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Berlin & Brandenburg Feuerwehrbericht 2020: Erstmals seit 2009 weniger Einsätze

Feuerwehrautos stehen in einer Straße in Friedrichshain. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild

(Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild)

Die Berliner Feuerwehr musste 2020 zum ersten Mal seit 2009 zu weniger Einsätzen ausrücken. Welche Rolle spielte dabei die Corona-Krise?

Berlin (dpa/bb) - Weniger Einsätze, weniger Übergriffe, mehr Brände: Die Corona-Pandemie hat sich nach Einschätzung von Innensenator Andreas Geisel (SPD) auch auf die Berliner Feuerwehr ausgewirkt. Zum ersten Mal seit 2009 ging im vergangenen Jahr die Zahl der Einsätze leicht zurück. "Wenn Sportvereine nicht trainieren können, gibt es weniger Sportunfälle. Und wenn weniger Besucherinnen und Besucher in unserer Stadt sind, verletzen sich weniger Menschen", sagte Geisel auf der Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2020 am Donnerstag. Das bilde sich in den Einsatzzahlen ab. "Wir dürfen also nicht davon ausgehen, dass wir eine Trendwende hätten", sagte Geisel weiter. 

Laut der neuen Bilanz lag die Gesamtzahl von Krankenwagenfahrten, Rettungseinsätzen, technischen Hilfeleistungen und Brandlöschungen im vergangenen Jahr bei 470 238. Das waren rund 8000 (1,6 Prozent) Einsätze weniger als 2019. Meistens ging es um Notfalleinsätze (355 177). Es gab auch rund 15 000 Transporte von an Covid-19 Erkrankten oder Corona-Verdachtsfällen. Im Durchschnitt bewältigte die Feuerwehr 1288 Einsätze am Tag, vor allem mit ihren Kranken- und Rettungswagen.

Nur bei einem Bruchteil der Alarmierungen ging es um das Löschen von Bränden - dennoch stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr laut Geisel um 27 Prozent. Gab es 2019 noch 6688, waren es im vergangenen Jahr 8493 Einsätze. Diese Entwicklung führte Geisel ebenfalls auf die Pandemie zurück: Es habe sich gezeigt, dass, wenn mehr Menschen in den eigenen vier Wänden bleiben, die Zahl der Brandereignisse steigt. "Die Menschen haben ordentlich zu Hause gekocht", sagte der SPD-Politiker.

In der neuen Bilanz liegt wieder besonderes Augenmerk auf dem Thema Angriffe oder Übergriffe auf Sanitäter, Notärzte oder Feuerwehrleute. Im Vergleich zum Jahr davor sank die Zahl von registrierten Angriffen auf 117 (2019: 211). In der Hälfte der Fälle gingen die Aggressionen von den Patienten aus. Landesbranddirektor Karsten Homrighausen bezeichnete die Angriffe auf Rettungskräfte als ein "völliges No Go". Zwar sei die Zahl gesunken. "Aber es sind immer noch 117 Fälle zu viel", sagte er. Es gebe auch ein Dunkelfeld von nicht gemeldeten Vorfällen.

Die Zahl der bei Übergriffen verletzten Einsatzkräfte sank nach Angaben von Innensenator Andreas Geisel von 35 auf 12. Als einen Grund für den Rückgang nannte er, dass Silvester 2020 nicht die Auswüchse hatte wie in den Vorjahren. Geisel kündigte an, das Thema weiterhin intensiv zu beobachten. Um die Einsatzkräfte besser zu schützen, sollen diese mit Bodycams - kleinen Kameras an der Kleidung - ausgestattet werden. Als Teil eines Pilotprojekts sollen 30 der Kameras Ende Juli zum Einsatz kommen, sagte Geisel nach der Pressekonferenz.

Nahe dem besetzten Haus "Rigaer 94" in Berlin-Friedrichshain wurden Feuerwehrleute und Polizisten in der Nacht zu Donnerstag mit Steinwürfen massiv angegriffen. Verletzt wurde niemand. Mehrere Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr wurden beschädigt. Nach dem Einsatz fand die Polizei mehr als 50 Pflastersteine auf der Straße.

© dpa-infocom, dpa:210610-99-937081/4

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