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Berlin & Brandenburg Noch kein Beleg für mehr Suchtkranke wegen Corona: Risiko

Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen. Foto: Alexander Heinl/dpa

(Foto: Alexander Heinl/dpa)

Daddeln am Automaten geht seit Wochen nicht, Spielhallen haben wegen Corona zu. Doch im Internet steht alles weiter bereit - und in schweren Zeiten hat auch der Alkohol leichtes Spiel. Schwierig für Suchtgefährdete, da stark zu bleiben.

Potsdam (dpa/bb) - Für einen Anstieg der Suchterkrankungen aufgrund der Corona-Krise gibt es aus der Sicht der Brandenburger Landesstelle für Suchtfragen bisher zu wenige Belege. "Es ist aber bekannt, dass gerade Menschen, die Alkohol als Mittel nutzen um schwierige Situationen zu betäuben, besonders gefährdet sind, eine Suchterkrankung zu entwickeln", sagte die Geschäftsführerin der Landesstelle, Andrea Hardeling, auf Anfrage. Für Menschen, die mit Unterstützung von Selbsthilfegruppen seit langem abstinent leben, bringe die Zeit besondere Herausforderungen. Denn es fehle die gewohnte Unterstützung.

Die schwierige Situation wegen Corona verursachte bei vielen Menschen Unsicherheit und Existenzängste, sagte Hardeling. Familienkonflikte und andere Belastungen nähmen zu. Gleichzeitig fehlten durch die Kontaktbeschränkungen viele Entspannungsmöglichkeiten durch Freizeitaktivitäten. Auch Treffen mit Freunden fielen weg. Der Verkauf alkoholischer Getränke sei in diesem Zusammenhang um etwa 30 Prozent gestiegen.

Untersuchungen zeigen nach Angaben der Landesstelle, dass etwa 20 Prozent der Männer und mehr als 9 Prozent der Frauen in Brandenburg einen gesundheitlich schädlichen Konsum von Alkohol betreiben. Hilfe gebe es für Betroffene und Angehörige von suchtkranken Menschen in Suchtberatungsstellen. In jeder Region des Landes gebe es Beratungsstellen, sagte Hardeling. Sie seien auch weiterhin telefonisch erreichbar. Einige bieten auch Online- oder Videoberatung an. Über www.selbsthilfealkohol.de könnte im Zweifel auch getestet werden, ob ein riskantes Trinkverhalten vorhanden sei.

Die derzeit geschlossen Spielhallen im Land würden zwar das Glückspiel unterbinden, sagte Hardeling. Andererseits seien gerade Online-Glückspiele für viele Spieler und Spielerinnen besonders riskant. Anbieter von Online-Glückspielen würden zudem massiv Werbung sowohl online als auch im TV schalten, kritisierte sie. Diese massive Präsenz sei unverantwortlich. Hardeling forderte, im Sinne des Jugend- und Spielerschutzes auch in Deutschland wie in anderen EU-Ländern Werbung für Glücksspiele komplett zu verbieten oder wesentlich einzuschränken.

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