen aus vielen Ländern hätten ihm geschrieben - "in einer Weise, die mein Herz berührte", so Benedikt. Leider fehlten ihm Zeit und Kraft, um jedem persönlich zu antworten. Der frühere Papst erinnerte mit herzlichen Worten an den jüngsten Besuch bei seinem Bruder und dankte dafür, "dass ich in den letzten Tagen seines Lebens noch einmal mit ihm zusammen sein durfte". Mit einem "Vergelt's Gott, lieber Georg", verabschiedete er sich. Gänswein kamen beim Lesen die Tränen.

Benedikt sprach in dem Brief auch von der Musikalität seines Bruders und von der Freude, mit der dieser sein Amt als Domkapellmeister ausgeführt habe. Er sei auch ein Mensch von heiterer Geselligkeit gewesen und ein Mann des direkten Wortes, der seine Überzeugung offen aussprach. Mehr als 20 Jahre lang in weitestgehender Blindheit gelebt zu haben, sei für seinen Bruder ein großer Verzicht gewesen. Weiter schrieb Benedikt: "Im letzten aber war er doch ein Mensch Gottes." Auch wenn er seine Frömmigkeit nicht gezeigt habe, so sei sie doch die Mitte seines Lebens gewesen.

Für fünf Tage war der frühere Pontifex im Juni überraschend nach Regensburg gereist, um seinen schwer erkrankten Bruder zu besuchen. Die beiden hatten Abschied von einander nehmen wollen. Aber, so Benedikt in seinem Brief, sie hätten gewusst, dass Gott ihnen in "der anderen Welt" ein neues Miteinander schenken würde. Der 93-Jährige lebt seit seiner Emeritierung im Jahr 2013 in einem Kloster im Vatikan. Dort hatte ihn Ratzinger immer wieder besucht. Die Brüder standen sich sehr nahe.

Ein letztes Geleit konnte ihm der gebrechlich gewordene einstige Papst nun nicht geben. Der Sarg und ein Porträt Ratzingers waren mit weißen Rosen und gelben Gerbera verziert. Bischof Voderholzer würdigte Menschlichkeit und musikalisches Können Ratzingers und erwähnte auch, dass dieser Fehler in seiner Zeit als Domkapellmeister eingeräumt und dafür um Verzeihung gebeten habe.

Der heutige Leiter der Domspatzen, Christian Heiß, würdigte seinen Vor-Vorgänger als Ausnahmemusiker. Ratzinger habe von seinen Sängern immer das bestmögliche erwartet und sei bei allem Erfolg bescheiden geblieben. Er bezeichnete Ratzinger als verschmitzten Erzähler mit erstaunlichem Gedächtnis. Dieser habe ehemalige Chorknaben auch nach Jahrzehnten noch an ihrer Stimme erkannt.

Ein Ensemble des Chores sang "Denn er hat seinen Engeln befohlen" von Felix Mendelssohn Bartholdy nach Psalm 91 und rührte damit so manchen Trauergast zu Tränen. Es ist das letzte Werk, das Ratzinger 1994 bei seinem Abschied von den Domspatzen im Regensburger Dom dirigierte.

Unter den Trauergästen waren der Erzbischof von Freising und München, Kardinal Reinhard Marx, der frühere Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sowie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Nach dem Requiem, bei dem wegen der Corona-Situation die Zahl der Plätze eingeschränkt war, wurde Ratzinger im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen auf dem Unteren Katholischen Friedhof beigesetzt.

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