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Bayern Prozess um verdurstetes Mädchen: Mutter schildert Tat

Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv

(Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa)

Die Jesidin gilt als Kronzeugin in dem Münchner Prozess gegen eine mutmaßliche deutsche IS-Terroristin. Ihre Tochter soll, angekettet in der Sonne, verdurstet sein. Doch ihre Aussage kommt nur schleppend voran - und verzögert sich am Mittwoch sogar noch weiter.

München (dpa/lby) - Vor dem Oberlandesgericht München hat eine Jesidin geschildert, wie ihre kleine Tochter vor ihren Augen verdurstet sein soll. Die 47-Jährige tritt als Kronzeugin im Prozess um Mord und Kriegsverbrechen gegen eine deutsche, mutmaßliche Anhängerin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf. Die junge Frau aus Niedersachsen soll im Jahr 2015 dabei zugesehen haben, wie ihr Ehemann das kleine Kind im Irak in brennender Sonne in einem Hof fesselte und verdursten ließ. Sie ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Das Ehepaar soll Mutter und Tochter, die beide der vom IS verfolgten religiösen Minderheit der Jesiden angehörten, als Sklaven gehalten haben.

Eine Stunde habe das Kind in der Hitze gestanden. "Sie hat gerufen: Mama." Doch sie habe sich aus Angst vor ihrem Peiniger nicht nach draußen getraut. Dann sei das Mädchen tot gewesen. "Dann habe ich immer gerufen: Ranja, Ranja. Aber von Ranja war nichts mehr zu hören." Sie habe geweint und geweint. Die Ehefrau des Mannes - von der die Bundesanwaltschaft glaubt, dass es sich um die Angeklagte handelt - habe sie dann irgendwann mit einer Pistole bedroht und gesagt, sie werde sie töten, wenn sie nicht aufhört, zu weinen. Aber sie habe mitansehen müssen, wie ihre Tochter vor ihren Augen umgebracht wurde. "Und dann soll ich nicht weinen?" Sei es nicht schwer, "dass das Herz von einer Mutter verbrannt wird?"

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