Regionalnachrichten

Berlin & Brandenburg 1. Mai in Kreuzberg: Keine Party mehr im Görlitzer Park

Zahlreiche Besucher feiern beim Kreuzberger Maifest

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Wie schützt man einen Kreuzberger Park vor der Verwüstung durch feiernde Besucher? Am 1. Mai ist das eine echte Herausforderung. Letztes Jahr versuchte es der Bezirk mit einer selbstorganisierten Party. Klappte nicht ganz. Dieses Jahr gibt es eine neue Idee.

Berlin (dpa/bb) - Bei dem großen Straßenfest am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg soll der Görlitzer Park in diesem Jahr frei von Partys bleiben. Musik, Grills und Verkaufsstände seien an dem Tag verboten, teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Donnerstag mit. So sollen die Grünanlage und die Anwohner vor den spontanen Partys Tausender junger Menschen geschützt werden. Stattdessen solle der Park ein "Ort der Entspannung für alle Kreuzberger und Gäste" sein. Das Motto lautet: "Ein ganz normaler Tag im Park".

Das während des Straßenfestes geltende Verbot für Glasflaschen soll an den Eingängen zum Park kontrolliert werden. Die Parkbesucher werden also voraussichtlich auf Alkohol in Plastikflaschen und die nicht legalen Drogen, die auch sonst im Park geraucht und verkauft werden, zurückgreifen.

Indirekt gibt das Bezirksamt damit auch zu, dass das Konzept vom vergangenen Jahr gescheitert ist. Nach einigen Jahren mit spontanen Partys hatte der Bezirk 2018 selbst Bühnen und Bier-Verkaufsstände unter dem Namen "MaiGörli" organisiert und genehmigt. Prompt war der Park in Teilen überfüllt, die Toiletten reichten nicht aus, der Müll türmte sich auf. Nun wurde ein Teil der Anwohner zu ihrer Meinung befragt, teilte der Bezirk mit: "Die Befragten positionierten sich klar gegen eine Fortsetzung des MaiGörli."

Das sogenannte "MyFest", das ursprünglich nur als Maßnahme gegen die Ausschreitungen nach der linksradikalen Demonstration gedacht war, entwickelte sich in den vergangenen 15 Jahren von einem Stadtteilfest zu einem Anziehungspunkt für Zehntausende trinkfreudiger junger Menschen. Das von den Grünen geführte Bezirksamt versuchte bisher vergeblich, das Partygeschehen zu reduzieren.

Die Verbote von Glasflaschen und Dosen, wildem Alkoholverkauf und nicht genehmigten Straßenpartys in einer festgelegten Zone will das Bezirksamt in diesem Jahr "intensiv" kontrollieren. Vor den Kneipen seien Musikanlagen und draußen stehende Zapfanlagen nicht erlaubt, hieß es. Getränke dürfen nur Plastik- oder Pappbechern verkauft werden.

Alle üblichen Geschäfte müssten wegen des Feiertags geschlossen bleiben, hieß es. Das gelte ausdrücklich auch für sogenannte Spätis, die kleinen Läden mit Zigaretten, Bier und Lebensmitteln, so der Bezirk. "Sie unterliegen dem Berliner Ladenöffnungsgesetz, wonach Einzelhandelsbetriebe an Sonn- und Feiertagen, also auch am 1. Mai, nicht öffnen dürfen."

Ob sich die traditionellen linken Demonstrationen am Nachmittag und Abend vor allem in Kreuzberg oder Friedrichshain abspielen werden, könnte lange offen bleiben. Zwar wird auf Plakaten zum "Revolutionären 1. Mai 2019" am Wismarplatz in Friedrichshain (18.00 Uhr) aufgerufen. Das Motto lautet: "Gegen die Stadt der Reichen". Und inzwischen gibt es bei der Polizei auch eine Anmeldung für eine Demonstration, die am Nachmittag (16.00 Uhr) mit 200 Teilnehmern vom Schlesischen Tor zum Wismarplatz ziehen will.

Die Polizei rechnet aber auch mit anderen Orten für Versammlungen oder Aufmärsche. In den beiden vergangenen Jahren wurde die große linksradikale Demonstration am Abend nicht mehr offiziell angemeldet. Der Abend des 1. Mai verlief im vergangenen Jahr in Kreuzberg so wenig gewalttätig wie lange nicht. Die linksautonome Demonstration mit Tausenden Teilnehmern endete noch im Hellen ohne die sonst üblichen Ausschreitungen.

Mitteilung

Newsticker