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Berlin & Brandenburg Intensivbetten werden knapp: Verlegungen von Covid-Patienten

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Illustration

(Foto: Fabian Strauch/dpa/Illustration)

Die Brandenburger Kliniken müssen immer mehr Covid-Patienten behandeln. Die Intensivbetten auch für andere Erkrankungen werden knapp. Personal fehlt, auch wegen der vielen jüngeren Patienten.

Potsdam (dpa/bb) - Die Corona-Situation in Brandenburgs Krankenhäusern spitzt sich weiter zu. "Wir haben nur noch sehr wenige freie Intensivbetten", sagte der Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium, Michael Zaske, am Donnerstag im RBB-Inforadio. "Die Situation ist tatsächlich sehr angespannt und wird in den nächsten Tagen und Wochen sich noch zuspitzen." Immer mehr Patientinnen und Patienten müssten in andere Bundesländer verlegt werden, aber auch dort sei das Ende der Kapazitäten absehbar.

Nach der Empfehlung der ständigen Impfkommission zur Corona-Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern sagte Detlef Reichel, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinderärzte/Jugendmedizin, das gebe den Kinderärztinnen und Kinderärzten sowie auch den Eltern Sicherheit. Leider sei die Impfstoffmenge zunächst streng kontingentiert. Man wisse nicht, was in der kommenden Woche wirklich in den Praxen ankomme. "Bitte haben Sie daher Verständnis, dass es jetzt nur sehr begrenzt offene Impfangebote in den Kinderarztpraxen geben wird", betonte er. Bei vielen Eltern seien hohe Erwartungen geweckt, die jetzt vielfach enttäuscht werden müssten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Peter Noack.

Der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft zeichnete zur allgemeinen Lage ein ähnliches Bild wie Ministeriumssprecher Zaske. "Es ist davon auszugehen, dass sich der Druck auf die Krankenhäuser infolge der Zunahme von Covid-Patienten mindestens noch die nächsten zwei bis drei Wochen weiter erhöhen wird", sagte Michael Jacob der dpa am Donnerstag. Die Intensivpatienten von in zwei Wochen seien bereits heute infiziert, erklärte er.

Stand Freitag vergangener Woche sind nach Zaskes Angaben in Brandenburg 693 Covid-19-Patientinnen und -Patienten eingeliefert worden, Stand Mittwoch waren es schon 810. "Wir müssen mit dieser Steigerung weiter rechnen", erklärte er. Zudem gebe es einen "hohen Belegungsdruck" durch Nicht-Covid-Patienten, etwa wegen Unfällen. Die Verantwortlichen müssten darauf achten, dass Intensivbetten beispielsweise auch für Menschen mit Schlaganfällen, Herzinfarkten und Unfallverletzungen zur Verfügung stünden. Nicht zwingend lebensnotwendige Eingriffe würden in größerem Umfang verschoben.

Bei deutlicher Zunahme von Covid-Patienten gebe es gleichzeitig eine hohe Nachfrage bei "normalen" intensivpflichtigen Erkrankungen und Unfällen, berichtete auch Jacob. Er benannte noch ein anders Problem: Die Personalknappheit sei in der vierten Welle größer. Das liege unter anderem daran, dass mehr Kinder mit dem Coronavirus infiziert seien und damit der Betreuungsdruck auf die in der Pflege tätigen Eltern höher sei. Auch der Anteil der jüngeren Covid-19-Patienten sei höher, sie belegten häufig ein Intensivbett länger, schätzte er ein.

An Brandenburger Schulen sind aktuell fast 6000 Schüler erfasst, die sich mit Covid-19 infiziert haben - ein Anteil von 1,99 Prozent der gesamten Schülerzahl (Stand: 2.12.). Darüber informierte die Kultusministerkonferenz am Donnerstag.

Eine sogenannte Triage ist nach Aussage von Zaske noch nicht notwendig. Damit ist gemeint, dass ausgewählt wird, wer Zugang zu intensivmedizinischer Behandlung bekommt und ob ein Patient mit schlechter Prognose sein Bett räumen muss für einen Erkrankten, dem bessere Chancen eingeräumt werden. Man versuche, bundesweit alle Möglichkeiten auszuschöpfen, eine Triage zu verhindern, sagte er.

Unterdessen steigt nach Angaben des Ministeriums die Zahl der Verlegungsfahrten. 16 Intensivpatienten seien in den letzten Tagen in andere Bundesländer verlegt worden, 13 davon nach Berlin, sagte Zaske im Inforadio. Erstmals würden nun auch drei Patienten nach Nordrhein-Westfalen verlegt. Leichtere Fälle würden in Reha-Krankenhäuser gebracht, die zu Ersatzkrankenhäusern bestimmt seien. Dafür stünden bislang sechs Reha-Kliniken mit 143 Betten zur Verfügung.

Die Sieben-Tage-Inzidenz sank im Vergleich zu Mittwoch landesweit von 635,1 auf 601,8. Innerhalb eines Tages kamen 2636 neue Coronainfektionen hinzu, nach 3435 am Mittwoch. Im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung starben 13 Menschen.

Die Corona-Pandemie hat auch in Brandenburg zu einer Übersterblichkeit geführt. Zwischen März 2020 und Februar dieses Jahres starben 36 168 Menschen. Das waren 3905 (12,1 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Angesichts der angespannten Corona-Lage öffnen in immer mehr Landkreisen und Städten neue Impfstellen. An diesem Freitag wird in Potsdam mit der Metropolishalle ein weiteres Impfzentrum in Betrieb gehen. Im Landkreis Prignitz öffnen in der kommenden Woche neun Kirchen ihre Türen für Impfaktionen, wie die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mitteilte. "Kirchen sind von jeher Schutzräume, in denen Menschen Hilfe für Leib und Seele erfahren können und dürfen", sagte die Superintendentin des Kirchenkreises Prignitz, Eva-Maria Menard.

Bislang sind im Brandenburg 89 Impfstellen eingerichtet. Neben den impfenden Praxen gibt es mit Stand Donnerstag 74 kommunale Impfstellen, davon 6 überregionale, sowie 15 Kliniken, die ebenfalls impfen.

© dpa-infocom, dpa:211209-99-318899/5

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