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Bayern Corona-Zeit ist Ausnahme-Zeit: Sport statt Biergarten

Der fast menschenleere Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle und der Theatinerkirche in München. Foto: Peter Kneffel/dpa

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Endlich etwas wärmer, an einem Tag sogar T-Shirt-Wetter - eigentlich Biergartenzeit: Doch die Corona-Pandemie macht den Bayern einen Strich durch Sonnenbaden und Gartenpartys. So mancher hofft auf ein Exitdatum. Einen Lichtblick gibt es für werdende Väter.

München (dpa/lby) - Weniger Ausflugsverkehr, ungewöhnlich leere Autobahnen, dafür viele Polizeikontrollen: Das zweite Wochenende in Bayern mit Ausgangsbeschränkung hat das Leben vielerorts ausgebremst. Um weitere Infektionen mit dem neuen Coronavirus zu vermeiden, sollten die Menschen zu Hause bleiben - abgesehen von Sport und Spaziergängen. Nach Polizeiangaben hielten sich die meisten an die seit dem 21. März geltenden Auflagen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will am Montagmittag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise informieren. Ein zentraler Punkt neben aktuellen Zahlen und Entwicklungen dürfte sein, ob und bis wann die umfangreichen Ausgangsbeschränkungen, die in Bayern zunächst bis einschließlich 3. April befristet wurden, verlängert werden. Dass sie verlängert werden, daran gibt es kaum Zweifel.

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. Der Verlauf kann unterschiedlich sein - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter auch tödlich. Im Freistaat sind inzwischen 13 263 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit. 110 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren, starben.

Um die Ausbreitung einzudämmen, gelten für die 13 Millionen Einwohner Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der Wohnung ist nur noch aus triftigen Gründen erlaubt.

FREIZEIT: Über den Kurznachrichtendienst Twitter erinnerte etwa die Polizei Mittelfranken, dass es derzeit nicht erlaubt sei, sich längere Zeit auf Parkbänken und Decken niederzulassen. In München achteten Beamte darauf, dass Spaziergänge in einem angemessenen Rahmen blieben. "Es ist sicher nicht Sinn und Zweck, unter dem Deckmantel eines Spaziergangs drei Stunden Wandern zu gehen", sagte ein Sprecher. Auch langes Sonnenbaden auf einer Wiese sei verboten.

Vom Süden des Landes, wo sich etwa an Schliersee, Spitzingsee oder Tegernsee sonst Tausende Ausflügler tummeln, berichteten dpa-Korrespondenten am Samstag von leeren Parkplätzen. Am Starnberger See und am Ammersee waren laut Polizei viele Menschen unterwegs.

Auf einem Parkgelände im Süden Münchens herrschte am Samstag bei Sonnenschein reges Treiben - aber soweit ersichtlich weitgehend ordnungsgemäß: Radfahrer waren in Zweiergruppen unterwegs, Jogger oft alleine. Familien spielten mit Bällen, Eltern spazierten mit Kinderwagen. Manche Leute waren noch mit Mütze unterwegs, während andere selbst bei gemächlichem Schlendergang nur T-Shirt und Sonnenbrille trugen. Nur ein paar Jugendliche hatten sich offensichtlich mit ihren Mountainbikes getroffen.

Sowohl im südlichen als auch im nördlichen Oberbayern führten die Beamten ungefähr 6000 Kontrollen durch. An stark frequentierten Seen im Westen von München gab es Lautsprecherdurchsagen. Hunderte Anzeigen wegen Verstößen gegen die Auflagen wurden geschrieben.

POLITIK: In der Debatte um die Beschränkungen hat sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hinter Söder gestellt. "Es waren die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben uns da immer eng abgestimmt, und wir würden aus jetziger Sicht alles so wieder machen", sagte Aiwanger der "PNP".

Söder verteidigte im "Spiegel" erneut die Auflagen für den Alltag. Zum Thema Exitstrategie - also der Lockerung oder Abschaffung der Maßnahmen - sagte er: "Aber wann und in welcher Form wir wieder zur Normalität zurückkehren, hängt davon ab, wie sich die Zahlen der Infektionen und Todesfälle entwickeln. Aus heutiger Sicht kann es keine vorschnelle Entwarnung geben. Die Lage bleibt sehr ernst. Im Moment steigen die Zahlen noch steil an."

MEDIZIN: Werdende Väter dürfen auch in der Corona-Krise bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus dabei sein. Zuvor hatten vereinzelt Kliniken wegen des Ansteckungsrisikos mit dem neuartigen Coronavirus Väter nicht mehr in die Kreißsäle gelassen. Ansonsten bleibt es dabei: Besuche in Krankenhäusern sind derzeit verboten.

KULTUR: Kunst- und Kultureinrichtungen präsentieren in der Krise digitale Alternativen zum Museumsbesuch. Das ägyptische Museum in München bietet Interviews, Erklärfilme und digitale Rundgänge an. Auf Facebook, Instagram und Twitter stellen Kuratoren der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter dem Hashtag #Kulturminute berühmte Gemälde vor. Über das Landeskulturportal wird ein virtueller Spaziergang durch Einrichtungen angeboten.

VERKEHR: Nach der Deutschen Bahn streichen jetzt auch Privatbahnen Verbindungen in Bayern. Züge würden deswegen von Montag an seltener fahren, teilte die Länderbahn mit. Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) gab bekannt, dass Meridian- und BOB-Züge ab April vorerst nur noch im Stundentakt und in den Hauptverkehrszeiten unterwegs sind.

RELIGION: Wegen der Corona-Krise werden viele Gottesdienste im Internet übertragen - für diese wünscht sich der Pater und Buchautor Anselm Grün (75) Ausnahmen von Versammlungsverboten. Es wäre gut, "wenn der Priester die Eucharistiefeier nicht ganz allein hält", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). "Drei, vier Leute sollten in der Kirche sein - als Stellvertretung für das Volk Gottes." Kardinal Reinhard Marx rief dazu auf, die Corona-Krise dazu zu nutzen, ein neues gesellschaftliches Miteinander zu erzeugen.

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