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Berlin & Brandenburg Petition gegen Ausbau der Oder: Das Oderbruch tanzt

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Die Bewohner entlang der Oder fordern den Stopp des Oderausbaus, um weitere Umweltkatastrophen zu verhindern. Dazu haben sie Tausende Unterschriften gesammelt. Ein Kunstprojekt unterstützt das und bringt außerdem eine ungewöhnliche Performance an den Fluss.

Letschin (dpa/bb) - Anwohner der Oder und Umweltschützer wollen an diesem Sonntag (2.10.) bei einem Tanzfest eine Petition gegen den Oderausbau an das Bundesumweltministerium übergeben. Stellvertretend für Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) werde Staatssekretärin Christiane Rohleder die bisher über 7000 gesammelten Unterschriften auf dem Gelände des Kulturhafens in Groß-Neuendorf (Märkisch-Oderland) in Empfang nehmen, wie die Bürgerinitiative "Save Oder Die" am Samstag weiter mitteilte. Die Petition richte sich auch an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Sie sei ein erster Erfolg und symbolisiere die Sorge der Menschen um ihren Fluss, hieß es von den Akteuren. Die Kienitzer Initiative unterstützt das "Aktionsbündnis lebendige Oder", dass seit Jahren um den Erhalt des einzigartigen Ökosystems der Oder kämpft.

Im August war es in der Oder zu einem massenhaften Fischsterben gekommen. Um weiteren Katastrophen vorzubeugen, müsse der Oderausbau beendet sowie in die Durchführung des Schutzes und der Renaturierung der gesamten Oder investiert werden, so die Bürgerinitiative. Sie fordert zudem, giftige Einleitungen zu untersagen.

Der Abschlussbericht deutscher Experten zum Fischsterben lässt die Frage nach dem genauen Verursacher der Katastrophe weiter offen. Die Forscher bestätigten die massive Ausbreitung einer giftigen Alge als wahrscheinlichste Ursache der Umweltkatastrophe. Welche Quelle jedoch zu der ungewöhnlich hohen Salzkonzentration im Wasser geführt hatte, die die Vermehrung der Giftalge begünstigte, bleibe "mangels verfügbarer Informationen" unklar, hatte es am Freitag geheißen.

Das Kunstfest, im Rahmen dessen die Petition gegen den Oderausbau übergeben werden soll, greift aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf - darunter das Fischsterben an der Oder oder die Angst vor einem Rechtsruck in der Gesellschaft. Die Company MS Schrittmacher bringt im 25. Jahr ihres Bestehens mit dem Projekt "Bruchstücke" Tanz, Artistik und Performance ins Oderbruch. Ihre Arbeit steht in diesem Jahr im Zeichen von Spurensuche, Austausch und der Vermittlung. Ziel sei es, mehr darstellende Kunst in den ländlichen Raum zu bringen - zugleich solidarisiere sich die Gruppe mit der Region, sagte Projektleiter Martin Stiefermann der Deutschen Presse-Agentur.

Das Projekt wird im Rahmen der Initiative Neustart Kultur gefördert. Die Kulturschaffenden haben es innerhalb eines halben Jahres mit den Oderbruch-Bewohnern entwickelt. Diese hätten sich mit großem Engagement bei Ausstattung, Kostüm und Requisite beteiligt, wie die Künstler berichteten. "Wichtig war immer, die Oderbruchler mit einzubeziehen", berichtete Projektleiter Stiefermann. Dazu seien "Tandems" entwickelt worden, bei denen sich immer ein Künstler und ein Oderbruch-Bewohner kennenlernen konnten. Dieser Austausch findet nun auf der Bühne seine Darstellung - als Performances.

"Spannend ist, wie man über Bewegung und Tanz Themen und Gefühle anders vermitteln kann, als mit Sprache", berichtete Stiefermann. Der ausgebildete Tänzer und Choreograf hat seit 2011 im Oderbruch ein Zuhause. Ziel sei es auch, die Bevölkerung andere Formen von Tanz erleben zu lassen, ohne dass sie dafür etwa nach Berlin müsste. Auch Kindertanz, Jugendarbeit und Integration soll etabliert werden. Die Company plant zudem gemeinsam mit der Fabrik Potsdam - einem internationalen Zentrum für Tanz und Bewegungskunst - eine Tanzinitiative für ganz Brandenburg.

Quelle: dpa

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