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Bayern Stärkster Anstieg arbeitsloser Menschen mit Behinderung

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(Foto: picture alliance / dpa/Archivbild)

Menschen mit einer schweren Behinderung haben es ohnehin nicht leicht, einen Job auf dem normalen Arbeitsmarkt zu finden. Nun zeigen aktuelle Daten: In Bayern verlieren in der Corona-Krise besonders viele Betroffene ihre Stelle. Das hat langfristige Folgen.

München (dpa/lby) - Der Freistaat verzeichnet in der Corona-Krise deutschlandweit den stärksten Anstieg arbeitsloser Menschen mit Behinderung. Mit einem Plus von 19,1 Prozent zum Vorjahresmonat lag die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung im Oktober deutlich über dem bundesweiten Schnitt von rund 13 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes hervor. Demnach sind in Bayern rund 24 700 Betroffene auf Arbeitsplatzsuche.

"Seit 2013 verbesserte sich die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung in Deutschland fast stetig", erläuterte der Präsident des Forschungsinstitutes, Bert Rürup. "Doch die rasant negative Entwicklung in diesem Jahr macht in kürzester Zeit die Erfolge der letzten vier Jahre zunichte." In Bayern sei der Anstieg besonders hoch, weil hier die coronabedingte Konjunkturkrise mit der Strukturkrise etwa in der Autoindustrie und bei deren Zulieferern zusammentreffe.

Das wird auch langfristige Folgen haben: Wenn Menschen mit Behinderung erst einmal arbeitslos geworden sind, suchen sie deutlich länger nach einem Job als andere. "Das gilt auch für Bayern - im Durchschnitt suchten arbeitslose Menschen mit Behinderung hier schon letztes Jahr 113 Tage länger nach einer neuen Stelle als Menschen ohne Behinderung", sagte Christina Marx von der Aktion Mensch.

Das liegt auch daran, dass in Bayern nach den jüngsten vorliegenden Daten 60 Prozent der rund 28 000 Betriebe, die aufgrund ihrer Größe eigentlich Menschen mit Behinderung beschäftigen müssten, stattdessen eine Ausgleichsabgabe zahlten. Dies ergab eine aktuelle Landtagsanfrage der Grünen, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Nur 40 Prozent der Betriebe kamen ihrer Beschäftigungspflicht voll und ganz nach - und das war noch vor Beginn der Corona-Pandemie.

Der Anstieg bei den Ausgleichszahlungen sei leider ein kontinuierlicher Trend, betonte die Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina. Und zog den Schluss: "Wenn der Großteil unserer bayerischen Betriebe lieber eine Ausgleichsabgabe zahlt, statt Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, reicht diese als Anreiz offensichtlich nicht. Der Freistaat muss hier viel mehr tun und als Vorbild vorangehen." Denn auch die Quote des öffentlichen Dienstes stagniere seit Jahren knapp oberhalb der gesetzlich geforderten fünf Prozent.

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