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Bayern Viele antisemitische Angriffe haben Bezug zum Holocaust

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München (dpa/lby) - Mehr als die Hälfte der dokumentierten antisemitischen Vorfälle in Bayern haben einen Bezug zum Holocaust. Das ergab eine Analyse der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Bayern, die am Mittwoch in München vorgestellt wurde. Beispiele sind Angriffe auf Gedenkorte ebenso wie Menschen, die bei Protesten gegen die Corona-Politik einen gelben Stern tragen und das Leid der Jüdinnen und Juden im Holocaust verharmlosen.

"Angriffe auf die Erinnerung sind wesentliche Voraussetzung für das Leugnen wie auch das Ausleben von Antisemitismus heute", sagt die Rias-Leiterin Annette Seidel-Arpaci. "Juden werden als diejenigen wahrgenommen, die allein durch ihre Existenz sowohl eine unbeschwerte deutsche Identität als auch die liebgewonnene Selbstversicherung als vorbildlich aufarbeitende Nation stören."

Die Experten sprechen von Post-Schoah-Antisemitismus. Rund 570 solcher Vorfälle registrierte Rias seit dem Start im Frühjahr 2019, darunter 3 Angriffe, 16 Bedrohungen, 35 gezielte Sachbeschädigungen und 183 Versammlungen. Bei knapp der Hälfte habe man den politischen Hintergrund nicht eindeutig erkennen können. 120 Fälle wurden dem verschwörungsideologischen Milieu zugerechnet, 107 Vorkommnisse dem rechtsextremen Spektrum und 40 Fälle antiisrealischem Aktivismus.

Bei der Holocaust-Überlebenden Eva Umlauf, die mit knapp zwei Jahren ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde, reißen derartige Vorfälle alte Wunden auf. Umso wichtiger sei ihr das Gedenken. "Wenn wir also für uns und unsere Kinder Gutes tun wollen, dann müssen wir Erinnern und Gedenken aufrechterhalten."

Nachlesen lässt sich das in der Broschüre "Multidirektionale Angriffe auf die Erinnerung". In einem Exkurs geht es unter anderem um antisemitische Verschwörungserzählungen im Zusammenhang mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Behauptet werde etwa, Russland gehe gegen globale Eliten vor, die im Hintergrund die Fäden zögen.

Quelle: dpa

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