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Berlin & Brandenburg GEW fordert mehr Lehrkräfte an Schulen: Bedarf dramatisch

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild)

Mehr Schüler, Corona-Pandemie, Personalmangel: Die Herausforderungen für Brandenburger Lehrkräfte steigen. Die Gewerkschaft fordert eine Aufstockung des Personals. Der Pädagogenverband sieht noch ein anderes Problem.

Potsdam/Cottbus (dpa/bb) - Die Schulen in Brandenburg brauchen nach Angaben der Gewerkschaft GEW mehr Lehrkräfte. "Die Bedarfssituation ist dramatisch", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Das Bildungsministerium gehe derzeit von einem Bedarf an 1200 zusätzlichen Lehrkräften aus - er rechne aber mit bis zu 1800 benötigten Lehrerinnen und Lehrern bis 2025, sagte Fuchs.

Er begründet den Bedarf mit volleren Klassen - die Zahl der schulpflichtigen Kinder steige. Überdies würden zusätzlich ukrainische Kinder und Jugendliche in die Schulen integriert. Zudem werde eine größere Vertretungsreserve gebraucht. Modellrechnungen zur Einstellung von Lehrkräften müssten deshalb angepasst werden. "Wir brauchen deutlich mehr Lehrkräfte, die wir einstellen müssen."

Zwischen 500 und 600 Stellen sind nach Angaben des GEW-Landesvorsitzenden für das kommenden Schuljahr noch nicht besetzt. Das habe ein Blitzumfrage der Lehrergewerkschaft unter den Personalräten ergeben.

Mit Sorge blickt Fuchs auf die Belastung der Lehrkräfte, auch durch die Monate der Corona-Pandemie. "Die laufen auf dem Zahnfleisch", beschreibt er ihre Lage. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, die Schulen müssten als sichere Orte für den kommenden Herbst vorbereitet werden. "Wir wollen, dass die Schulen offen bleiben", betonte er. Dazu würden eine Teststrategie und auch Impfangebote gebraucht, um nicht wieder in Hektik zu verfallen.

Der GEW-Landeschef geht für das kommende Schuljahr von vielen Seiteneinsteigern aus. Diese müssten berufliche Perspektiven bekommen. "Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir ein gemeinsames Interesse haben müssen, mehr junge Menschen zu begeistern für die Arbeit in den Schulen", sagte Fuchs. Ein erster Mosaikstein seien Pläne des Landes, Seiteneinsteigern mit Bachelor-Abschluss die Möglichkeit für eine Beamtenlaufbahn zu ermöglichen. Das sei ein wichtiges Signal.

Laut Bildungsministerium sollen zu Beginn des Schuljahres 2023/24 die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Seiteneinsteiger sollen durch ein Mentoring-Programm in den Schulen unterstützt werden. Der Landtag muss noch zustimmen.

Diese Pläne sieht der Brandenburger Pädagogenverband kritisch. Präsident Hartmut Stäker sprach von einer "Beamtenlaufbahn light", in der man sich Seiteneinsteiger aus den eigenen Reihen hole. Er befürchtet, dass Studierende auf Lehramt ihr Studium früher beenden.

Ein großes Problem sei zudem, dass durch den Wiedereinstieg Berlins in die Verbeamtung von Lehrern massiv Lehrkräfte abgeworben werden, berichtete Stäker der dpa. Er merke das an Anrufen von Kolleginnen und Kollegen. Das sieht der GEW-Landesvorsitzende Fuchs ähnlich. Die Situation sei sehr angespannt - auch, weil man sich in Konkurrenz zu anderen Bundesländern wie Berlin befinde.

Fuchs wies darauf hin, dass auch zahlreiche Lehrkräfte mit Seiteneinstieg ohne Hochschulabschluss an Schulen tätig sind. Auch für sie müsse es eine Chance für eine Aufwertung geben. Das seien aber mittelfristige Lösungen, um eine Entspannung der Lage an den Schulen herbeizuführen. "Jetzt werden akute Lösungen gebraucht."

Dazu gehöre ein funktionierendes Assistenzsystem an den Schulen zur Entlastung der Lehrkräfte. Zudem müssten für eine erfolgreiche Integration von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen mehr Kräfte eingestellt werden, darunter Schulpsychologen.

Quelle: dpa

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