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Bayern Internetbekanntschaft endet tödlich: Prozessbeginn

Justitia-Abbildungen sind an einer Scheibe zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

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Er sagt, es war ein Streit - die Anklage hingegen sieht Mord aus Habgier: Weil er eine Bekannte aus dem Internet getötet hat, muss sich ein 61-Jähriger in Traunstein vor Gericht verantworten.

Traunstein (dpa/lby) - Es begann als Internetbekanntschaft - und mündete nach Auffassung der Staatsanwaltschaft in einen Mord: Ein 61-jähriger Mann muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Traunstein verantworten, weil er vor gut einem Jahr seine neue Bekannte aus Habgier heimtückisch erschlagen haben soll. Er selbst räumte zum Prozessauftakt die Tat ein. Er schilderte sie aber in seiner rund dreistündigen Aussage nach Angaben seines Anwalts Harald Baumgärtl als spontane Handlung, die nicht geplant war. Es sei zum Streit gekommen, da habe er eine Statue genommen und auf die Frau eingeschlagen.

Die beiden hatten sich im Dezember 2019 kennengelernt. Die Anklage geht davon aus, dass die 59-Jährige Frau aus Bergen sich dem Mann gegenüber und auch im Internet als wohlhabend ausgab. Als er Anfang Januar 2020 in eine finanzielle Notlage geriet, habe er beschlossen, die Frau zu töten, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Der Angeklagte hingegen betonte Baumgärtl zufolge vor Gericht, er habe nichts von Bargeld in der Wohnung gewusst. Die Frau sei auch mit ihrem Wohlstand nicht hausieren gegangen.

Erst als er dabei war, die Leiche zu entsorgen, habe er in einer Vase einen Schlüssel entdeckt, der zu einem Tresor gehörte - von dem er zuvor ebenfalls nichts gewusst habe. Dort habe er 60 000 Euro gefunden. Die Anklage geht von mindestens 85 000 Euro aus, die er zusammen mit Goldplättchen und Edelsteinen mitgenommen haben soll.

Der Mann beseitigte in der Wohnung die Spuren der Tat und brachte die Leiche in ein Waldstück. Das Auto der Frau stellte er in Traunstein ab.

Eine Freundin machte sich schließlich Sorgen, weil sie die Frau nicht erreichte. Die 59-Jährige blieb jedoch spurlos verschwunden. Zwei Monate später, im März 2020, nahm die "Sonderkommission Manuela" nach umfangreichen Ermittlungen den Deutschen, der einen Wohnsitz in Oberösterreich hatte, unter Tatverdacht fest.

Der Mann wies zunächst den Verdacht zurück, mit der Tat etwas zu tun zu haben. Am Folgetag führte er aber die Ermittlungsbeamten zum Versteck der Leiche. Die Obduktion bestätigte, dass die Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Im Schilf am Waginger See wurden eine Matratze sowie Bettzeug aus der Wohnung der Frau gefunden.

Für den Prozess sind zahlreiche Zeugen geladen; sechs Verhandlungstage sind bis zum 26. März angesetzt.

© dpa-infocom, dpa:210309-99-748018/3

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