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Berlin & Brandenburg Schausteller setzen auf diesjähriges Weihnachtsmarktgeschäft

Lebkuchenherzen mit der Aufschrift

(Foto: Soeren Stache/dpa/Archivbild)

Ausgelassen feiern und bei Straßenfesten oder Jahrmärkten den Alltag vergessen - das wird diesen Sommer vielen fehlen. Bis Oktober sind in Berlin alle Großevents verboten. Die Schausteller hoffen nun, zumindest Weihnachten anstoßen zu können.

Berlin (dpa/bb) - Coronabedingt fallen in diesem Sommer in Berlin alle großen Feste aus - die Schausteller der Hauptstadt setzen deshalb auf den Herbst und Winter, wie der Vorsitzende des Berliner Schaustellerverbandes, Michael Roden, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Doch abhängig von der Entwicklung der Pandemie bleibt die Frage noch offen, ob auf den Weihnachtsmärkten in diesem Jahr mit Glühwein angestoßen werden kann.

Nicht nur die Berliner Schausteller würden das begrüßen - auch die Bezirke blicken bereits Richtung Jahresende. "Es wäre ein wichtiges Signal, dass Weihnachtsmärkte gerade in diesem Jahr unter Einhaltung der Regeln stattfinden können", sagte der Charlottenburger Stadtrat Arne Herz (CDU). Feste und Schausteller hätten eine große gesellschaftliche Bedeutung. "Wir dürfen die Betriebe nicht vernachlässigen. Da hängen meistens ganze Familien dran", appellierte Herz.

In Charlottenburg gibt es gleich zwei bedeutende Weihnachtsmärkte: Den Markt am Breitscheidplatz und den Markt vor dem Schloss Charlottenburg. Rechtlich möglich wären die Märkte nach aktuellem Stand: Bis 24. Oktober sind in Berlin laut Corona-Verordnung Veranstaltungen mit mehr als 5000 Besuchern verboten - doch niemand kann vorhersagen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt.

Die Organisatoren und der Bezirk arbeiten jedenfalls schon jetzt an Konzepten, mit denen gefeiert und der Gesundheitsschutz eingehalten werden kann. Konkret sei für die Märkte im Gespräch, die Fläche zu vergrößern, damit die Zahl der Buden gleich bleiben kann, sagte Stadtrat Herz. Alles Weitere müsse dann gesehen werden. Mehr als 5000 Menschen seien ohnehin nie zeitgleich auf den Märkten gewesen. Herz erwartet ebenfalls weniger Weihnachtsbummler: "70 Prozent der Besucher des Marktes am Breitscheidplatz sind beispielsweise Touristen", sagte er.

Die Berliner Schausteller haben eigenen Angaben zufolge seit dem Ende der Weihnachtsmärkte keine Möglichkeit gehabt, Geld zu verdienen, weshalb das Weihnachtsgeschäft 2020 wichtig wäre. Bei der AG City, die den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz veranstaltet, sind bereits einige große Events ausgefallen, wie das Frühlingsfest im April und das Spargelfest im Mai. Das Event "Summer In The City" im September sei noch in Planung, berichtete der Vorstandsvorsitzende Klaus-Jürgen Meier. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Bezirk: "Alle arbeiten darauf hin, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden kann", sagte er.

Der Schaustellerverband Berlin wirkt an dem Weihnachtsmarkt als Organisator mit und sieht die Politik in der Pflicht, die Schausteller jenseits der Corona-Soforthilfen zu unterstützen. "Es muss ein Rettungsschirm kommen, sonst fällt das Gewerbe in sich zusammen", sagte Verbandschef Roden, der nach eigenen Angaben 200 Betriebe mit 2000 Mitarbeitern vertritt. Im Frühling starte für gewöhnlich die Hauptsaison - die falle jetzt komplett aus. Viele hätten zudem in ihre Geschäfte investiert und blieben nun auf teils hohen Kosten sitzen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, hat der Verband einen Brief und eine persönliche Anfrage an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geschrieben.

Auch der Bezirk sieht Bund und Länder in der Pflicht, den Schaustellern zu helfen. Neben finanziellen Hilfen könnten auch Konzepte für den Sommer entwickelt werden, sagte Stadtrat Herz. Er denkt an kleinere Stände auf Plätzen oder Drive-Ins etwa für gebrannte Mandeln. In anderen Bundesländern werde Ähnliches bereits ausprobiert.

Die Organisatoren des Berliner Oktoberfests warten ebenfalls auf Signale. Der Fassanstich für das Fest am Kurt-Schumacher-Damm war ursprünglich für September geplant: "Wir haben Konzepte bereit. Jetzt ist die Politik gefragt", sagte Veranstalter Stephan Mentel.

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