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Berlin & Brandenburg Hedwigskathedrale: Umbau verstößt nicht gegen Urheberrecht

Die St.-Hedwigs-Kathedrale ist für Bauarbeiten eingerüstet. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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Die Renovierung der Berliner Hedwigskathedrale hat längst begonnen. Kritiker versuchen aber immer noch, wenigstens Teile des Umbaus zu verhindern.

Berlin (dpa/bb) - Niederlage für die Gegner des Umbaus der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale: Die Neugestaltung des Kircheninnenraums verstößt nicht gegen das Urheberrecht ihres Architekten Hans Schwippert. Die katholische Kirche in Berlin habe das Recht, das Gotteshaus nach ihren Wünschen umzugestalten - und zur Not in Teilen auch zu zerstören, entschied am Dienstag das Berliner Landgericht. Es wies damit eine Klage gegen Veränderungen in der katholischen Hauptkirche Berlins ab.

Das Urheberrecht etwa des Architekten und der an dem Bau beteiligten Künstler könne nicht als Argument gegen eine Veränderung angeführt werden, sagte Richter Claas Schaber. Bereits der Bundesgerichtshof habe in zwei Fällen entschieden, dass bei einem Kunstwerk die Interessen des Eigentümers den Vorrang hätten. Zur Not könne dann ein Kunstwerk auch zerstört werden.

Geklagt hatten Rechtsnachfolger der an dem Bau beteiligten Künstler und des Architekten Hans Schwippert. Berliner Katholiken und Denkmalschützer wenden sich vor allem gegen den Plan, den Zugang zur Unterkirche im Zentrum des Innenraumes zu schließen. Dabei soll der Altar ins Zentrum der Rundkirche rücken.

Kritiker argumentieren, mit den baulichen Reformen werde ein wichtiges Zeugnis des kirchlichen Lebens in der DDR zerstört. Die Rundkirche sei ein Zeugnis der liturgischen Erneuerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Schwippert, der unter anderen auch den Bonner Bundestag umgebaut hatte, habe ein einzigartiges Denkmal der Zusammengehörigkeit in der Zeit der Teilung geschaffen.

Er sei von dem Urteil sehr enttäuscht, sagte Schwipperts Neffe und Testamentsvollstrecker Horst Peter. Die Entscheidung berücksichtige nicht den religiösen und kulturellen Stellenwert der Kathedrale.

Der Umbau war von dem früheren Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki beschlossen worden. Sein Nachfolger Heiner Koch hatte nach öffentlichen Diskussionen entschieden, die Umgestaltung und die dringende Sanierung in Angriff zu nehmen. Der für den Denkmalschutz zuständige Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte keine Einwände geäußert. Die Kirche führe liturgische Gründe für den Umbau an, gegen die der Staat sich zurückhalten müsse.

Die Arbeiten sollen bis 2023 andauern, die Kathedrale ist seit September 2018 geschlossen. Schwippert (1899-1973) hatte die Kirche nach der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg mit Künstlern aus Ost- und Westdeutschland wiedererrichtet.

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