Regionalnachrichten

Berlin & Brandenburg Rund 120 Berliner Strafgefangene kommen vorzeitig frei

dpa_Regio_Dummy_BerlinBrandenburg.png

Die Haftstrafe nicht bis zum letzten Tag verbüßen müssen - das macht jedes Jahr ein Gnadenerweis der Justiz möglich. Nicht nur Gefangene profitieren.

Berlin (dpa/bb) - Alle Jahre wieder: Die Berliner Justiz zeigt sich rechtzeitig vor Weihnachten mild. Aus den Gefängnissen in der Hauptstadt werden in diesem Jahr 124 Inhaftierte vorzeitig entlassen. Mit dem Gnadenerweis von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) werden ihnen einige Wochen Gefängnis vor dem regulären Haftende erlassen.

Die meisten (48 Inhaftierte) können die Justizvollzugsanstalt Heidering früher hinter sich lassen, wie die Justizverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. In den Berliner Haftanstalten sitzen derzeit knapp 3330 Gefangene.

Mit dem Sammelgnadenerweis zum Jahresende werde die Resozialisierung gefördert, so Senator Behrendt. Die zeitiger Entlassenen könnten sich jetzt um Wohnung und Arbeit kümmern. Dies sei zum Jahresende erfahrungsgemäß schwieriger. "Mit dem Sammelgnadenerweis erleichtern wir also die Wiedereingliederung in unsere Gesellschaft."

Die vorzeitige Entlassung habe nichts mit Corona zu tun, hieß es. Der Gnadenerweis werde jährlich erlassen. 2019 konnten 170 Gefangene davon profitieren. Damals saßen aber mehr Gefangene (3800) ein.

Eine der Bedingungen für die frühere Entlassung ist demnach eine gute Führung. Zudem müssen die Gefangenen in Freiheit eine erste Unterkunft haben und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Das vorzeitige Haftende muss beantragt werden.

Laut Justizverwaltung kommen Gewaltverbrecher und Sexualstraftäter generell nicht früher auf freien Fuß. Das gilt auch für Verurteilte mit Drogendelikten, Staatsschutzvergehen oder Täter, die wegen Landfriedensbruchs verurteilt wurden. Verurteilte mit mehr als zwei Jahren Haft seien ausgeschlossen, hieß es.

Die Zahl derjenigen, die von der milderen Justiz vor Weihnachten profitieren, kann sich noch erhöhen. Einige Fälle würden noch geprüft, hieß es. In diesem Jahr konnten Straf- und Jugendstrafgefangene mit dem Gnadenerweis schon zum 30. September entlassen werden. Ihr reguläres Haftende hätte zwischen dem 1. Oktober 2020 und 4. Januar 2021 gelegen.

Aus dem Gefängnis Plötzensee kommen 24 Insassen vor dem eigentlichen Haftende in die Freiheit, aus der Jugendstrafanstalt 6. Auch 10 Frauen wurde bislang das vorzeitige Haftende bewilligt.

Von der früheren Entlassung hat auch die Justiz etwas - es werden Kosten gespart. Laut Verwaltung kostet ein Hafttag pro Person etwa 143 Euro.

Newsticker