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Berlin & Brandenburg Gewerkschaft: Zum Schulstart mehr Tests und mehr Personal

Ein Arzt hält einen Tupfer mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Am Montag soll es in Brandenburg wieder mit weitgehend regulärem Schulunterricht losgehen. Doch vieles ist wegen der Corona-Pandemie anders. Die Gewerkschaft GEW sieht gleich mehrere Risiken vor dem Start.

Potsdam (dpa/bb) - Die Schulen in Brandenburg müssen nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit mehr Tests und mehr Personal besser auf den Start in Corona-Zeiten vorbereitet werden. "Wir werden relativ schnell merken, dass im Oktober/November, wenn die Grippewelle in die Schulen zusätzlich kommt, wir vor Fragen stehen werden, wie wir den Schulbetrieb aufrechterhalten", sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs am Freitag in Potsdam. "Es geht um die Sicherung der Grundversorgung."

Am Montag sollen die Schulen nach den Sommerferien in den regulären Betrieb starten - allerdings mit Maskenpflicht in Fluren, Treppenhäusern und Mensen. Trotz der Rekordzahl von 1544 unbefristet neu eingestellten Lehrkräften für das neue Schuljahr zeigte sich der Gewerkschaftschef mit Blick auf die Personallage skeptisch. Wenn viele Lehrer mit höherem Erkrankungsrisiko ausfielen, sei der Präsenzunterricht "nicht mehr zu gewährleisten", warnte Fuchs. Außerdem sei der Anteil der Seiteneinsteiger hoch - unter den über 1500 Einstellungen sei es mit 500 etwa ein Drittel.

Der GEW-Landeschef bekräftigte seine Forderung nach mehr Corona-Tests an Schulen. "Die Teststrategie des Landes muss hochgefahren werden", sagte Fuchs. "Die systematischen Stichproben müssen ausgeweitet werden." Alle Beschäftigten in Schulen und Kitas können sich 14-tägig für drei Monate kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Für Kita-Kinder und Schüler ist eine einmalige Stichprobe bei bis zu einem Prozent der Kinder und Jugendlichen vorgesehen.

Die CDU-Landtagsfraktion verwies auf die Neueinstellungen. "Ich verstehe natürlich die Sorgen bei Lehrern und Eltern", sagte ihr bildungspolitischer Sprecher Gordon Hoffmann. "Es ist aber ein sehr gutes Zeichen, dass wir die Lehrerstellen besetzen konnten und endlich wieder mit dem Unterricht für alle Schüler starten."

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) rechnet mit einer breiten Akzeptanz des Mund-Nasen-Schutzes, der bis zur neuen Verordnung zunächst freiwillig ist. "Die Maskenpflicht gilt ja auch in Bussen und Supermärkten", sagte sie im RBB-Inforadio. "Insofern glauben wir, dass das gut funktioniert." Es sei Aufgabe der Lehrer, das zu kontrollieren. "Wir werden aber natürlich nicht mit Bußgeldern Verstöße ahnden können." In Berlin hingegen könnte Maskenverweigerern nach Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein Bußgeld drohen.

Ernst verteidigte die Entscheidung, den regulären Betrieb ohne das Gebot des Mindestabstands für Schüler wiederaufzunehmen. Es gehe darum, "den Bildungserfolg der Kinder nicht dauerhaft zu gefährden". Wichtig sei dabei neben dem Mund-Nasen-Schutz die Einhaltung von Hygieneregeln wie Händewaschen und regelmäßiges Lüften der Räume.

Die Brandenburger AfD lehnt eine Maskenpflicht in Schulen strikt ab. Damit werde nicht nur die Gesundheit, sondern auch die seelische Unversehrtheit der Kinder gefährdet, meinte Vize-Landeschef Daniel Freiherr von Lützow. "Durch die Maske können die Kinder kaum reden, einige kaum atmen", erklärte von Lützow. "So entsteht kein Gemeinschaftsgefühl mehr, auf lange Sicht werden die Kinder vereinsamen."

Als Sportministerin verwies Ernst im "Uckermark-Kurier" (Freitag) darauf, dass der Besuch von Fußballspielen in den meisten Fällen wieder möglich sei. "Da ist es in diesem Fall ausnahmsweise mal ein Glück, dass wir in Brandenburg keine großen Bundesligaklubs haben", sagte die SPD-Politikerin der Zeitung.

Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen seien erlaubt, wenn die Abstandsregel eingehalten werde. Somit sollte der Besuch von Spielen in den unteren Ligen möglich sein. "Die Grenze wäre erst erreicht, wenn mehr als 1000 Besucher kämen, also etwa bei Turbine Potsdam, Energie Cottbus oder Babelsberg 03."

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