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Berlin & Brandenburg Häufung von Infizierten: Klinikum schließt für Neuaufnahmen

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Foto: Christophe Gateau/dpa

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in seinem Klinikum greift das größte Krankenhaus Potsdams zu drastischen Maßnahmen. Neue Patienten werden nicht mehr aufgenommen - nur noch akute Notfälle.

Potsdam (dpa/bb) - Das größte Potsdamer Krankenhaus schließt wegen einer Häufung von Corona-Infizierten seine Türen für neue Patienten. Das teilten die medizinische Geschäftsführerin des Ernst von Bergmann-Klinikums, Dorothea Fischer, und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwoch mit. Das bedeute, dass das Klinikum bei einem medizinischen Notfall von den Rettungswagen nicht mehr angefahren werde.

Die Maßnahme sei notwendig geworden, erklärte Amtsärztin Kristina Böhm, um Personal und Klientel vor nicht kalkulierbaren Risiken zu schützen. Zudem wolle man Ruhe in das Klinikum hineinbekommen, um Strukturen und Prozesse überprüfen und neu justieren zu können. Die stationäre Versorgung von Patienten sei durch andere umliegende Krankenhäuser abgesichert, mit denen man in der Krise eng zusammenarbeite, betonten Fischer und Schubert. Dafür stünden Betten zur Verfügung.

Momentan werden nach Angaben des Klinikums nur noch unabweisbare Notfälle wie ein akuter Herzinfarkt und Frauen, die ein Kind bekommen, in die Klinik aufgenommen. Sie ist laut Stadt nicht geschlossen.

Das Robert Koch-Institut, das eingeschaltet wurde, solle am Freitag gemeinsam mit der Stadt die Lage neu bewerten, sagte die Amtsärztin. Wie lange die Maßnahmen gelten, sei unklar. Wenn nötig, würde nachgeschärft. "Wir wissen, dass Covid-19 verdammt schnell ist und auch ohne Symptome weiterverbreitet werden kann", betonte Böhm. Die Hoffnung sei, mit dem RKI eine wissenschaftliche und klinische Basis zu bekommen, um den Klinikbetrieb weiter fahren zu können.

In der Nacht zum Samstag war es nach Angaben des Klinikums zu einer auffälligen Anzahl positiver Tests auf das Coronavirus gekommen. Daraufhin sollten alle stationären Patienten getestet werden. Von 530 Patienten am Samstag seien 33 weitere positiv getestet worden, sagte die medizinische Geschäftsführerin Dorothea Fischer. Danach habe sich das Klinikum entschlossen, alle Patienten zu testen, um ganz klar separieren zu können. Zusätzlich zu den positiv getesteten Patienten seien 17 weitere entdeckt worden. Sie seien in ein spezielles Corona-Krankenhaus gekommen. Viele Patienten hätten aber keine Symptome gehabt.

Insgesamt werden nach Angaben des Klinikums derzeit 61 Covid-19- Patienten versorgt, davon befinden sich elf auf der Intensivstation. Sieben Corona-Tote zählte das Bergmann-Klinikum bisher. Es sei unklar, woran sich die Verstorbenen infiziert hätten, sagte Fischer. Man könne nicht nachweisen, wer wen angesteckt habe.

Ein gestorbener Arzt, der in einer Londoner Klinik gearbeitet und sich dort infiziert hatte, befand sich nach Angaben des Klinikums nach seiner Ankunft in Potsdam in häuslicher Isolation. Er habe in keiner Einrichtung der Landeshauptstadt gearbeitet. Der Krisenstab des Landes sei über den Fall informiert. Die Bundespolizei prüft derzeit den noch unklaren Weg des Mediziners von London nach Potsdam. Zuerst hatten die "Bild"-Zeitung und die "BZ" über den Fall berichtet.

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