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Berlin & Brandenburg Mädchen in Potsdam entführt: Anklage fordert acht Jahre

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild

(Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild)

22 Stunden lang war ein Mädchen aus Potsdam verschwunden. Schnell gerät ein 59-Jähriger in den Fokus der Ermittler. Er soll das Kind entführt und missbraucht haben. Ein DNA-Gutachten liefert weitere Beweise zur Tat.

Potsdam (dpa/bb) - Im Prozess um die Entführung und den sexuellen Missbrauch eines kleinen Mädchens in der Nähe eines Potsdamer Möbelhauses hat die Staatsanwaltschaft acht Jahre Haft gefordert. Sie beantragte außerdem, den Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterzubringen, wie das Landgericht Potsdam am Mittwoch mitteilte. Die Verteidigung forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten sowie ebenfalls die Unterbringung. "Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gehen wegen der schweren Alkoholkrankheit von verminderter Schuldfähigkeit aus", teilte ein Gerichtssprecher mit.

Die Nebenklage hatte sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Der Familie des Mädchens ginge es nicht um ein besonders hohen Strafmaß, sondern vielmehr darum, dass das Verfahren fair ablaufe, sagte Rechtsanwältin Manuela Krahl-Röhnisch. "Für die Eltern ist es wichtig, dass der Angeklagte von der Straße kommt", sagte sie.

Dem 59-jährigen Deutschen wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, Freiheitsberaubung und Entziehung Minderjähriger vorgeworfen. Er soll das heute siebenjährige Mädchen am 25. Mai 2019 in der Nähe eines Potsdamer Möbelhauses entführt, mit in seine Wohnung genommen und dort sexuell missbraucht haben. Die Kleine war mit ihrer Familie zuvor in dem Möbelhaus einkaufen - dann verschwand sie. 22 Stunden später tauchte sie wieder auf, weinend und verletzt auf einem Gehweg nicht weit entfernt von der Wohnung des Angeklagten in Potsdam-Drewitz. Der 59-Jährige hatte die Tat im Prozess gestanden.

Nach Angaben des Gerichtes hatten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Prozess dafür ausgesprochen, dass der Angeklagte erst seine Strafe im Gefängnis absitzen und dann in eine Entziehungsanstalt kommen soll. Nach dem Gesetz kann das Gericht für Menschen mit Alkohol- oder einer anderen Drogensucht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anordnen. Die Maßnahme stellt keine Strafe, sondern eine Maßregel der Besserung des Angeklagten dar und dient auch dazu, die Allgemeinheit vor ihm zu schützen.

Im Gerichtssaal wurde ein 30-seitiges Gutachten verlesen. Darin ging es um die beim Angeklagten gefundenen DNA-Spuren des Kindes. Eigentlich sollte an diesem Tag bereits das Urteil gesprochen werden. Am Morgen setzte die Kammer dafür jedoch einen weiteren Termin am 1. April an. Zum Schutz des Kindes soll die Verkündung des Urteils weitestgehend ohne die Öffentlichkeit stattfinden.

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