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Berlin & Brandenburg Lernplattform statt Tafel: Unterricht in Corona-Zeiten

Ein Stuhl steht in einem Klassezimmer auf einem Tisch. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

(Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild)

Schrittweise läuft der Unterricht in den Schulen in den kommenden Wochen wieder an. Doch was muss verändert werden, damit Wissen auch von zu Hause aus auf hohem Niveau vermittelt werden kann?

Potsdam (dpa/bb) - Mit dem coronabedingten Heimunterricht ist die 16-jährige Schülerin Josefine Mroß bislang gut zurechtgekommen. "Das Lernen zu Hause ist zwar anstrengender als in der Schule, aber dafür kann man morgens länger schlafen", sagt die Zehntklässlerin, die die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Potsdam besucht. "Die Lehrer haben auf der Lernplattform unserer Schule alles ordentlich verlinkt, man hat alles, was man braucht."

Nach den Schulschließungen in Brandenburg am 18. März kann die Potsdamer Schülerin seit dem 27. April wöchentlich an zwei bis drei Tagen für einige Stunden wieder ihre Schule besuchen. Ab diesem Montag (25. Mai) nun soll jedes Kind mindestens an einem Tag pro Woche die Schule wieder von innen sehen.

Hartmut Stäker wäre froh, wenn der Unterricht an allen Schulen so gut funktionieren würde. "Leider zeigen sich in der Corona-Krise die Versäumnisse vieler Jahre", sagt der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands (BPV). "Es fehlt noch immer ein Medienkonzept, das unter anderem die Netzvoraussetzungen für jede Schule und Mindeststandards für die digitale Ausstattung jedes Schülers und jedes Lehrers festlegt."

Ähnlich sieht es auch der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. "Fehlende technische Voraussetzungen und nicht vorhandene Hardware sowie ein ungenügendes inhaltliches Konzept der Landesregierung haben die Grenzen des digitalen Lernens und Lehrens aufgezeigt."

Diese Form des Unterrichts nutzen zu können, setze voraus, "dass die Landesregierung ein belastbares Konzept, das die technischen Voraussetzungen und die fachlichen Fragen umfasst, mit allen Beteiligten erarbeitet und zügig umsetzt", betont Fuchs. "Wir brauchen einen Quantensprung vom Mittelalter in die digitale Gegenwart und Zukunft."

Auch nach Ansicht der Linke-Fraktionschefin im Landtag, Kathrin Dannenberg, zeigt die Corona-Krise "Riesendefizite" bei der Digitalisierung im Bildungsbereich. Dies habe auch die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage bestätigt.

"Zwar behauptet die Landesregierung, die Wissensvermittlung über internetbasierte Formen verlaufe positiv. Tatsächlich aber zeigt die Praxis, dass Lehrpersonal und Schüler überwiegend per Email und Telefon kommunizieren", sagt Dannenberg. Auch die Aussage, die Schulen seien "größtenteils an ein leistungsfähiges Internet angebunden", könne nicht mit Zahlen belegt werden.

Viele Lehrer habe das Home-Schooling "schlicht überfordert", hat Stäker beobachtet, da sie weder in der universitären Aus- noch in der Fortbildung auf die Arbeit mit digitalen Lehrmethoden vorbereitet worden seien. "Dabei dringen wir seit Jahren auf eine zügige Digitalisierung an den Schulen, auf eine ausreichende Breitbandversorgung und technisch geschultes Personal, das den Lehrern zur Seite steht."

Bereits vor zwei Jahren habe sein Verband multiprofessionelle Teams gefordert. "IT-Spezialisten an jeder Schule, nicht nur Lehrer mit ein paar Anrechnungsstunden, sind notwendig. Doch diese Fachkräfte sind heute Mangelware", sagt Stäker. Zwar gebe es bei den Schulträgern Experten, die Administratoren. Im Landkreis Dahme-Spreewald zum Beispiel gebe es drei IT-Fachleute. Doch die seien für hunderte Computer in der Kreisverwaltung und an Schulen zuständig. "Ganz dringend notwendig" seien auch Lehrer-Fortbildungen für digitales Lernen, sagt der BPV-Präsident. "Was bisher angeboten wird, reicht nicht aus."

Lob für die Lehrer kommt vom Landesschülerrat. "Da es kein einheitliches Konzept für den Unterricht unter Krisenbedingungen gab, haben sich viele Lehrer selbst etwas überlegt", sagt Vizesprecher Moritz Mosch. Dadurch falle der Unterricht "in Umfang und Qualität" jedoch sehr verschieden aus. Auch die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sei "manchmal ein großes Problem". Aus dem Bildungsministerium seien Informationen für die Lehrer teilweise ungenau und zu spät gekommen.

Josefine Mroß hat sich nach zehn Wochen häuslichen Lernens wieder auf den Schulbesuch gefreut. Zu Hause fehle ihr "die Struktur" des Unterrichts durch den Stundenplan. Defizite der Wissensvermittlung habe sie nicht bemerkt. "Unsere Sportlehrerin hat auf der Lernplattform sogar ein paar Videos für Übungen zu Hause verlinkt."

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