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Berlin & Brandenburg Brandenburg sieht sich für Waldbrände vorbereitet

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter. Foto: Ralf Hirschberger/Archivbild

(Foto: Ralf Hirschberger/zb/dpa)

Der große Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog ist eingedämmt, die Brandenburger Landesregierung schätzt die Lage im Land aber als ernst ein. Die Opposition hält mehr Vorsorge für notwendig. Was plant die Regierung?

Potsdam (dpa/bb) - Nach dem gelöschten Großbrand bei Jüterbog sieht sich die rote-rote Regierung in Brandenburg gut auf die nächsten Waldbrände vorbereitet. Die CDU-Opposition warf der Landesregierung am Donnerstag im Landtag dagegen vor, zu wenig Vorsorge zu betreiben. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dringt bei der Bundesregierung auf weitere Unterstützung durch Löschhubschrauber im Kampf gegen Waldbrände. Die Debatte war rund zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl auch ein Schlagabtausch zwischen Woidke und CDU-Landes- und Fraktionschef Senftleben.

"Ich habe Frau Bundeskanzlerin gebeten, bei der Beschaffung von Hubschraubern auch auf die Katastrophenschutz-Einsatzfähigkeit zu achten", sagte Woidke im Landesparlament in Potsdam. "Momentan läuft die Beschaffung neuer Hubschrauber für die Bundeswehr." In einem Schreiben Woidkes an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) heißt es, Brandenburg gehöre nicht nur zu den besonders gefährdeten Gebieten für Waldbrände, sondern sei auch von vielen Waldflächen mit Kampfmittelverdacht betroffen.

Er begrüße die enge Zusammenarbeit mit Kräften wie der Bundeswehr, schrieb Woidke. Bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) seien sich beide einig gewesen, dass es für den Katastrophenschutz zielführend sei, in die Ausschreibung für militärische Transporthubschrauber die notwendigen Anforderungen zur Waldbrandbekämpfung einzubeziehen. Das Schreiben, das auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ging außer an von der Leyen auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die "Märkische Allgemeine" aus Potsdam hatte darüber berichtet.

CDU-Oppositionschef Ingo Senftleben geht die Vorsorge nicht weit genug. "Wir glauben, dass die Regierung zwar etwas vorgelegt hat, aber es reicht eben nicht", sagte Senftleben. Er forderte unter anderem eine persönliche Schutzausrüstung für alle Feuerwehrleute, mehr hauptamtliche Kräfte, gemeinsames Entfernen von Munition aus dem Boden, die Ansiedlung einer europäischen Flugzeugstaffel in Brandenburg und einen stärkeren Umbau des vor allem von Kiefern geprägten Waldes mit mehr Laubbäumen. Der Grünen-Abgeordnete Benjamin Raschke sagte, der für September geplante Waldbrandschutzplan komme dann zu spät. Nach Ansicht des AfD-Abgeordneten Thomas Jung fehlen Löschwasser-Rückhaltebecken.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) wies den Vorwurf fehlender Vorbereitung zurück. "Auch im laufenden Jahr zeichnet sich wieder eine ernsthafte Lage ab", sagte Schröter und betonte: "Unsere Feuerwehrfrauen und -männer sind gut vorbereitet, das Land ist gut vorbereitet." Das Land habe auf die über 500 Brände im vergangenen Jahr reagiert. Die Vorsorge sei verbessert worden mit mehr Fördermöglichkeiten etwa für Brunnen, Schneisen und besser befahrbare Waldwege. Es gebe breite Schneisen und mehr Löschbrunnen. Er habe aber auch festgestellt, dass noch Hochleistungspumpen fehlten. In diesem Jahr wurden laut Schröter bereits mehr als 180 Waldbrände gezählt.

Beim größten Waldbrand in Brandenburg in den vergangenen Jahrzehnten standen auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog vor einigen Tagen zeitweise 744 Hektar in Flammen. Das entspricht einer Fläche von mehr als 1000 Fußballfeldern. Die Regierung hatte nach den großen Waldbränden 2018 einen Zehn-Punkte-Plan aufgelegt, nicht alle Punkte sind komplett umgesetzt.

Kein Bundesland gibt nach Angaben des Innenministers so viel Geld für die Räumung von Kampfmitteln aus wie Brandenburg. Mit Blick auf die Frage, warum das Land nicht mehr gegen Munition im Wald tue, sagte Schröter, Städte wie Potsdam, Brandenburg an der Havel und Oranienburg hätten unter Bomben der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg noch immer schwer zu tragen.

Die Länder-Innenminister fordern, dass der Bund seine Kapazitäten für die Feuerbekämpfung aus der Luft von Bundeswehr und Bundespolizei überprüft. Das geht aus einer Beschlussvorlage zur laufenden Innenministerkonferenz in Kiel hervor.

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