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Berlin & Brandenburg Konfetti und nackte Haut: Mehr als 100 000 Feiernde beim CSD

Teilnehmer der CSD-Parade in Berlin. Foto: Paul Zinken

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Erst kam die Mikrofonpanne, dann der Konfettiregen. Mit einem Meer aus Regenbogenflaggen ist am Samstag der 41. Christopher Street Day gestartet. Am Nachmittag waren es rund 150 000 Teilnehmer, insgesamt werden 600 000 erwartet.

Berlin (dpa/bb) - Konfetti, nackte Haut in der Sonne und überall Regenbogenfahnen: Zehntausende Feiernde sind am Samstag auf der 41. Parade des Christopher Street Day durch Berlin gezogen. Mit einer Mikrofonpanne und rund 20 Minuten Verspätung startete sie am Mittag am Kurfürstendamm. Ziel ist das Brandenburger Tor. Aber auch weit weg von der Paradestrecke waren vielerorts Regenbogenfahnen gehisst.

Schon gegen 16 Uhr zählten die Veranstalter im ersten Drittel der Parade rund 100 000 Teilnehmer - so viele, wie im vergangenen Jahr insgesamt mitliefen. Insgesamt erwarten sie diesmal 600 000 Besucher. Beim ersten Berliner CSD im Juni 1979 waren es nur 450. Riesige bunte farbige Federn, Lack und Leder - manchmal nur minimalst den Körper bedeckend -, auffällige Perücken, Federboas, atemberaubende High-Heels: Viele Teilnehmer hatten sich auffällig und oft schrill gekleidet.

Das Motto lautet in diesem Jahr "Stonewall 50 - Every riot starts with your voice" (deutsch: "Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme"). Damit sollen insbesondere die frühen Aktivisten der LGBTI-Bewegung gewürdigt werden. LGBTI ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und intersexuell. Mit Plakaten wie "Kein Sex mit Nazis" und "Zur Hölle mit dem Patriarchat" setzen Teilnehmer aus aller Welt ein Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Ausgrenzung.

Kurz bevor sich der Tross mit rund 100 Wagen in Bewegung setzte kamen noch einige Aktivisten der LGBTI-Bewegung zu Wort: "Stell dir vor du bist eine Frau und keiner glaubt es dir. Stell dir vor du bist ein Mann, aber erst ein Richter muss dir das bescheinigen", sagte Anastasia Biefang vom Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr e.V. bei der Eröffnung. Biefang wurde bekannt als erste transsexuelle Befehlshaberin der Bundeswehr.

Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) feierte auf einem CSD-Wagen mit - mit schwarzer Sonnenbrille und schlichtem weißem Shirt. Auch die Gesandte der US-Botschaft in Berlin, Robin S. Quinville, zeigte sich auf der bunten Parade. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) schrieb per Twitter: "Auch 50 Jahre nach Stonewall ist noch so viel zu tun, damit alle LSBTTIQ frei und gleichberechtigt leben können. Wir werden nicht leiser!". Antje Kapek und Volker Beck von den Grünen twitterten ein Doppel-Selfie von sich auf dem CSD.

Damit die Parade nicht im Müll versinkt, sammeln 130 Mitarbeiter und 60 Fahrzeuge der Berliner Stadtreinigung den ganzen Tag Abfall von den Straßen auf. Um die Sicherheit kümmern sich rund 800 Polizeibeamte, die an diesem Tag im Einsatz sind, wie eine Sprecherin mitteilte.

Trotz Erfolgen, wie der Abschaffung des "Schwulenparagraphen", der gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellte und der Einführung der Ehe für alle, werden Homosexuelle und Transgender noch immer Opfer feindseliger Angriffe. 225 Fälle, die sich auf sexuelle Orientierung bezogen, zählte die Berliner Polizei 2018, im Vorjahr waren es 171. Das Beratungsprojekt Maneo registrierte im vergangenen Jahr sogar 382 solcher Fälle, was einem Anstieg um ein Drittel binnen zwei Jahren entspräche, wie es in einer Mitteilung heißt.

Der Christopher Street Day erinnert jedes Jahr an Ereignisse vom 28. Juni 1969: Polizisten stürmten die New Yorker Schwulen- und Lesbenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten dadurch einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus.

CSD-Berlin

Twitter-Account Antje Kapek

Twitter-Account Klaus Lederer

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